Japanisch Lokalkritik

Oreno Ramen

Foto: Heribert Corn


Japanisches Nudelsuppenlokal; vier verschiedene Ramen-Versionen (auch vegan).

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Adresse:
Adresse:
Lerchenfelder Straße 74
1080 Wien
Telefon:
Telefon:
01/890 12 48
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–So 18–21.30 derzeit geschlossen
Küche:
Küche:
Japanisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag

Unser täglich Ramen, Amen

Noch ein neues, kleines, diesmal ziemlich gelbes Nudelsuppenlokal

FLORIAN HOLZER | 11.6.2019

Als Juzo Itami 1985 seinen Film „Tampopo“ drehte, der von einer jungen Frau handelt, die ein Ramen-Lokal eröffnen will und dank eines weisen Truckers und eines kulinarikaffinen Geschäftsmannes Einblick in die Mysterien der Nudelsuppenzubereitung erhält, war das ironisch gemeint. Ironisch! Aber als hätte er es kommen sehen, wurde die Zubereitung der japanischen Nudelsuppe im Laufe der Jahre tatsächlich zu einer Art transzendenten Angelegenheit für viele Foodies und die Zahl derer, die das Kochen der Suppe wahnsinnig ernst nehmen, wird immer größer.

Justin Chen hat eher einen sehr säkularen Zugang zur Suppe, „ich esse sie wahnsinnig gern“, sagt der gebürtige Chinese. Und weil er Ramen so liebt, freute er sich sehr, als er vor ein paar Jahren bei einem Job am Tel Aviv Beach die Leute kennenlernte, die kurz danach das Karma Ramen eröffneten, und sie ihn engagierten. Wenngleich im Service.

Später heuerte er auch noch in der Mochi Ramen Bar an und vor zwei Monaten eröffnete er schließlich seinen eigenes Suppenlokal in der Lerchenfelder Straße: ein ehemaliges Roma-Café, das er nach den Plänen eines befreundeten Grafikers eigenhändig mit gelben Fliesen und mit Tatami-Matten auslegte.

Das Oreno ist hübsch geworden, auch wenn es lange nicht so „authentisch“ wie das Karma Ramen oder so gestylt wie die Mochi Ramen Bar aussieht. Sondern eher schlicht und funktionell und damit die Ansprüche an eine Suppenbar wohl ziemlich genau erfüllt. Abgesehen davon, dass sich Justin Chen ohnehin sehr bemühte, möglichst nicht den Eindruck zu erwecken, eine seiner beiden Ausbildungsstätten in irgendeiner Weise zu kopieren, wie er sagt.

Was bei der Zusammenstellung des Angebotes nur schwer gelingt, aber Ramen ist nun einmal Ramen. Als kleine Snacks neben der Suppe gibt’s auch hier die unvermeidlichen Edamame-Sojabohnen in Schale, eingelegte Gurken, Agedashi-Tofu, panierte Hühnerkeulen oder sehr knusprig frittierte Ikamaru – panierte Tintenfischringe mit Frühlingszwiebeln und Mayonnaise, großartig (€ 5,80). Auch die Gyoza gelingen erstklassig, muss man sagen, die vegetarischen sind mit Tofu, Kraut, Schnittlauch, Shiitake und Morcheln gefüllt und an einer Seite extraknusprig angebraten, sehr gut (€ 6,–). Und dann zur Suppe: Vier verschiedene Ramen-Versionen bietet Chen an, darunter eine vegane Yasai Ramen und eine sehr klassisch gehaltene Shoyu Ramen mit geschmortem und geröstetem Schweinefleisch, Jungzwiebeln, einem halben Ei, Nori-Algen und eingelegtem Bambus, kräftig, köstlich, sättigend und schweißtreibend (€ 12,–). Was der scharfen Miso-Ramen mit faschiertem Hühnerfleisch, Ei, Jungzwiebeln, Nori und Mais allerdings noch besser gelingt (€ 12,50). Danach ist man jedenfalls gut satt und freut sich irgendwie schon auf die nächste Suppe. Das ist offenbar ansteckend.

Resümee:

Ein neuer, kleiner japanischer Nudelsuppenladen, der von einem absoluten Ramen-Enthusiasten betrieben wird. Was man auch schmeckt.

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