Imbisse Lokalkritik

Reserva Ibérica by Paco

Foto: Heribert Corn


Imbissbar mit Schwerpunkt Ibérico Schinken; Tapas wie Croquetas de Jamón Ibérico oder Tortilla Espanola. Spanische Weine.

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Adresse:
Adresse:
Wallnerstraße 5
1010 Wien
Telefon:
Telefon:
0660/473 71 14
E-Mail:
E-Mail:
info@reservaiberica.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 11–23 derzeit geschlossen
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Imbisse
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen zum Mitnehmen

Jamón, jamón!

Eine kleine Imbissbar widmet sich dem besten Schinken der Welt
FLORIAN HOLZER | 30.10.2018

Von 1960 bis 1995 stand spanischer Schinken unter Quarantäne, wegen der afrikanischen Schweinepest, die in dieser Zeit in Spanien auftrat. Komisch nur, dass diese Seuche seither auch in anderen Ländern auftrat, 1993 etwa in Italien und erst dieses Jahr in Ungarn, der Handel mit Prosciutto oder ungarischer Salami aber kaum eingeschränkt wurde, zumindest merkte man nichts davon. Und da steht jetzt natürlich der Verdacht im Raum, dass es sich damals um eine Verschwörung der europäischen Schinken-Lobbys gegen die Spanier handelte. Schließlich ist der Jamón Ibérico de Bellota der beste Schinken der Welt, und wer etwas anderes behauptet, lügt.

Jetzt gibt es ihn jedenfalls, den guten Schinken, reichlich, um nicht zu sagen massenhaft. Genug jedenfalls, um es Großhändlern wie Reserva Ibérica zu ermöglichen, drei Shops in Barcelona, einen in Zaragoza, einen in Hongkong und einen in Hiroshima zu betreiben.

Und jetzt auch noch einen in Wien. Das heißt, den betreibt nicht der Schinken-Multi, sondern Patrick Troger, der vor zwei Jahren ein sehr appetitliches Tapas-Lokal an der Nussdorfer Straße aufmachte. Aber klar, will man ein Imbisslokal machen, bei der es um Ware im Wert von 26 Euro pro 100 Gramm geht, muss man zum Kohlmarkt.

Dafür, dass die Keulen, die da von der Decke hängen, echt sehr viel wert sind, hält sich die Schinken-Bar aber angenehm unkompliziert, schlicht und unverschnöselt. Das Zentrum der kleinen Bar bildet ein Pult, auf dem zwei Schinken platziert sind, von denen der Schinkenmeister publikumswirksam die Stückchen herunterschneidet, daneben eine Vitrine, in der ein paar schöne Tapas angerichtet sind, vakuumierter Ibérico-Aufschnitt, etwas Käse, auch ein spanisch gut gefüllter Weinkühlschrank fand noch Platz.

Die Croquetas de Jamón Ibérico, im Restaurant selbst hergestellte Kartoffelkroketten mit einer Fülle aus faschierten Schinken-Abschnitten, sind leider ein bisserl fad (€ 2,–), die Tortilla Española nicht schlecht, aber aus gekochten Erdäpfelscheiben statt aus rohen gebraten, und das macht halt einen Unterschied (€ 6,–). Aber dafür ist die Degustacion de Ibéricos super, und um die geht’s hier ja schließlich: Die Chorizo noch etwas verhalten und nach Plastikverpackung schmeckend, Lomo aber großartig, schmelzend, nussig, Salchichon mit wild-rauchigem Paprikaaroma auch super und die vier Stückerln vom „Jabugo“ (prominenteste Herkunft des schwarzfüßigen Eichelschweinschinkens) sowieso himmlisch, komplex, dunkel, reichhaltig (€ 12,–).

Dass man Brot extra bezahlen muss, ist vielleicht etwas knausrig, tatsächlich genießt sich der Ibérico mit einem Glas Manzanilla aber eh besser. Gibt’s hier auch. Und da sitzt man also, knabbert Salzmandeln und weltbesten Schinken und schaut den Touristenmassen beim Vorbeiströmen zu – genau so wie in Barcelona!

Resümee:

Der etwas andere Imbiss – nämlich kleine Stückchen vom Schinken des mit Eicheln gefütterten Ibérico-Schweins.

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