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Weinhaus Pfandler "Zu den Seligen Affen"

Foto: Katharina Gossow

Foto: Roman Pfandler

Foto: Susi Vostrel


Weinhaus mit original 50er-Jahre Einrichtung. Ausgesuchte Spezialitäten von Klein- und Kleinstproduzenten aus Österreich: Fleisch, Wurst, Käse, hausgemachte Aufstriche und Salate, auch warme Speisen wie überbackene Brote, Schöpfgerichte etc. Kindersessel, Spielsachen. WLAN. Gelegentlich Live-Musik. Keine Hunde. Schanigarten für ca. 20 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Dörfelstraße 3A
1120 Wien
E-Mail:
E-Mail:
selig@weinhaus-pfandler.at
Website:
Website:
www.weinhaus-pfandler.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Sa 16–22 jetzt geöffnet (bis 22:00 Uhr)
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Stadtheurige
Sonstiges:
Sonstiges:
Hunde nicht erlaubt, Nichtraucherlokal, Rollstuhlgerecht, Schanigarten, WLAN

Die Schönheit der klaren Linie

Ein Weinhaus, eines der letzten und schönsten, machte nach Jahren wieder auf
FLORIAN HOLZER | 2.10.2018

Gelobt sei der Hans Pitzl. Weil sein Vater 1955 ein Weinhaus aufmachte, das er selbst in den 1970ern übernahm. Gelobt sei der Hans Pitzl auch, weil er das Weinhaus über die Jahrzehnte gut in Schuss hielt, vor allem deshalb, weil er in den vergangenen acht Jahren, in denen sein Weinhaus geschlossen war, zwar viele Angebote zur Übernahme bekam, die aber halt alle das Interieur rausreißen wollten. Und dazu sagte er Nein, der Herr Pitzl.

Das Interieur des Weinhauses Pitzl ist nämlich nachgerade archetypisch für die Gattung „Wiener Weinhaus“: ein Holzboden, eine Lamperie bis in zwei Meter Höhe, alle 25 Zentimeter mit einem Mantelhaken versehen, kein einziger fehlt; eine Schank- und Kühlanlage von archaischer Schönheit, mit geschwungener Vitrine am Ende, mit polierter Nirostaschank, mit Marmorabdeckung des Zapfbereichs, mit Terrazzosäumung des Gesamtensembles, nur mehr ganz wenige Schankanlagen gibt es, die noch so gut erhalten sind; Holzbänke, Resopaltische und dann diese beiden Mantel-Hut-Ablage-Ufos aus türkis gestrichenem Metall zwischen den beiden Tischnischen am Ende des Lokals, quasi die Wahrzeichen des Weinhauses – das Weinhaus Pitzl ist in seiner schlichten Schönheit perfekt.

Und das sah auch der Roman Pfandler so, der jahrelang das Polyklamott und die Transporter-Bar machte, und deshalb bekam er das Weinhaus, das seit Juli jetzt Weinhaus Pfandler heißt, Untertitel: „Zu den seligen Affen“.

Wie schon Hans Pitzl nahm auch Roman Pfandler die Sache sehr ernst, pflegte, ölte, bewahrte, besorgte aber darüber hinaus auch ein paar Weine, wie man sie heute halt trinken will, und suchte ein paar gute Sachen zum Essen zusammen. Das Grimm-Brot mit dem Bratl-Fett vom Szabo-Fleischer, oder G’selchtes und Knacker vom Geitzenauer aus Litschau oder „Mangerl“ (ein sagenhaftes Salz-Mohn-Gebäck) vom Smetacek, ebenfalls Litschau. Unter den Dingen, die man sich mit einer schon wieder perfekten Essig-Öl-Marinade und rotem Zwiebel bedecken lassen kann, hat man die Wahl zwischen Knacker, Blunze, Presswurst oder Ei, und wenn man Presswurst wählt, kommt da eine kompakte Scheibe schinkiger Köstlichkeit, kaum Sulz, nur mürbes Fleisch, herrlich (€ 5,90). Die gemischte Platte ist dann schon recht abendfüllend, beherbergt Gselchtes, Hauswürstel, einen echten Liptauer, der mit Brimsen gemacht wurde, einen wirklich guten Pfefferoni, drei verschiedene Schaf- und Ziegenkäse und dann den grandiosen Bergkäse vom Sutterlüty auch noch (€ 8,–). Da nimmt man dann schon noch ein Glas, und sei es, dass man deswegen zur Philadelphiabrücke zum Bankomaten muss …

Okay, alles recht euphorisch, ich weiß. Ist aber so, das Weinhaus Pfandler ist das wertvollste neue Beisl seit langem. Und der Herr Pitzl kommt übrigens jeden Tag vorbei und freut sich, jetzt hier Gast sein zu dürfen.

Resümee

Ein Weinhaus, wie es im Buche steht – schlicht, schön, mit gutem Wein und einfachem, gutem Essen.

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