Cafés, Espressos Lokalkritik

Koffie Dutch Café

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Holländisches Café. Frühstück, holländische Snacks (z.B. Bitterballen) und Mehlspeisen, hausgemachter Apfelkuchen; Kaffee (auch mit Hafermilch).

Adresse:
Adresse:
Landstraßer Hauptstraße 8
1030 Wien
E-Mail:
E-Mail:
info@koffie.at
Website:
Website:
www.koffie.at
facebook.com/koffie.dutch.cafe
instagram.com/koffie.dutch.cafe
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Fr 9–19, Sa 9–16 derzeit geschlossen
Parken:
Parken:
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Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos
Sonstiges:
Sonstiges:
Frühstück

Hagelschlag und bittere Bälle

Wiens erstes niederländisches Café hat eröffnet – ein mutiges Unterfangen

FLORIAN HOLZER | 1.2.2022

Holländisches Essen ist schlecht und ungesund“, sagt Quinten Versluis. Er muss es wissen, denn erstens ist er halber Holländer und betreibt zweitens seit kurzem Wiens erstes niederländisches Lokal, das Koffie Dutch Café.

Gleich vorweg: Nein, es handelt sich nicht um einen Coffeeshop, Joints, Gras, Wasserpfeife und Co werden hier nicht gereicht.

Quinten studierte Wirtschaftswissenschaften in der Schweiz, lernte dort seine österreichische Frau kennen, kam mit ihr nach Wien. Recht bald gründeten sie ein Eventgastronomie-Unternehmen, betrieben Ofenkartoffel-Foodtrucks und Standln mit Pommes frites nach belgischer Art (also zweimal mit unterschiedlicher Temperatur frittiert).

Irgendwann aber war der Punkt gekommen, wo sich Familie ­Versluis überlegte, ob sie nicht eine typisch niederländische Snackbar machen sollte. Sie dachten daran, wie schrecklich diese Vitrinen dort immer aussehen, erinnerten sich an die miese Qualität des Gebotenen und beschlossen: Nein, lieber doch nicht.

Andererseits ist schreckliche Snack-Kultur ja auch schon wieder irgendwie eine Identität. Nachdem Niederländern das Herz aufgeht, wenn sie im Ausland das schlechte Essen ihrer Kindheit und Jugend vorfinden, es außerdem viele Niederländer in Wien gibt, wagte Versluis die Lightversion: Ein kleines Lokal mit wirklich gutem Kaffee, hausgemachtem Apfelkuchen, holländischem Frühstück (samt Erdnussbutter alias Pindakaas und Hagelslag, einem in den Niederlanden kultisch verehrten Brotbelag aus geschmacksarmen Schokostreuseln), Granola-Joghurt und ein paar essenziellen Dutch Snacks.

Kibbeling leider nicht, weil in Backteig frittierter Fisch, das ginge sich geruchlich in einem kleinen Café nicht aus, sagt Versluis. Matjes leider auch nicht, denn da stehe er ganz persönlich nicht so drauf (aber seine Frau; und ich übrigens auch!).

Dafür Bitterballen, ein niederländischer Nationalsnack in Form von kugelrunden, irrwitzig (in diesem Fall im Rohr statt in der Fritteuse) heiß gemachten Kroketten undefinierbaren, breiigen Inhalts, der angeblich irgendwas mit Fleisch zu tun hat und den man eigentlich zum Bier oder zum Genever knabbert, hier halt zu Limonade und Kaffee (€ 6,90). Großartig!

Außerdem zu bekommen: „Uitsmijter“, auf Deutsch „Rausschmeißer“: Toastbrot mit Schinken, drei Spiegeleiern und geschmolzenem Jung-Gouda, den Versluis übrigens selbst importiert (€ 6,90).

Niederländer würden das wahrscheinlich als „lekker“ bezeichnen, unsereins erinnert es zumindest daran, dass wir so bald wie möglich wieder einmal nach Amsterdam fahren sollten.

Resümee:

Ein kleines Lokal im dritten Bezirk, das ein paar niederländische Snacks serviert, die auch in Holland selbst nicht gut sind, aber halt trotzdem lässig. Irgendwie.