Restaurants/Gaststätten Lokalkritik

Plain

Foto: Heribert Corn

Foto: Plain

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Gesunde Küche mit Bowls, Bagels, Suppen. Ganztägiges Frühstück. Auch vegane Speisen (Bowls, Süßspeisen). Hausgemachte Limonaden. WLAN. Gastgarten für 48 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Berggasse 25
1090 Wien
Telefon:
Telefon:
01/310 29 62
E-Mail:
E-Mail:
office@plainvienna.at
Website:
Website:
www.plainvienna.at
www.facebook.com/plainvienna/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 10–22 derzeit geschlossen
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard, Amex, Diners, JCB
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants/Gaststätten
Sonstiges:
Sonstiges:
Bioprodukte, Essen zum Mitnehmen, Frühstück, Gastgarten, Nichtraucherlokal, WLAN

Schön langsam wird’s insta

Ein neues Lokal, das seine Gäste mit Speis, Trank und Hashtags versorgt
FLORIAN HOLZER | 19.2.2019

Entscheidungen, wohin wir essen gehen, werden aus einem Konglomerat von vegetativen, sozialen und kulturellen Aspekten beeinflusst, deren Ziel darin besteht, einerseits Hunger und Durst zu stillen, andererseits Gefallen durch Wohlgeschmack zu erzielen und natürlich auch sich an Orten zu befinden, die der sozialen Bestätigung dienen. Natürlich bekamen die einzelnen Aspekte im Lauf der Zeit ein anderes Gewicht, Wohlgeschmack überwog bald einmal den Hunger, der soziale Faktor überlagerte irgendwann einmal den Wohlgeschmack …

Und dann war da auf einmal Instagram. Und plötzlich bekamen Essen und Trinken eine völlig neue Rolle, eine mehr oder weniger abstrakte, dienten nur mehr sehr nebenbei der Befriedigung von Hunger und Durst, individueller und schwer in Worte zu fassender Wohlgeschmack wurde durch Kategorien wie #yummy und #superlecker ersetzt, der soziale Faktor durch euphorischen Kollektivismus. Das führte zu einer dramatischen Vereinheitlichung der zuvor babylonischen Gastronomievielfalt, Instagram-Jünger aßen/fotografierten zuerst #Smoothies, dann #Avotoast und seit einiger Zeit #Bowls. Und klar, das mag jetzt alles wie das kulturpessimistische Gejeiere eines alten Sacks klingen, aber dass sich die Beliebtheit eines Gerichts mittlerweile daraus errechnet, wie gut es sich auf einem Smartphone-Bildschirm darstellen lässt, wie viele Hashtags man dranhängen kann und wie viele Erwähnungen es auf Instagram hat, ist halt einfach ein bisschen deprimierend. #bowl hat übrigens 2,65 Millionen.

Vor einem Monat eröffnete der Fußballer Rubin Okotje und seine Frau, die Ernährungswissenschaftlerin Vanessa Okotje, ein Lokal, das allen Hashtag-Anforderungen entspricht: große Wandmalerei, verflieste, offene Küche, Kreidetafel, Frühstück, Porridge, Bagel und Bowls. Alles da. Und natürlich #sustainable, Bioprodukte aus regionaler Herkunft (wie Avocado, Lachs, Zitrone, Granatapfel und Reis), das ganz große Miteinander-Gefühl der glücklichen Weltverbesserung.

Und auch wenn das nicht so wichtig ist, aber das Essen schmeckte gar nicht so schlecht. Hummus mit ein bisschen Chili und Koriander etwas eintönig, aber okay (€ 6,50), der „Wild- und Wiesenkräutersalat“ sah zwar nie eine Wiese, war aber ein gut sortierter Salat mit etwas wenig Marinade, der Räucherlachs passte gut dazu (€ 9,–), die Bowl mit weich gekochtem Sushi-Reis, Kaffirlimette, Gurke, Karotte, Mango und ein paar Stücken Huhn war bildhübsch anzusehen und ließ sich problemlos essen (€ 9,80). Der Preis der beiden pochierten Eier auf Brot mit Babyspinat und Hollandaise war vielleicht ein bisschen sehr frech (€ 9,–). Ich machte natürlich sofort ein paar hübsche Fotos mit meinem in China zu Niedrigpreisen hergestellten Handy und stellte sie in die internationale Daten-Krake. #savetheworld

Resümee:

Ein hübsches, neues Lokal, das absolut allen Ansprüchen genügt, um ganz oft in sozialen Netzwerken geteilt zu werden.


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