Cafés, Espressos Lokalkritik

Lilo's

Foto: Heribert Corn


Café in einem Vintage-Möbelladen, das nicht als solches bezeichnet werden will. Es gibt keine Karte, trotzdem gibt es guten Kaffee (Rösterei Goppion aus Treviso), gutes Craft-Beer (Ten.Fifty) und diverse Snacks.

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Adresse:
Adresse:
Absberggasse 27
1100 Wien
Telefon:
Telefon:
01/586 05 20
Website:
Website:
www.brotfabrik.wien/kunst-kultur/lichterloh.html
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Fr 11–18, Sa 10–15 derzeit geschlossen
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos

Vintage-Sofa & Schnittlauchbrot

Der Edel-Vintage-Laden Lichterloh hat jetzt ein bisschen ein Lokal
FLORIAN HOLZER | 13.11.2018

Die alte Glasfabrik hat’s 22 Jahre gegeben; ein ehemaliges Industriegebäude in Ottakring, das vier Antiquitätenhändler zu einem großartigen, überdimensionalen Wühltisch für altes Klumpert gemacht hatten.

Das ist jetzt leider vorbei, zumindest an dieser Location. Denn das Haus wurde verkauft, das Projekt Glasfabrik eröffnet kommenden Samstag neu am Westbahnhof, Lichterloh – Spezialist für edles Vintage-Design und einer der vier Betreiber – stieg aus und erweiterte seinen Aktionsbereich in seiner Dependance in der Ankerbrotfabrik.

Und zwar einerseits um eine offen einsehbare Werkstatt, in der der Schlosser und Tischler (und gelernte Tierarzt) Peter Kermann repariert und neu baut; andererseits um einen Verkaufsraum, für die etwas billigeren, „normaleren“ Möbel, die in das Geschäft in der Gumpendorfer Straße nicht passen würden; und um so etwas Ähnliches wie ein Café, das Lilo’s heißt.

Was das Lilo’s jedenfalls nicht sein will, ist ein klassisches Lokal. Es werde keine Karte geben, sondern einfach ein paar Sachen, von denen man ohnehin grundlegend überzeugt ist, „Schwarzbrot mit Mangalitza-Schmalz und ein Bier dazu“, kommt Markus Pernhaupt da etwa gleich in den Sinn, der sagenhaft gute und in einem Innenstadt-Keller endgereifte Bergkäse von Anton Sutterlüty, Butterbrot mit Schnittlauch und Thum-Schinken, „und wenn’s lustig ist, gibt es vielleicht einen Avocadosalat mit Dosenfischerln vom Hink drauf“. Man müsse davon nicht leben, keine Erwartungen erfüllen und könne daher auch anders kalkulieren, als „klassische“ Gastronomie das tut.

Was jetzt insgesamt vielleicht ein wenig arrogant klingen mag, scheint tatsächlich aber doch irgendwie eine Herzensangelegenheit von Pernhaupt und Beate Hautzenberger zu sein. Nicht zuletzt weil Designer Pernhaupt eine Theke aus Eternit und alten Küchenkastelschubladen baute; nicht zuletzt, weil er da jetzt die Produkte seines Lieblingswinzers aus Gols ausschenken kann; nicht zuletzt, weil Beate Hautzingers Mutter zusagte, regelmäßig Apfelstrudel zu liefern; nicht zuletzt, weil sie hier keine Lasagne kochen müssen, es aber können, wenn sie wollen, und dann gibt es sie halt.

Und stolz auf das Lokal, das keines ist, sind sie natürlich schon auch, auf die großartigen, zeitlosen Senf- und Ketchup-Spender vom Rist, darauf, dass sie bei einem Standl am Viktor-Adler-Markt, der eigentlich Brimsen verkauft, tolle Säfte eines Kleinproduzenten namens „Ferdl“ entdeckten, und auf ihren wirklich bemerkenswerten Kaffee der Rösterei Goppion aus Treviso, von dem sie zwei verschiedene Versionen in zwei Mühlen haben. Ah ja, und das Bier kommt von der im Mai eröffneten Start-up-Craft-Brewery Ten.Fifty. gleich gegenüber im Hof der Ankerbrotfabrik. So macht Möbelkaufen jedenfalls gleich wieder Spaß.

Resümee:

Ein Vintagemöbelspezialist betreibt hobbymäßig auch ein kleines Café, in dem man Bier trinken kann, das gegenüber gebraut wurde.

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