Italienisch Lokalkritik

AlimenTari

Foto: Heribert Corn


Feinkostladen im Hotel Das Triest mit italienischen Spezialitäten, indem man die eine oder andere Köstlichkeit kosten kann. Spezialität: Grappa - mehr als 100 verschiedene Sorten.

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Adresse:
Adresse:
Wiedner Hauptstraße 12 (im Hotel Das Triest)
1040 Wien
Telefon:
Telefon:
01/589 18-139
Website:
Website:
www.dastriest.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Sa 9.30–19 jetzt geöffnet (bis 19:00 Uhr)
Küche:
Küche:
Italienisch

Jetzt einen Grappa, schnell!

Das Hotel Triest hat sich erweitert, auch um eine Grappa-Apotheke
FLORIAN HOLZER | 4.12.2018

Ja, ich weiß eh, dass es „die Grappa“
heißt. Aber wenn man in Österreich korrekterweise „die Grappa“,
„die Mozzarella“ oder „der Risotto“ schreibt, kann man sich des Bobo-Vorwurfs so gut wie sicher sein. Grappa führte in den vergangenen 20 Jahren ein bisschen ein Schattendasein, andere Spirits waren die Stars, zuerst Single Malt, dann Rum und seit geraumer Zeit will der Gin-Hype nicht abreißen. Grappa war in den 90ern cool, der namhafte Tignanello-Grappa, der glorios-ölige Sassicaia-Grappa, die zarten Poli-Brände, die rüden Geräte von Romano Levi. Hatte man in der Sammlung, war man stolz drauf.

Vorige Woche machte das Hotel Das Triest einen neuen Alimentari-Laden in der ehemaligen Paulaner-Apotheke auf, und hier geht es ziemlich eindeutig um Grappa. Das heißt, die machten nicht nur die Grappa-Apotheke auf, sie machten auch ein Bistro-Café namens Porto auf, das vom Architekturbüro BEHF in einen verführerisch attraktiven Leder-Holz-Marmor-Messing-Dress gehüllt wurde, sehr stimmungsvoll, sehr Sixties, und man kocht tadellose Pasta, elaborierte Salate und üppig belegte Brote, die man „Bruschetta“ nennt, obwohl sie mit den einfach getoppten, kleinen warmen Weißbroten kaum was zu tun haben. Egal, soll sein.

Auch das AlimenTari wurde schön, weil man hier nämlich die alten, geschnitzten Regale der Apotheke sowie die wunderschönen Zementfliesen übernahm und mit modernen Regalen recht gelungen ergänzte. In denen – weil das AlimenTari ein Geschäft ist – viele gute Sachen stehen, die man sonst nicht so oft findet. Weiße und gelbe Polenta einer kleinen Mühle etwa, biologisches Kichererbsenmehl, großartige Pasta von Rummo oder La Molinara, geröstete Haselnüsse aus dem Piemont, diverse wunderbare Sugos und Antipasti, italienische Limonaden und die herrlichen Crodino-Fläschchen, Olivenöle (auch aus Griechenland), Salz, Konserven, alles gut.

Und Grappe in einer Anzahl zwischen 104 und 112, so genau wusste das der Geschäftsleiter Marcus Kleindienst jetzt auch nicht. Und da sind sie wieder, die Stars der 90er, Tignanello, Sassicaia, Nonino & Co, aber eben auch Grappe, die in Tennessee-Whiskey-Fässern, in Rumfässern, in Sherryfässern reiften, Jahrgangsgrappa, koscherer Grappa, alles da. Und einen gibt’s immer offen zum kosten, mehr leider nicht, Grappa-Bar darf und will man auch nicht sein. Wobei: Wenn einen da jetzt dann gerade die ganz unmittelbare Grappa-Lust abholt, kann man sich schon helfen. Etwa indem man in der Lobby gleich hinter der Apotheke Platz nimmt und sich die Grappa-Karte vom Restaurant des Hauses bringen lässt, da stehen immerhin auch 20 drinnen. Auch der aus dem Rumfass. Ist sehr gut, kostet sieben Euro. An der Verabreichungs-Dynamik im Rahmen der Möglichkeiten sollte man vielleicht noch etwas arbeiten.

Resümee:

Ein Grappa-Schatz in wunderschönem Ambiente, der sich jedoch einstweilen noch nur etwas kompliziert erschließen lässt.


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