Imbisse Lokalkritik

Hammoud Imbiss

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Arabischer Imbiss mit arabischem Drehspieß Keschkesch; selbstgemachtes Fladenbrot im Tandoori-Ofen gebacken.

Adresse:
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Brunnengasse 54 (Stand 068)
1160 Wien
Öffnungszeiten:
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Mo–Sa 8–16 derzeit geschlossen
Parken:
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Lokaltyp:
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Imbisse
Sonstiges:
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Essen zum Mitnehmen

Al Nafoura, der Brunnen

Klein-Ankara am Brunnenmarkt wird zunehmend arabisch. Und das schmeckt

FLORIAN HOLZER | 11.12.2018

Beim Stand Nummer 068 ist immer was los. Die Leute stehen in der Schlange und drinnen tut sich auch ordentlich was: Ein Mann verkauft Fladenbrote über eine Budel aus Plexiglas und wärmt sich zwischendurch die Hände über einer runden, rußigen Öffnung in einem Metallkasten; ein anderer formt aus einem riesigen Berg blassgelben Teigs, der in einer blauen Plastikwanne liegt, Kugeln und bestäubt sie mit Mehl; ein dritter Mann steht vor dem Drehgrill, das ist Keschkesch, der immer ein bisschen so wirkt, als wüsste er, dass ihm alle zuschauen.

Theatralisch und weit ausholend schleift er das lange Messer, um sogleich die knusprige Schicht des Drehspießes abzuraspeln, der definitiv anders aussieht als bei den tausend anderen Kebap-Ständen in Wien: geschichtetes Rindfleisch, oben und in der Mitte je eine Schicht Fett, damit es saftig bleibt, dazwischen immer wieder Karotten, Gurken und Zitronen, und oben drauf auch eine zackig zugeschnittene Zitrone, wie ein Krönchen.

Er komme aus Bagdad, erzählt er, und der Stand gehöre zu einem irakischen Supermarkt weiter vorne, der Fleischstand schräg gegenüber gehöre auch dazu. Womit der aktuelle Trend am Brunnenmarkt ganz gut umrissen ist: Der Brunnenmarkt ist nicht mehr nur türkisch und serbisch, jetzt sind auch die Araber da. Niemand ist hier misstrauisch, niemand versteckt sich und muss zuerst den Chef fragen, wenn man eine Frage stellt – man ist stolz auf das, was man macht.

Und besonders auf das Fladenbrot, das auf eine Art Polster gelegt wird, mit dem es der Ofen-Meister dann ins Innere der rußigen Öffnung wuchtet, die nämlich ein Tandoori-Ofen ist. Ein paar Sekunden bleibt es da an der Innenseite der kohlebefeuerten Amphore kleben, bis es Blasen wirft, dann ist es zäh und somit genau richtig für Keschkeschs Rindfleisch. Am Stand gegenüber geht es weniger turbulent zu, allerdings kommt das, was es hier gibt, mit den irakischen Dürüms durchaus gut mit.

Vor fünf Monaten übernahm der syrische Supermarkt Ruaa nämlich den Stand unmittelbar davor und bietet hier nun salzige und süße Snacks an: Im Ofen aufgewärmte, hauchdünne Minifladen, entweder mit Käse gefüllt und zu Schiffchen gefaltet, mit würzigem Spinat gefüllt und zu einer Art dreieckigen Golatsche gelegt oder mit Faschiertem bestrichen – alle drei knusprig und wunderbar und irrsinnig billig (€ 1,– bis 2,–).

Und dann gibt’s da auch noch Halawet el Jibn, eine berühmte Süßigkeit aus der Stadt Hama, kleine Röllchen aus weißem Weizengrieß-Biskuit, die mit Frischkäse gefüllt sind und vor dem Genuss in Rosensirup getaucht werden – bevor man das nicht gekostet hat, weiß man nicht, wie sehr einem genau dieses weiße Röllchen bisher gefehlt hat. Arg gut.

Wird der Brunnenmarkt durch die Syrer und Iraker interessanter? Wird er definitiv.

Resümee:

Zwei Standeln am Brunnenmarkt, die nicht besonders aussehen und einfach nur Snacks verkaufen. Die arabisch und sehr gut sind. F