Restaurants, Gaststätten Lokalkritik

Mimi im Stadtelefant

© Christian Fischer

Foto: Christian Fischer

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Grätzellokal im Sonnwendviertel von Dorothee Bernhard und Marc Oberngruber. Täglich wechselnde VS, internationale Küche; Wein von der Weinhandlung Weinskandal (auch zu Ab-Hof-Preisen zu kaufen).

Adresse:
Adresse:
Bloch-Bauer-Promenade 23
1100 Wien
Telefon:
Telefon:
0665/65 57 46 43
E-Mail:
E-Mail:
mimi.im.stadtelefant@gmail.com
Website:
Website:
facebook.com/mimi.im.stadtelefant/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo, Di, Fr 11.45–14, Mi, Do 11.45–14 und 17–24 derzeit geschlossen
Parken:
Parken:
Finde freie Parkplätze in Garagen über die PAYUCA Smart Parking App in der Nähe des Lokals! Jetzt downloaden: iOS | Android
Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€ (Hauptspeisen € 10-15)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Barzahlung, Kartenzahlung
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants, Gaststätten

Ein klein bisschen Hannibal

Ein neues Grätzel bekam ein neues Lokal mit neuem Essen und alter Musik

FLORIAN HOLZER | 26.5.2020

Man findet den „Stadtelefanten“ nicht leicht. Was daran liegt, dass die Bloch-Bauer-Promenade, auf der sich dieses kooperative Arbeits- und Wohnprojekt mehrerer Architekturbüros befindet, abschnittsweise noch Baugrube ist. Hat man ihn aber gefunden, ist da ein hübsches, modernes, siebenstöckiges Haus im Trabantenstadt-typischen Lego-Design an einem kleinen Platz zwischen Lego-Häusern, ohne Autos, auf dem Kinder mit Fahrrädern herumsausen. Fast ein bisschen, als wären Architektur-Renderings real geworden. Fast unheimlich …

Aber das haben Dorothee Bernhard und Marc Oberngruber, die beiden Chefs des Caterings Matrosenjunge und der wunderbaren Hipster-Schampus-Bar Frau Bernhard, offenbar auch gespürt und, nachdem sie das Angebot bekamen, das Lokal im Erdgeschoß des Stadtelefanten zu übernehmen, der frisch geschlüpften Perfektion dieses Grätzels ein bisschen kulinarische Wärme entgegengesetzt: mit gut ausgesuchtem Pop aus den 80er-Jahren (okay, Boomer!) und mit einer kleinen Karte, auf der lauter Sachen stehen, die einfach jedem und jeder schmecken, fix.

Auch bei der Wahl des Namens griffen Bernhard und Oberngruber in die emotionale Kiste: „Mimi im Stadtelefant“, weil Marc Oberngrubers oberösterreichische Oma „Mimi“ genannt wurde und Dorothee Bernhards Vorarlberger Mutter ebenfalls. Auf Fotos sieht das mit den Lieblingsmaterialien junger Architekten – polierter Estrich, Filz, Sichtbeton, Grobspanplatte – gestaltete Lokal vielleicht etwas kühl aus, ist es aber gar nicht. Zumindest nicht, bis das erste Bier kommt: Hof­stettner Kübelbier, ein großartiges Getränk! Auch die Weine sind alle super, alle interessant, witzig, jung, von der Weinhandlung Weinskandal gut ausgesucht und übrigens auch vor Ort ab Hof zu bekommen.

Gemanagt und bekocht wird Mimi von Laura Itty, die kochend schon die Welt bereiste, und von Daniel Schmid, der unter anderem im Joseph Bistro arbeitete. Es gibt täglich eine wechselnde Vorspeise, vorigen Mittwoch war das ein extrem frischer, animierender Quinoasalat mit Radieschen, ­Zucchini, Anchovi-Knoblauch-Confit und Paprikacreme, wow, weit entfernt von der üblichen Quinoa-Fadheit (€ 4,40). Und als Hauptspeise köstlich flaumige Gnocchi mit Spargel und leichter Käsesauce, wunderbar (€ 12,50), ein tolles, kühl-pikantes Kichererbsencurry (€ 9,80), ein wirklich gutes, klassisches Gulasch (€ 12,80) und als Highlight eine Forelle nach Kamerun-Art: in große Stücke gehackt, mit Ingwer und Chili geschmort, dazu schleimige Okra und bröselige Manioks – mein Urteilsvermögen mag isolationsbedingt zu euphorischen Ausschlägen neigen, aber das war die beste Forelle seit langer Zeit (€ 11,50). Das nächste Mal finde ich schon besser hin …

Resümee:

Der neue Grätzelwirt in einem futuristischen Stadtteil, der der beklemmenden Modernität mit sehr gutem Essen und Bier entgegentritt.


Mimi im Stadtelefant, 10., Bloch-Bauer-Prom. 23, Tel. 0676/774 93 61, Mo–Fr 10–15, Mi–Fr 17–23 Uhr, www.facebook.com/mimi.im.stadtelefant



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