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The Wine Rebellion

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

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Foto: Heribert Corn


Vinothek mit dazugehöriger Naturweinbar direkt nebenan. (Natur-)Weinsortiment mit Schwerpunkt Österreich, aber auch internationale Weine. In der Bar wird von Florian Schagerl gekocht (davor bei Mraz & Sohn und Aend), z.B. Grilled-Cheese-Sandwich mit Chili-Kimchi-Mayonnaise (€ 9,–) oder saurer Mangalitza-Leberkäse mit Kürbiskernöl (€ 10,–). Schanigarten.

Adresse:
Adresse:
Burggasse 36
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
0650/210 08 97
E-Mail:
E-Mail:
office@thewinerebellion.at
Website:
Website:
www.mtrw.at
facebook.com/the.winerebellion
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Do–Sa 12–19 (Weinhandlung), Do–So 17–24 (Bar)
derzeit geschlossen
Parken:
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Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Barzahlung, Kartenzahlung
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Bars, Weinhandlungen
Sonstiges:
Sonstiges:
Gastgarten

Leberkäse statt Blumen

Die nächste Naturwein-Bar im siebenten Bezirk. Und wieder ein bisschen anders

FLORIAN HOLZER | 28.6.2022

Vor drei Jahren machte der junge Kärntner Sommelier Felix Neubauer am Ruth-Klüger-Platz, der damals noch nicht so hieß, seinen kleinen Weinhandel namens The Wine Rebellion auf: biologische und biodynamische Weine von kleinen, individuellen Betrieben mit großer Philosophie. Und als voriges Jahr daneben die bezaubernde, aus der Zeit gefallen wirkende Blumenhandlung Raphacla de’ Martin zumachte, griffen Neubauer und der mittlerweile dazugestoßene Timo Muliar zu.

Jetzt könnte man natürlich sagen: Oida, reicht’s in Bobo-Town nicht schön langsam mit hippen Natural-Wine-Bars? Und die Antwort lautet: Nein, eigentlich nicht. Weil die ja nicht nach einem Strich gekämmt sind, sondern bei dieser Form der Gastronomie Individualität eine wesentliche Rolle spielt, ein Gegenmodell zur unerträglich normierten Szene-Gastro quasi.

Das Innere der Bar wird nicht unbedingt einen Designpreis gewinnen, wirkt etwas provisorisch. Der Schanigarten ist großartig, mit der kleinen Einschränkung, dass Felix Neubauer da alte Kirchenbänke reinstellte – originell, aber bequem ist anders. Wurscht, denn erstens hat der junge Mann echt tolle Weine auf seiner Karte, Flaschen, die er über Jahre für den richtigen Moment aufhebt, je experimenteller, desto besser.

Und zweitens reaktivierte er seinen alten Kumpel Florian Schagerl, der bei Mraz & Sohn und im Aend war, sich dann aber auf die Versorgung eines Jugendbildungshauses verlegte. Und siehe da: Die Herausforderung, hier mit einem Toastgrill und einer Induktionsplatte tolles Essen zu aufregenden Weinen zu fabrizieren, reizte den Mann.

Da werden dann Sachen wie ein Grilled-Cheese-Sandwich im Sando-Style serviert, gefüllt mit zwei verschiedenen Käsen und Frühkraut, dazu eine Chili-Kimchi-Mayonnaise – kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so tollen Käsetoast hatte (€ 9,–). Oder Lachsforellenstreifen, zu einem Kranz geflochten und kurz angebraten mit Sauerklee, Kren und zarter Beurre blanc, großartig (€ 12,–).

Oder ein Brot namens Fischtoast – Toast mit viel Butter, viel erstklassiger Dosensardine und ganz viel Senfblattsalat obendrauf (€ 9,–) – und als Highlight: saurer Mangalitza-Leberkäse, hauchdünn geschnitten, mit Kürbiskernöl und etwas Essig und mikrometerfein gehobelter Zwiebel drüber (€ 10,–). Kann man da sizilianischen Schaumwein (€ 11,–) dazu trinken? Klar, man soll sogar.

Übrigens sind sich die diversen Neubauer Naturwein-Bars ihrer Anzahl durchaus bewusst. Nur ziehen sie halt nicht in den Krieg gegeneinander, sondern im Gegenteil, gemeinsame Aktionen werden dem Vernehmen nach schon geplant.

Resümee:

Schon wieder eine Natural-Wine-Bar, und schon wieder ein bisschen anders als die anderen. Mit tollen Weinen und Käsetoast galore.



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