Cafés, Espressos Lokalkritik

Manufactum Café und Bäckerei

Foto: Heribert Corn


Café und Holzofenbäckerei im Kaufhaus Manufactum. Frühstück (€ 5,90 bis € 14,90), div. Eierspeisen (€ 4,50 bis € 10,50); Snacks - Sauerteigbrot mit div. Belagen, Salate. Kaffee, Tee, Bier von Gusswerk. Schanigarten.

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Adresse:
Adresse:
Am Hof 3–4
1010 Wien
Telefon:
Telefon:
01/388 99 91-11
Website:
Website:
www.manufactum.at
www.facebook.com/manufactum/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Fr 10–19, Sa 10–18 jetzt geöffnet (bis 19:00 Uhr)
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos, Konditoreien/Bäckereien
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen zum Mitnehmen, Frühstück, Gastgarten, Nichtraucherlokal

Stullen vom Versender

Manufactum machte in Wien ein Kaufhaus auf. Mit Lokal
FLORIAN HOLZER | 25.9.2018

So vor 20 Jahren war es gewissermaßen ein Statement, sich etwas bei Manufactum zu bestellen. Der Slogan „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ war wie eine Verheißung und er bedeutete, dass man sich das auch leisten konnte und wollte, denn die Dinge, die da im Manufactum-Katalog wunderschön fotografiert und vor allem von Thomas Hoof philosophisch und sinnlich beschrieben wurden, kosteten echtes Geld. Der walisische Regenmantel aus doppelt gewebtem Kammgarn oder die mit Goodyear-Naht gefertigten Schuhe aus handgegerbtem Cordovan-Pferdeleder. Weshalb man sich dann halt doch nur den Katalog ansah.

Das Geschäftsmodell war jedenfalls extrem erfolgreich, Manufactum setzte jährlich etwa 100 Millionen Euro um und vor elf Jahren übernahm dann der Otto-Versand das Schöngeist-Unternehmen. Seitdem expandiert Manufactum ein bisschen schneller – und vorige Woche eröffnete man einen Laden Am Hof in Wien.

Der wurde hübsch und ins Erdgeschoß zog ein Café ein. Mit großen Fenstern, mit grünem Leder bespannten Bistro-Bänken, Glühfadenlampen und einer mächtigen, blaugrau verfliesten Bäckerei-Theke. Denn: Selbst gebackenes Brot ist hier das Thema, „Brotzeit“ titelt dann auch die Speisekarte, auf der aufgelistet wird, womit man das Brot hier belegt bekommen kann, Schinken, Käse, Würste, Aufstriche, leider alles ohne sinnliche Beschreibung, nicht einmal mit Herkunftsangabe. Die Kabanossi sei aus dem Waldviertel, worum es sich bei Kabanossi handelt, scheint dem Servicemitabeiter aber generell nicht so geläufig, und auf die Frage, ob man sie „in ’ne Stulle“ haben möchte, erntete man in Wien früher ja normalerweise ein Ohrenreiberl. Jetzt eh nicht mehr. Das Brot ist jedenfalls fast so gut wie von Joseph, Gragger oder Öfferl. Seltsam nur: Das waren keine Kabanossi. Das waren weiche, rosige Brühwürste mit Abdrücken der Vakuum-Verpackung. Okay, wenigstens der Preis blieb Manufactum-typisch (€ 8,80). Die Quiche war okay, Käse und Birne etwas flach und etwas süß vielleicht, der Rucolasalat dazu tatsächlich mit Balsamico-Ersatz mariniert, sodass man sich fragte: „Gibt es sie noch, die guten Marinaden?“

Spektakulär wurde es beim „Bücklingsfilet geräuchert“, das kam auf einem halben Meter großen Brett, wieder mit Brot, wieder mit Balsamico-Salat – und mit einer Info-Broschüre der Hiddenseer Kutterfischer sowie einer leeren Kartonschachtel, in der die Dose verpackt war. Dass es sich dabei um Dosenhering handelt, stand aber nirgendwo und war bei 12,80 Euro eigentlich auch nicht wirklich zu erwarten. Aber dafür wurde er mit Stellnetz gefischt.

Das Bier ist übrigens von Gusswerk, gut, aber halt auch im Supermarkt zu bekommen, die Weine von einer der größten Kellereien des Landes. Der Espresso ist wirklich gut. Aber sagen wir so: Ein Manufactum-aha-Erlebnis hat man hier nicht.

Resümee:

Das Versandhaus für Gutes & Wahrhaftiges eröffnete ein Geschäft mit Lokal. In dem es wahrhaftig teures Wurstbrot gibt.

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