Cafés, Espressos Lokalkritik

Kaffee Rösterei Hawelka

Foto: Heribert Corn


Café-Bar des Café Hawelka schräg gegenüber. 6 verschiedene Röstungen.

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Adresse:
Adresse:
Dorotheergasse 7
1010 Wien
E-Mail:
E-Mail:
office@hawelka.at
Website:
Website:
www.hawelka.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–So 10–18 derzeit geschlossen
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos

Ganz Wien ist auf Koffein

Ein italienischer Label-Kaffee und eine Wiener Kaffeehausikone tauschen Rollen

FLORIAN HOLZER | 16.4.2019

Kaffee verändert gerade seinen sozialen Status. Weg von der Massendroge einerseits und dem Underground-Fetisch tätowierter Baristas andererseits siedelt sich das Heißgetränk gerade ganz fett in der Mitte der stilbewussten Konsumgesellschaft an. Kaffee ist gewissermaßen der neue Prosecco.

Mitbegründer dieses Phänomens war unter anderem die Triestiner Kaffeerösterei Illy, die Ende der 80er-Jahre den Espresso mit rigoroser Qualitätspolitik (nur Arabica-Bohnen, nur erstklassige Herkunft, nur ausgewählte Gastronomie, Designertassen von Matteo Thun …) zum Kult machte. Die Strategie war so wahnsinnig erfolgreich, dass Illy extrem schnell wuchs, es Illy-Kaffee bald überall gab, sogar im Supermarktregal. Vor ein paar Jahren wurde dann noch ein Kapselkaffee auf den Markt gebracht. Wie sich das auf das Markenimage auswirkte, kann man sich eh ausrechnen.

Jüngster Streich des Kaffeerösters aus Triest ist jedenfalls ein Systemgastro-Café auf Franchisebasis, von dem soeben eines in der Wiener Innenstadt aufmachte. Mit billigem Mobiliar, Italohits aus den Lautsprechern und einer Karte, auf der ein paar mehr oder weniger italienische Gerichte verzeichnet sind. Tomatensuppe zum Beispiel, zu 100 Prozent Convenience (€ 6,–), oder ein Avocado-Lachs-Salat, den man auf einer Autobahnraststätte genauso bekommen kann (€ 9,90). Der Espresso ist übrigens schal und dünn. Sagen wir so: Man kann sich nur schwer vorstellen, dass dem charismatischen, 2008 verstorbenen Ernesto Illy das gefallen hätte.

Gleichzeitig wurde eines der traditionsreichsten und bekanntesten Wiener Kaffeehäuser zum Kaffeeröster. Das heißt: Eigentlich röstet Hawelka eh schon seit sieben Jahren Kaffee im 23. Bezirk, aber jetzt wurde eine eigene Verkaufsstelle mit Kaffeebar eröffnet. Weil man ins Hawelka bisher ja nicht unbedingt ging, um guten Kaffee zu trinken, sondern eher, um im Hawelka zu sein.

Die neue Kaffee Rösterei Hawelka schräg gegenüber vermittelt jedenfalls einen völlig anderen Eindruck. Der norditalienische Architekt Oliviero Baldini ließ sich offensichtlich von der Loos-Bar inspirieren und machte da einen schmalen Raum dank Verspiegelungen in alle Richtungen zu einer Kaffee-Kathedrale. Feinste Materialien, tolle Verarbeitung, wow. Adrian Galambos, der schon in der Bar Italia tollen Espresso machte, verwandelt die sechs verschiedenen Röstungen zu wirklich eindrucksvoll gutem Kaffee, haselnussig und fein die Bohnenmischung „Melange“ (die man auch als Espresso trinken kann), schokoladig, dicht die „Mokka“-Mischung, eher fruchtig und säurebetont die Bohnen aus Kuba. Die Idee, hier die legendären Hawelka-Buchteln zu servieren, wurde leider wieder verworfen. Schade, aber so guten Kaffee gab es im Hawelka jedenfalls noch nie zuvor. Sagen wir so: Josefine und Leopold Hawelka hätten durchaus Grund, stolz zu sein.

Resümee:

Zweimal Espresso in neuen City-Cafés, einmal überraschend schlecht, einmal überraschend gut.

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