Cafés, Espressos Lokalkritik

Jonas Reindl Coffee Roasters 1070

Foto: Heribert Corn


2. Filiale mit Spezialitäten-Kaffee von Mikroröstern bzw. Direct Trade, zubereitet mit unterschiedlichen Methoden.

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Adresse:
Adresse:
Westbahnstraße 13
1070 Wien
E-Mail:
E-Mail:
office@jonasreindl.at
Website:
Website:
www.jonasreindl.at
www.facebook.com/jonasreindlkaffee/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Fr 7.30–21, Sa 9.30–21, So 10.30–18 öffnet um 7:30 Uhr
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag

Das saure Café

Das hippste Kaffee-Lokal des Uni-Viertels hat eine Filiale in Hipstertown
FLORIAN HOLZER | 12.2.2019

Die Hipster haben’s gut an der Kreuzung Zieglergasse/Westbahnstraße. Hier können sie sich für ihren Berliner Döner anstellen, bekommen skandinavisches Vintage-Küchendesign, Natural Wines aus Südtirol, Elektrofahrräder, feinstes Vinyl an immerhin drei Adressen, Holzspielzeug für die Kleinen, nachhaltige Designertaschen aus der Schweiz für die Großen, handgefräste Pfeffermühlen und Craft-Beer mit 13 Stunden geräuchertem Brisket. Also alles da, was man wirklich braucht.

Nur kein Kaffeehaus. Also natürlich bekommt man hier überall einen Espresso, im schweizerisch-nachhaltigen Designertaschengeschäft sogar wirklich guten. Aber so richtig was mit Sitzen, Schlürfen und Schauen, das gab es hier weit und breit nicht.

Bis kurz vor Weihnachten, denn da machte Philip Feyer sein zweites Jonas Reindl auf. Sein erstes eröffnete er vier Jahre vorher in der Währinger Straße und es ist seither der Ort, wo Studenten ihre sauer-fruchtigen 3rd-Wave-Kaffees trinken. Weil es ihn aber immer schon juckte, Kaffee auch selbst zu rösten, ging er den langen Weg durch die Institutionen, um mitten im siebenten Bezirk eine kleine Hausrösterei genehmigt zu bekommen. Die ehemalige Pizzeria erhielt ein bisschen massives Holzmobiliar und eine Theke mit Lamellen aus Teakholz. Und natürlich eine Espressomaschine der kultigen Marke Slayer aus Seattle und einen Zwölf-Kilo-Röster von Probat.

An dem sitzt Feyer zweimal in der Woche, hat die Kopfhörer auf, verfolgt akribisch Temperaturkurve und programmiertes Röstprofil, zieht alle paar Minuten eine Probe, lässt dann im richtigen Augenblick die frisch gerösteten Bohnen in die Kühlpfanne strömen, wo unter ohrenbetäubendem Lärm die heiße Luft abgesaugt wird. Aber weder der Lärm noch der – gar nicht so wahnsinnig attraktive – Geruch der gerösteten Kaffeebohnen stört die Menschen, wundert sich Feyer selbst ein bisschen, das Café sei jeden Tag voll, am Wochenende besonders.

Dabei gibt’s neben Kaffee eigentlich nichts, keine Pulled-Pork-Sandwiches, kein Pastrami, keine Burger, keine Quinoa-Bowls, Avo-Toasts oder wovon sich Hipster halt sonst so ernähren, nur ein paar Kuchen oder köstliche Rogalach, flaumig-cremige Schokoladerouladen. Und auch der Kaffee ist nicht wirklich Mainstream, er lege seine Röstung „skandinavisch“ an, erklärt Feyer, „ich versuche, einen Röstgeschmack so weit wie möglich zu vermeiden“.

Dafür schmeckt der Espresso der äthiopischen Beriti-Tore-Bohnen nach Grapefruit, Dörrzwetschken und Umeboshi, blind verkostet für Freunde des klassischen Mokka kaum als Kaffee zu erkennen. Im Cappuccino geht sich das Säuerlich-Fruchtige übrigens erstaunlich gut aus, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Baristas hier echt gut mit geschäumter Milch umgehen können. Hipstertown hat jetzt auch ein Kaffeehaus.

Resümee:

Ein zeitgenössisches Kaffee-Lokal bei der Uni röstet jetzt im siebten Bezirk seinen eigenen, sauer-fruchtigen 3rdWave-Kaffee.

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