Imbisse Chinesisch Lokalkritik

Mr. Mai

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Verschiedene Arten von Teigtaschen mit diversen Füllungen, z.B. Dim Sum mit Garnele und Bärlauch, Jiao Zi mit Rotkraut, Karotten und Zwiebeln oder Jian Bing (chinesische Crêpes). Take-away.

Adresse:
Adresse:
Kirchengasse 1
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
0660/343 67 88
Website:
Website:
www.facebook.com/MrMai-111135667396180
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 11.30–18 jetzt geöffnet (schließt um 18:00 Uhr)
Parken:
Parken:
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Preiskategorie:
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€ (Hauptspeisen bis € 10)
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Imbisse
Küche:
Küche:
Chinesisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen zum Mitnehmen

Legalize It!

Zwei Schulfreundinnen gehen mit dem „Mr. Mai“ in die Teigtascherl-Offensive

FLORIAN HOLZER | 9.3.2021

Was war das Schlimmste, das wir uns vor Corona vorstellen konnten? Was schockierte uns vor Lockdowns, Übersterblichkeit, Isolation, Existenzängsten und allen Formen der Depression am meisten? Stimmt, illegale Teigtaschen.

Im Jahr 2019 hatte die Finanzpolizei in Wiener Privatwohnungen ein paar nicht angemeldete Teigtascherl-Homeoffices aufgedeckt. Teigtascherlmafia, Teigtascherlskandale und Teigtascherlnetzwerke wurden kolportiert. Die Republik stand am Abgrund.

Im Februar 2020 beschlossen Frau Chen und Frau Ye, die einander schon seit Schulzeiten kennen und deren Väter auch schon gemeinsam zur Schule gegangen waren, trotzdem ein Teigtascherl-Lokal aufzumachen. Oder vielleicht justament deshalb, wer weiß. Und sie nahmen es auf sich, für die Umwidmung eines ehemaligen Handyshops den langen Gang durch die Institutionen anzutreten.

Als sie diesen Gang absolviert hatten, war es Oktober 2020 und sie hatten ganze drei Wochen regulären Betrieb, ehe wieder zugemacht wurde. Mitte Jänner beschlossen die beiden auf Take-away umzusatteln.

Jetzt ist der siebte Bezirk ja grundsätzlich keine Gegend, in der kulinarische Monotonie vorherrschen würde, die Leute seien aber trotzdem dankbar, verrät Frau Ye, dass sie im Mr. Mai einmal etwas anderes bekämen.

Und vor allem: etwas Frisches. Das ist nämlich der Clou dieser legalen Teigtascherlfabrik: Alles wird selbst gemacht und durch eine große Auslage kann man auch dabei zusehen.

Fünf verschiedene Kategorien von Teigtascherln werden bei Mr. Mai angeboten, das sind einerseits Dim Sum, und zwar in den beiden überaus populären Versionen Garnele mit Bärlauch sowie Garnele mit Wasserkastanie (3 Stk. € 4,60/4,80), sowie die mit Schweinefleisch und Suppe gefüllten Tang Bao (3 Stk. € 5,20).

Dann sind da noch Jiao Zi, die chinesische Version der Gyoza, gefüllt entweder mit Rotkraut, Karotten und Zwiebeln (sehr gut), mit Schweinefleisch und Chinakohl (auch sehr gut) oder am besten mit Huhn, Mais und Shiitake (6 Stk. gemischt € 6,70), die könnte man sich zuhause auch noch braten. Die zwei Highlights des Sortiments sind aber wohl die faustgro­ßen Bao Zi – flaumigere, frischere und köstlicher gefüllte Baos hab ich in Wien bisher noch nicht gegessen (€ 2,50–2,90) – und die grandiose, knusprige China-Crêpe Jian Bing, die hier in einer etwas anders gewürzten Shanghai-Version und aus Weizen- statt aus Mungbohnenmehl gemacht wird.

Die chinesische Schinkenwurst war leider gerade aus, ich nahm „schmackhafte Fleischwolle“ – sehr klein zerrupftes Schweinefleisch – als Extra, Bohnensauce und Ei sind da auch noch drin, kommt an die Jian Bing von Mr. Yao heran, würde ich meinen (€ 5,20). Ich hol mir heute wieder eine.

Resümee:

Ein Fall von antizyklischer Gastronomie – am Tiefpunkt des Teigtascherl-Prestiges sichtbar handgemachte Topware anbieten.



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