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Die Sattlerei

© Die Sattlerei

Foto: Die Sattlerei

© Matthias Heschl

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Kombination aus Restaurant, Weinbar, Greißlerei und Vinothek. Lunch, kleine Schmankerl an der Bar und in der Weinbar, ausgedehntes Dinner oder ein exklusiver Abend am Chef’s Table mit außergewöhnlichen Kreationen von Küchenchef Lewis Emerson. 200 verschiedene, selektierte biodynamische Weinen aus unterschiedlichen Ländern kann man nicht nur vor Ort verkosten sondern auch mitnehmen.

Adresse:
Adresse:
Heinestraße 25
1020 Wien
Telefon:
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0676/774 12 34
E-Mail:
E-Mail:
info@diesattlerei.at
Website:
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www.diesattlerei.at
facebook.com/RestaurantGreisslereiWein
instagram.com/diesattlerei/
Öffnungszeiten:
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Di–Sa 11–24 jetzt geöffnet (bis 24:00 Uhr)
Parken:
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Finde freie Parkplätze in Garagen über die PAYUCA Smart Parking App in der Nähe des Lokals! Jetzt downloaden: iOS | Android
Preiskategorie:
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€€€ (Hauptspeisen € 15-25)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Barzahlung, Kartenzahlung
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants, Gaststätten
Küche:
Küche:
International

Schmeck die Tiefebene!

Ein Banker hatte genug vom Geld und wurde burgenländischer Wirt in Wien

FLORIAN HOLZER | 25.5.2021

Österreichs jüngstes, schmalstes und bevölkerungsmäßig kleinstes Bundesland hat nicht nur vom EU-Beitritt und den damit einhergehenden Förderungen extrem profitiert. Sondern auch von der etwa gleichzeitig einsetzenden Entwicklung des sogenannten „Genuss-Tourismus“: Man fuhr nicht mehr ins Burgenland, um billigen Wein zu kaufen, sondern guten. Und essen ging man auch gleich, nicht mehr nur in die Buschenschenken, sondern in die Dankbarkeit, in den Taubenkobel, ins Inamera, ins Gut Purbach, zur Blauen Gans, in den Nyikospark, zum Csencsits oder in die Ratschen. Wo man überall wunderbare Gerichte bekam, die aus den Fischen, den Wollschweinen, den Gänsen, den Steppenrindern, den Gemüsen, dem Obst und den Kräutern gemacht wurden und werden, die es da gibt. Das Burgenland wurde vom Armenhaus Österreichs zu seiner Speisekammer.

Was außerhalb des Burgenlands viel zu selten nachzuvollziehen wäre, gäbe es nicht Leute wie Jürgen Sattler. Der war 23 Jahre lang Banker, doch nach einem Schicksalsschlag vor zwei Jahren dachte er sich, dass das Leben eigentlich zu kurz sei, nicht seiner Leidenschaft nachzugehen. Und seine Leidenschaft ist Essen und der gute Wein, vor allem aus seiner Heimat Seewinkel, weshalb er gemeinsam mit seiner Frau den früheren „Sauna Club Piccolo“ in der Heinestraße kaufte und aus dem Bordell in der Leopoldstadt ein riesiges, in coolem Grau gehaltenes Restaurant machte.

Dass Sattler auf seiner Karte nur Bio-Weine führt, dass er neben Restaurant und Weinbar auch eine kleine Greißlerei betreibt, in der man Schinken, Würste und noch mehr aus dem Burgenland bekommen kann, resultiert nicht aus kostenrechnerischer Vernunft, sondern aus seiner ganz persönlichen Passion heraus. „Da hab ich im Lockdown natürlich echt Geld verbrannt, aber die Leute konnten reinkommen und sich’s anschauen. Marketingmäßig war das super.“

Und dass der aus Yorkshire stammende Küchenchef Lewis Emerson aus erstklassigen Zutaten eine Gourmetversion burgenländischer Hausmannskost macht. Tagsüber „Bar Snacks“ nach Art der Heurigenplatte auf edel (€ 7,– bis € 18,–) und zum Knabbern knusprige Mini-Krautstrudel (€ 5,–).

Abends dann Casual Fine Dining wie ganz subtil gebratene Makrelen-Filets mit Brunnenkresse-Mayo und einem genialen Gurkensalat (€ 13,–), „Mum’s Legacy“, eine Art burgenländisches Beuschel aus Schweinsherz und -zunge mit Wurzelcreme (€ 16,–), oder die „Pannonische Bouillabaisse“ vom Wels, auch extrem gut (€ 21,–). Je nach Experimentierfreude kann man sich eine Weinbegleitung zusammenstellen lassen. Das Fleisch stammt von „Ötscherblick-Schweinen“, die in überdachten Freiluftställen mit Stroheinstreu leben und nur regionales Futter bekommen.

Resümee:

Ein Quereinsteiger steckt Burgenland-Passion in sein Gastroprojekt – hohe Qualität, tolle Weine und Beuschel wie bei Mama in Andau.



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