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Das kleine Paradies

© Das kleine Paradies

Foto: Das kleine Paradies

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Foto: Das kleine Paradies

© Christian Fischer

Foto: Christian Fischer


Lokal in einem ehemaligen Schreibmaschinengeschäft. Saisonal wechselnde Karte; regionale Fisch- und Fleischgerichte sowie spannende vegetarische Kreationen. Di–Fr 11.30–14 2gg MM (€ 11,50 bis € 14,50). Eingang barrierefrei.

Adresse:
Adresse:
Blindengasse 3
1080 Wien
Telefon:
Telefon:
0664/388 23 87
E-Mail:
E-Mail:
office@daskleineparadies.at
Website:
Website:
www.daskleineparadies.at
facebook.com/Das-kleine-Paradies-101320574584081/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Fr 11.30–14 und 17.30–23, Sa 17.30–23, Sommeröffnungszeiten siehe Website
jetzt geöffnet (bis 23:00 Uhr)
Parken:
Parken:
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Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€ (Hauptspeisen € 10-15)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Kartenzahlung
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants, Gaststätten
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen zum Mitnehmen, Mittagsmenü, WLAN

In der Auslage

Ein ehemaliges Schreibmaschinengeschäft ist das schönste Lokal der Stadt

FLORIAN HOLZER | 10.9.2019

Im Jahr 2012 gründet sich der Verein Tralalobe mit dem Ziel, die Lebenssituation von geflüchteten Menschen besonders „vulnerabler“ Gruppen zu verbessern – unbegleitete Minderjährige, Frauen, Kinder, Alte und Asylwerbende sexueller Randgruppen. Unterstützung fand der Verein unter anderem durch den Immobilienunternehmer Günter Kerbler, der ein leerstehendes Haus in der Blindengasse zur Verfügung stellte, renovieren ließ und darin Wohnungen für 60 Menschen schuf. Das Erdgeschoß war dafür ungeeignet.

Die Weinhändlerin Michaela Klein ist eine der Tralalobe-Gründerinnen und außerdem eine gute Freundin von Eschi Fiege, die wiederum viele Jahre lang ihren berühmten „Mittagstisch“ in einer Privatwohnung beim Naschmarkt betrieb. Die beiden überlegten schon lange, den Mittagstisch zu professionalisieren, und suchten eine Location. Das Erdgeschoß im Tralalobe-Haus bot sich an, erschien ihnen dafür dann aber zu groß, zu renovierungsbedürftig und zu prunkvoll. Weshalb sie vor zwei Jahren beschlossen, gleich etwas Großes daraus zu machen, ein Lokal mit dem leicht größenwahnsinnig wirkenden und letztlich so zutreffenden Namen Das kleine Paradies.

Marmorversteher hätten monatelang das Portal poliert, erzählt Michi Klein, die prunkvolle Verkleidung der Schaufenster wurde in Abstimmung mit dem Denkmalamt wiederhergestellt, der Raum teilweise als Gastraum benutzbar gemacht; eine Bisazza-Bar kam in den Eingangsbereich, moderne Lampen und ein grasgrüner Kunststoffboden kontrastieren mit dem intarsierten Holz aus den 20er-Jahren; große Tische, kleine Tische, „moderne“ Bereiche, „alte“ Bereiche, das kleine Paradies ist so wahnsinnig schön, dass man’s eigentlich kaum packen kann.

Und das ist aber noch lang nicht alles. Denn eine große, halboffene Profiküche ging sich auch noch aus, und die wird vom jungen Tomaž Fink geleitet, der schon bei Konstantin Filippou und in Slowenien bei Ana Roš, der aktuell besten Köchin der Welt, kochte. Und der sich hier zum Ziel setzt, einerseits völlig entspanntes Comfort-Food mit „Sharing“-Charakter anzubieten, ein paar arg gute Kreativ-Angelegenheiten aber halt auch. Ah ja, und den Service leitet übrigens Gianni Mangini, einer der Mitbegründer der legendären Villa Verdin.

Das ganze Projekt läuft erst an, offiziell eröffnet wird es im Oktober, Klein und Fiege sorgen sich, einigermaßen, überrannt zu werden. Könnte natürlich passieren. Und nur ganz am Rande: Der confierte Wels mit Fenchelgemüse ist ein Hammer (€ 11,–), die handgemachten Ravioli mit Kartoffelschnittlauchfülle sollte man nicht versäumen (€ 10,50), und das Bio-Hühnerleberparfait mit Brioche ist pures Nougat (€ 11,50). Das Rindfleisch stammt von der Boa-Farm, und das „überfahrene Huhn“ (€ 15,–) ist köstlich, man wählt aus zehn Beilagen. Nicht alle auf einmal, aber geht hin.

Resümee:

Der unglaubliche Fall, wie aus etwas Notwendigem etwas Großartiges wird. So schön, so gut, so entspannt – wenig Vergleichbares in Wien.