Cafés, Espressos Lokalkritik

Café Dirt Water

Foto: Heribert Corn

Foto: InShot

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NGO-Café mit Snacks wie gefüllte Baguettes, Eintöpfe und Mehlspeisen aus biologischen, regionalen und saisonalen Zutaten. Ausgewählte Getränke. Kindersessel, Wickeltisch. Fallweise Live-Programm. WLAN. Schanigarten für 25 Pers. Behinderten-WC. Non-profit Lokal - der Gewinn geht an Wasseraufbereitungsprojekte u.a. in Kambodscha.

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Adresse:
Adresse:
Kandlgasse 35
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
0660/640 16 10
E-Mail:
E-Mail:
hallo@dirtwater.at
Website:
Website:
www.dirtwater.at
www.facebook.com/dirt3water
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–So 11–22 öffnet um 11:00 Uhr
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos
Sonstiges:
Sonstiges:
Bioprodukte, Essen am Sonntag, Gastgarten, Live-Programm, Nichtraucherlokal, Rollstuhlgerecht, WLAN

Baby Jack für klares Wasser

Ein neues Non-Profit-Beisl mit einem etwas komplizierten Konzept
FLORIAN HOLZER | 2.4.2019

Lars Wesener, ein sehr großer, sehr, sehr redegewandter, sehr junger Mann aus Deutschland kam vor ein paar Jahren zum Studieren nach Österreich, Medizin, Biologie, Neurowissenschaft, Jus, das war ihm dann aber alles zu wenig komplex. Dann lernte er jemanden kennen, der in Tansania eine NGO mit dem Ziel der Wasseraufbereitung leitete, fand, dass man das viel besser machen könne, und stellte wiederum fest, dass in der Politik und in der Entwicklungshilfe ganz viel Bullshit passiere und er das jetzt selbst in die Hand nehmen müsse.

Er gründete einerseits eine eigene Wasser-NGO, die vorerst Wasseraufbereitungen in Kambodscha betreibt, und übernahm dann eine ehemalige Teppichhandlung in der Kaiserstraße, die er zu einem Café machte. Die grundlegende Idee dahinter: Wenn man als NGO nicht wahnsinnig viele Mittel zur Verfügung hat, um Menschen zu überzeugen, muss man unkonventionell vorgehen, um die Leute zu erreichen, etwa durch ein Lokal.

Gar nicht blöd, grundsätzlich. Das seit Dezember in Probebetrieb befindliche Lokal schaut auch recht hübsch aus, eine Mischung aus grobhölzernem Craft-Beer-Microroastery-Kaffee-Schuppen und shabby-schicker Prosecco-Hütte, jede Menge Slogans an der Wand, junge, hochmotivierte Menschen und mit Dirt Water ein eher bescheuerter Name. Der Reingewinn des Lokals soll in das Wasserprojekt fließen, was spätestens dann sinnvoll und wunderbar ist, wenn das transparent gemacht wird und nicht bloße Ankündigung bleibt. Ob die Meta-Idee von Lars Wesener aufgeht, nämlich dass man sich durch sein Lokal „mit sich und mit der Welt auseinandersetzen“ würde, wird man ja sehen.

Er beauftragte Franz Schneider, der ein bezauberndes Imbisslokal in der Stumpergasse hat, damit, jeden Tag Eintopf anzuliefern.

Vorgaben gibt es keine, außer dass der Eintopf „wie früher“ schmecken solle. Das ist dann auch so, einmal gab’s Erbsen-Gnocchi-Eintopf, einmal Fenchel-Erdäpfel-Schwarzwurzel-Eintopf, immer sehr suppig, immer sehr salzig, immer reichlich Suppenwürze drin, wie früher halt. Da ginge schon noch ein bisschen mehr (€ 4,60).

Noch interessanter der zweite kulinarische Eckpfeiler des Dirt Water, nämlich eine Art Riesensandwich namens „Pulled Jack“, das neben allerlei geraspeltem Gemüse ein Sugo aus Jackfruit und BBQ-Sauce enthält. Nachhaltig sei die Jackfruit trotz ihrer langen Anreise aus Südostasien, weil es sich um aussortierte Jungfrüchte handle, „also quasi Müll“. Super Idee, den Geschmack zwischen Huhn und Schwein anzusiedeln ist zwar etwas verwegen, aber vielleicht, wenn man weniger BBQ-Sauce nehmen würde (€ 12,–).

Es gibt ein paar schöne Biere, ein monatlich wechselndes Craft-Beer, selbstgebackenen Kuchen und Kaffee von einer Kremser Kleinrösterei. Wenn Weltverbesserung so funktioniert, wunderbar, mehr davon.

Resümee:

Ein cooles Lokal, in dem es Sandwich mit Baby-Jackfruit gibt und dem man gar nicht so sehr anmerkt, dass es die Welt retten will.


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