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Wirtschaft am Markt

© Christian Fischer

Foto: Christian Fischer

© Katharina Gossow

Foto: Katharina Gossow


Marktstand mit Restaurantbetrieb. Wienerküche mit Markteinfluss (orientalisch). Frühstück und Mittagsmenüs. Küchenchefin ist Heidi Ratzinger. Abendkarte mit vorwiegend österreichischen Speisen und großer Auswahl an Weinen. Speisen auch zum Mitnehmen. Kindersessel. Klimaanlage. Innenbereich für 40, Extrazimmer für Gruppen bis zu 30, Gastgarten am Meidlinger Markt für 50 Pers.

Adresse:
Adresse:
Meidlinger Markt 89–92
1120 Wien
Telefon:
Telefon:
0660/594 41 25
E-Mail:
E-Mail:
office@wirtschaftammarkt.at
Website:
Website:
www.wirtschaftammarkt.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Fr 11–23, Sa 9–23, Küche 11.30–21 bzw. 9–21
jetzt geöffnet (bis 23:00 Uhr)
Aufgrund der aktuellen COVID-Richtlinien gilt derzeit für die Gastronomie die 2G-Regel sowie eine allgemeine Sperrstunde um 22 Uhr. Bitte beachten Sie, dass die aktuellen Öffnungszeiten ggf. abweichen können.
Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€ (Hauptspeisen € 10-15)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants, Gaststätten
Küche:
Küche:
Österreichisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen zum Mitnehmen, Frühstück, Gastgarten, Klimaanlage, Mittagsmenü, WLAN

Heidi macht eine Wirtschaft

Der Meidlinger Markt bekam ein neues kulinarisches Highlight

FLORIAN HOLZER | 2.7.2019

Es gibt wahrscheinlich nicht viele Köchinnen und Köche, denen ein Investor sagt, „wann immer du willst, ich bau’ dir dein Lokal“. Heidi Neuländtner ist so eine Köchin. Die ehemalige Sous-Chefin von Christian Petz am Badeschiff und im Gusshaus kennt nämlich den Immobilienentwickler Hans Jörg Ulreich recht gut, der gastronomisch zwar ein gebranntes Kind ist (im François im Vierzehnten verlor er eine Menge Geld), aber zum Glück noch nicht genug hat von Lokal-Projekten.

Nachdem Heidi Neuländtner ein Jahr lang im malerischen Knappenhof in Reichenau an der Rax kochte, man sich da aber nicht bezüglich eines freien Sonntags einigen konnte, beschloss sie also, wieder nach Wien zurückzukommen. Und ihre anfänglichen Vorbehalte gegenüber einem Lokal mitten am Meidlinger Markt aufzugeben, „weil eigentlich ist das hier wie in Notting Hill“.

Tatsächlich machte Ulreich aus zwei benachbarten Ständen ein modernes, schlichtes, geräumiges und gestalterisch angenehm zurückhaltendes Lokal mit offener Küche, das man bei Bedarf (also genau jetzt) auf einer Seite völlig öffnen kann. Klar geriert sich die Wirtschaft am Markt, wie das Lokal genannt wurde, nicht zuletzt aufgrund ihrer Größe, ihrer Neuheit und einer hier sonst eher seltenen Bestimmtheit als neuer Mittelpunkt des Meidlinger Marktes. Nur:

Das hält dieser überaus sympathische Markt auch gut aus. Heidi Neuländtner kauft bei den anderen Ständen ein, Lammschulter fürs Bratl am Samstag etwa beim großartigen Nuran, zu den anderen tollen Cafés, Lokalen und Bars besteht nicht wirklich Konkurrenz, das läuft eher synergetisch.

Und das Tollste an all dem: Erstens kann Heidi Neuländtner einfach wirklich sehr gut kochen und zweitens legte sie eine gewisse Prägung ihres Lehrmeisters Christian Petz nie ganz ab. Das heißt, man bekommt hier Wiener Küche mit zeitgemäßem Anspruch. Und zu Preisen, die dem Meidlinger Markt angepasst sind, weil das hier eben nicht der Knappenhof ist.

Zweierlei vom Kalbskopf zum Beispiel, einerseits klassisch dünn aufgeschnitten, mit leichter Kernöl-Mayonnaise, Radieschen und Rahm-Gurkensalat, in der Sommerhitze schmelzend, andererseits als knuspriges Börek mit Kreuzkümmel-Würze, „weil das passt hier her“ (€ 11,50). Die gebeizte Lachsforelle mit Avocado und Melone ein Sommernachtstraum (€ 12,50), die Innviertler Grammelknödel mit hauchdünnem Teig, knackigem Kraut und endlich einer Fülle, bei der die Grammeln nicht zu einem homogenen Brei verhackt sind, sondern noch Biss haben, herrlich (€ 11,–). Und das Kalbsbutterschnitzel mit Rahm-Kohlrabi und den besten Röstzwiebeln seit langem nicht nur „flaumig“ (also aus Semmeln), sondern schön fleischig, mmmhh (€ 12,50). Die Weine stammen von kleinen, unbekannten Gütern und insgesamt freu’ ich mich jedenfalls schon aufs nächste Mal dort.

Resümee:

Ein Markt-Lokal, wie es eigentlich sein soll – preiswert, unkompliziert, verwurzelt, gut. Und damit trotzdem so einzigartig.