Vegetarisch, vegan Lokalkritik

Venuss

Foto: Heribert Corn


Veganes Lokal mit biologischen, saisonalen und weitgehend regionalen Speisen und Zutaten z.B.: Süßkartoffelcreme mit Kokosmilch, fünf Bohnensorten asiatisch mariniert mit Koriander und Zitrus oder Kohlrabi-Gratin mit Kräuterkruste. Man nimmt vom Buffet und es wird auf eine Chipkarte gebucht.

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Adresse:
Adresse:
Herrengasse 6–8
1010 Wien
Telefon:
Telefon:
01/890 83 09
E-Mail:
E-Mail:
herrengasse@venuss.com
Website:
Website:
www.venuss.com
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 8–18 derzeit geschlossen
Küche:
Küche:
Vegetarisch, vegan
Sonstiges:
Sonstiges:
Bioprodukte

Das Essen im Jahr 2048

Ein neues Lokalkonzept, das eine Ahnung von der nahen Zukunft vermittelt
FLORIAN HOLZER | 23.10.2018

Die Tageszeitung Der Standard feierte eben ihr 30-Jahre-Jubiläum; zu diesem Anlass wurden die Kollegen Ingo Pertramer, Thomas Nowak und ich gebeten, uns etwas zum Thema „Essen und Trinken im Jahr 2048“ einfallen zu lassen. Und wenn wir bei Redaktionsschluss dieser Sondernummer das Venuss schon gekannt hätten, dann hätte unsere Prognose eventuell ein bisschen anders ausgesehen.

Erfinder und Besitzer von Venuss ist Christian Halper, Mitbegründer des Hedgefonds Superfund, der seine Anteile an der Börsen-Heuschrecke 2010 verkaufte, dadurch zum Multimillionär wurde und ein Jahr danach das vegetarische Gourmetrestaurant Tian eröffnete. Und sich offenbar dachte, dass man vielleicht noch einen Schritt weiter gehen könnte.

Das Venuss wurde also vegan. Und biologisch und weitestgehend regional und weitestgehend saisonal. Man betritt das von der steirischen Architektin Isabella Müller-Fuchs sehr transparent und hell gestaltete Lokal, erhält beim Welcome-Desk ein Tablett und eine Chipkarte, geht zur Buffetvitrine und ordert, was einem gefällt. Bei den kalten Gerichten hat man die Wahl zwischen der kleinen Portion aus sechs (€ 7,50) oder der großen Portion mit allen 13 Salaten (€ 12,50); bei den warmen Gerichten wählt man zwischen einer, zwei oder drei Speisen (€ 5,–/9,–/12,–), die Menschen hinter der Budel sind freundlich und kompetent, zum Bonieren hält man die Karte vor ein Lesegerät, fertig. Das geht wahnsinnig schnell, man kann sehr gut auswählen, und wenn man Lust hat, geht man einfach noch einmal.

Das Tatar aus Pilzen und Roten Rüben war noch das Uninteressanteste, sah aber zumindest gut aus, die Süßkartoffelcreme mit Kokosmilch schmeckte toll, ein Salat aus Grün- und anderen Kohlsorten mit Mandarine und Pecan war mild, aber gut, die asiatisch marinierten fünf verschiedenen Bohnensorten mit Koriander und Zitrus gelangen großartig. Bei den warmen Gerichten habe man sich an der Wiener Küche orientiert, erfährt man, was ein bisschen nach schwieriger Übung klingt, bei Rahmpilzen, Rotkraut mit Äpfeln, Quitten und Preiselbeeren, Schustergulasch, Rahmkürbis mit Erdäpfelknödeln oder vegan gefüllten Paprika dann aber recht gut gelingt. Und besonders gut bei einem veganen Kohlrabi-Gratin mit Kräuterkruste, schmeckt großartig, und sogar bei einem veganen faschierten Laberl aus Reis und Bohnen.

Das alles schmeckt wirklich gut, sieht gut aus, es riecht nicht nach Fett, das Essen liegt nicht schwer im Bauch, kostet kein Haus und man muss nicht lang warten. Und erfüllt so ziemlich alle Voraussetzungen für eine moralisch einwandfreie Ernährung. Okay, auf die Mandelmilch, mit der die Melange gemacht wird, ist man offenbar so stolz, dass man’s mengenmäßig übertreibt. Aber das bringt nur irrsinnig wenig Minuspunkte …

Resümee:

Vegan, bio, saisonal, bargeldlos, freundlich, hübsch und vor allem wirklich gut. Nein, das ist nicht Science-Fiction, das gibt’s wirklich.

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