Bistros Lokalkritik

Square to eat

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Öffentlich zugängliche Kantine im Bürokomplex Square One. Mo–Fr tägl. 2 VS, 3 HS und 1 Dessert zur Auswahl.

Adresse:
Adresse:
Leopold-Ungar-Platz 2
1190 Wien
Telefon:
Telefon:
01/36 77 60 30
E-Mail:
E-Mail:
sqp@sv-group.at
Website:
Website:
squaretoeat.sv-restaurant.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Fr 11.30–13.30 (Fei geschlossen), Cafeteria: Mo–Fr 7–15
derzeit geschlossen
Preiskategorie:
Preiskategorie:
€ (Hauptspeisen bis € 10)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Kartenzahlung
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Bistros
Sonstiges:
Sonstiges:
Mittagsmenü

Wie das Essen, so die Arbeit

Ein neues Bürogebäude mit einer alten Kantine

FLORIAN HOLZER | 22.10.2019

Essen ist wichtig. Eh klar, vom Überleben her, aber halt auch die psychischen und sozialen Aspekte des Essens. Gutes Essen motiviert, gutes Essen hebt die Stimmung, gutes Essen lässt Menschen im Krankenhaus schneller gesunden, gutes Essen lässt (oder besser: ließe) die Leute Reisen in Flugzeugen ertragen. So einfach sind Menschen nun einmal gestrickt. Und Essen wird in der modernen Arbeitssoziologie längst als wichtiger Faktor für die Arbeitszufriedenheit erkannt.

Nun machte in der Muthgasse soeben ein riesiger Bürokomplex namens Square One auf, mit Co-Working-Bereichen, mit Fitnessbereich, mit Arzt und sogar mit gesicherten Fahrrad-Stellplätzen. Es gibt auch ein öffentlich zugängliches „Kantinen-Restaurant“ namens Square to eat, und weil der Bürokomplex vom Konzern Strabag errichtet und betrieben wird und die Strabag immerhin von Hans Peter Haselsteiner – 2007 von Gault Millau zum Feinschmecker des Jahres gekürt und selbst an zwei Restaurants beteiligt – gegründet wurde, weil aktuell außerdem Alfred Gusenbauer Strabag-Aufsichtsratsvorsitzender ist – bekanntlich auch nicht gerade ein Feind des guten Essens –, hätte man sich vielleicht denken können, dass da ein völlig neuer, geiler Weg der Mitarbeiterverpflegung beschritten wird.

Doch nein. Wurde bei der Gestaltung noch einigermaßen darauf geachtet, für sinnvolle Gliederungen zu sorgen, unterschiedliche Atmosphären zu bieten, blieb man bei der kulinarischen Hardware dem alten Kantinenprinzip – Betreiber ist der internationale Kantinen-Konzern SV-Group – eisern treu: Man holt sich ein Tablett, geht zur Ausgabestelle, bekommt das ausgewählte Gericht auf den Teller gegupft, geht zur Suppenausgabestelle, sieht die zwei Pötte mit einerseits milchiger, andererseits durchsichtiger Flüssigkeit und daneben ein Behältnis, in dem sich seit 11.30 Uhr ein paar Grießnockerln in ihre Bestandteile auflösen.

Spätestens da ist es mit der guten Laune vorbei. Man geht mit dem Tablett zur freundlichen Frau an der Budel, um für das Menü „Live Easy 2“ immerhin € 10,80 abzulegen, wobei der Blick zwangsläufig in die Vitrine fällt, wo ein paar recht frisch wirkende, mit Käse gefüllte Mohnstriezerln und Kornspitze mit Schinken liegen, und denkt sich, dass das wohl die bessere Wahl gewesen wäre.

Die als Rindsuppe verkaufte Flüssigkeit ist aufgelöstes Suppenkonzentrat (€ 1,50), bei dem Gericht namens Geflügel-Gyros mit Zaziki und Reis, einem vertrockneten Ragout aus vormarinierten Hühnerteilen, fragt man sich, ob dafür wirklich ein Tier hätte sterben müssen (€ 8,60), und eine Himbeergeleeschnitte wie diese hatten wir seit der Mensa auch nicht mehr (€ 1,20).

Warum ist das nicht besser? Wa­rum serviert man heute noch derartiges Essen? Weil man nicht weiß, wie wichtig Essen ist?

Resümee:

Ein neuer Bürokomplex, der alle Stückeln spielt und auch eine riesige Kantine unterhält. Die in dieser Form aber nie voll sein wird.


Square to eat 19., Leopold-Ungar-Pl. 2, Mo–Fr 11.30–13.30 Uhr, squaretoeat.sv-restaurant.at



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