Szene Lokalkritik

Bruder

Foto: Heribert Corn


Österreichische Küche, modern interpretiert: Schweinebauch mit Roter Rübe und Senf; Pilzbeuschel; in Milchsäure gegarte Bachforelle oder eine Taco-Interpretation mit Palatschinken. Es wird mit Aromen gespielt und selbst fermentiert, gegärt und angesetzt. Die Essenzen schmeckt man auch in den Getränken. WLAN. Gastgarten. Hunde nicht erlaubt.

Anzeige

Adresse:
Adresse:
Windmühlgasse 20
1060 Wien
Telefon:
Telefon:
0664/135 13 20
E-Mail:
E-Mail:
hallo@bruder.xyz
Website:
Website:
www.bruder.xyz
www.facebook.com/bruder.xyz/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mi–Fr 17–1, Sa 10–15 und 17–1, So 10–15 öffnet um 10:00 Uhr
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Szene
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Gastgarten, Hunde nicht erlaubt, WLAN

Vergär es, Bro!

Ein kreativer Barkeeper, ein interessanter Koch, viele Hefen
FLORIAN HOLZER | 15.1.2019

Die bisherigen Stationen von Hubert Peter und Lucas Steindorfer waren interessante: Sommelier in der Au, Barkeeper im Kussmaul, Getränke-Chef in der Liebe beim einen, Patissier im Tian, Küchenchef im Tian Bistro und in der Liebe beim anderen. Im Herbst 2017 zählten die beiden zum Kernteam des wunderbaren Zwischennutzungs-Projektes Rien im ehemaligen Griensteidl und irgendwann einmal beschlossen sie, gemeinsam ein eigenes Lokal zu machen.

Was jetzt noch nicht so besonders wirken mag, allerdings haben sich die beiden in den vergangenen Jahren zu sehr interessanten Gastronomen entwickelt. Lucas Steindorfer brachte seine Leidenschaften für Mexiko und das Fischen in seine Küche ein, vermischt mit teils ironischer Interpretation von Wiener Klassikern und Expeditionen ins Vegetarische, Hubert Peter stürzte sich in den vergangenen drei Jahren neben der Kreation der wirklich außergewöhnlichsten Cocktails der Stadt (etwa mit Wurst oder in einem Paprika serviert) immer mehr ins Ansetzen von Likören, Fermentieren und Vergären. Und das machten die beiden in ihrem neuen Lokal Bruder, das sie vorige Woche im ehemaligen G’schupften Ferdl starteten, ein bisschen zum roten Faden.

Etwas mehr als 120 Glasballons stehen hinter und auf der Bar von Hubert Peter herum, in denen sein selbstgemachter Amaro aus Baumrinden und Bitterkräutern, sein hausgemachter Wermut oder grandioser Likör aus Wiener Feigenblättern Gestalt und Geschmack annehmen. Die Zementfliesen stammen vom alten Vinissimo, die Musik ist jung und laut, die Küche offen, in der Mitte des Bar-Raums gibt’s einen zentralen Tisch, die Gerichte sind fürs „Sharing“ konzipiert, die hippe Crowd mag das.

Die Brettljause „Mir doch Wurst“ ist gut, bleibt aber relativ konventionell (€ 8,50), bei den Vorspeisen wird’s schon interessanter, etwa „Bauchfleck am Grill“, zwei Spieße von auf der Zunge zergehendem Schweinebauch, Roter Rübe und Schalotte mit selbstgemachtem Senf (€ 13,50). Sehr gut auch der Polentasterz mit gebratener Karotte und darüber geriebenen Kaffeebohnen, eine Reminiszenz an die Polenta mit Milchkaffee im Kärnten seiner Kindheit, verrät Steindorfer
(€ 8,50). Das wunderbare Schneckengulasch gab’s schon im Rien, es ist immer noch super (€ 10,50), das vegetarische Pilz-Beuschl das beste Non-carnivore-Lungenhaschee, das ich je hatte (€ 15,50).

Selbst eingelegtes Gemüse, selbst angesetzter Essig, selbst fermentierte Fischsauce sind zwar in jedem Gang enthalten, so wirklich rahmenfüllend wird das Prinzip der Fermentation allerdings nicht gehandhabt, die Ferment-Freak-Foodies werden also vielleicht nicht extra aus New York, Tokio und Berlin anreisen. Macht nichts, meint Steindorfer, man wolle es niederschwellig halten und nicht zur kulinarischen Freakshow machen, „es soll noch Spaß machen“.

Resümee:

Ein neues Zentrum hip-kulinarischer Urbanität mit dem Generalthema Fermentation, die man aber nicht allzu aufdringlich werden lässt.


Anzeige


Anzeige


Anzeige