Szene Lokalkritik

USUS am Wasser

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Gesellschaftlich-ökonomisch-kulinarisches Alternativmodell an der neuen Donau. Ausgefalleneres wie Wildkräutersalat mit Blumen und Orangen, aber auch Snacks wie Sandwiches und Pommes. Bühnenterrasse mit kulturellem und musikalischem Programm (Lesungen, Kabarett, DJs, Kinderprogramm). Gastgarten für 400 Pers. Reservierung per Online-Formular auf der Homepage.

Adresse:
Adresse:
An der neuen Donau 1
1210 Wien
Telefon:
Telefon:
0660/342 01 69
E-Mail:
E-Mail:
office@amwasser.wien
Website:
Website:
www.usus.wien
amwasser.wien
facebook.com/ususamwasser
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Do, So 11.30–23, Fr, Sa 11.30–1 (Gastgarten), Mo–Mi 14–20 (Kiosk)
derzeit geschlossen
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Barzahlung, Kartenzahlung
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Szene
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Essen am Wasser, Essen im Grünen, Gastgarten

Krieau, Floridsdorf

Ein gesellschaftlich-ökonomisch-kulinarisches Alternativmodell an der Neuen Donau

FLORIAN HOLZER | 28.7.2020

Es ist ja nicht so, dass es keine Leute gäbe, die Ideen haben. Über andere Gesellschaftsmodelle, über andere Wirtschaftsmodelle. Sie werden halt an den Rand gedrängt. Manchmal finden sie sich an diesem Rand aber dann zusammen, organisieren sich und stellen was auf die Beine. Wie in Christiania in Kopenhagen und vor drei Jahren konnte man das auch im Prater ein bisschen erleben, als sich ein Kollektiv namens USUS bildete, um für zwei Jahre einen Bereich ehemaliger Stallungen in der Krieau zwischenzunutzen, bis die Bagger kamen, um dort dringend notwendige Luxusappartements zu errichten.

Und das, was die USUS-Leute dort zwei Jahre machten, war wunderbar: Kunst, Veranstaltungen, Handwerk, Musik, eine lustige Bar und einen Imbissstand von dramatischer Köstlichkeit. Das Kollektiv betrieb dann noch ein paar Werkstätten, seit vergangenem Jahr das Restaurant im Schauspielhaus, fokussierte sich dann 2019 aber auf ein einzelnes Großprojekt: die ehemalige Wasserrutsche samt Disco, die in den 80er-Jahren neben der Brigittenauer Brücke an die Neue Donau gepflanzt wurde, der Unterwelt-König „Roter Heinzi“ soll einst den Grundstein gelegt haben. USUS kaufte das heruntergekommene Areal also. Die Handwerker unter ihnen reparierten und renovierten, Kommunarde und Koch-Philosoph Patrick Müller dachte sich ein kulinarisches Konzept aus, befreundete Kleinkunst-Kuratoren sorgten für Kabarettprogramme, geleitet wird alles vom knapp 30-jährigen Sebastian Malz, der eigentlich Schuhmacher ist.

Und es ist großartig. Die nächste U-Bahn ist nicht wirklich nahe, das heißt, es kommen Leute her, die wirklich hier sein wollen. Die alten Waschbetonterrassen mit den weißen Stahlgittern wirken zwar ein wenig labyrinthisch, aber wurscht. Da unten auf der Bühnenterrasse unterm Zelt ist Programm, der Strand wirkt paradiesisch, die Sonne geht über der Neuen Donau und dem Latisberg fast so schön unter wie am Peloponnes und die jungen Menschen hinter dieser seltsamen Beachclub-Bar schenken Prosecco aus dem Fass aus.

Müller kocht leider nicht selbst, aber seine Handschrift ist deutlich erkennbar. Etwa bei der kühlen Heidelbeer-Cremesuppe mit Basilikum-Öl und Croutons, ebenso köstlich wie lila (€ 6,80). Sandwiches und Pommes frites mit Beilage gingen strandbedingt am besten, sagt Sebastian Malz, man sollte sie allerdings rasch essen, in der Version mit Gulasch weichen sie recht schnell auf (€ 8,50). Der Wildkräu­tersalat mit Blumen und Orangen ist riesig und gut mariniert, man kann ihn auch mit Steak-Streifen, Wiener Wels und gegrilltem Käse bekommen (€ 7,90 plus € 6,–). Wenn man mehr bestellt, kommt übrigens alles auf einmal, aber zwei Gänge bestellt hier eigentlich keiner, sagt Malz. Tolle Sache, hoffentlich hält der Sommer.

Resümee:

Ein schönes Konzept, ein schöner Ort mit schräger Geschichte, gutes Essen und ein traumhafter Sonnenuntergang auch noch.


USUS am Wasser, 21., An der Neuen Donau 1, Tel. 0660/342 01 69, Mo–Mi 14–22, Do, So 11.30–23, Fr, Sa 11.30–1 Uhr, www.amwasser.wien



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