Bistros Lokalkritik

Kelsen Bistro im Parlament

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

© Marcel Drabits

Foto: Marcel Drabits


Öffentlich zugängliches Bistro im Parlament. Frühstück, Mehlspeisen und kleine Gerichte wie Beinschinken-Kroketten mit frischem Gurkerl-Kren-Relish (€ 5,–) oder Rahmeierspeise mit Kalbskopf-Würferln und Brunnenkressespinat (€ 11,80); Bier von Trumer, Kaffee von Kaffee am See, österreichische Weine.

Adresse:
Adresse:
Dr.-Karl-Renner-Ring 3
1010 Wien
Website:
Website:
www.kelsen.at
facebook.com/kelsen.parlament
instagram.com/kelsen.parlament
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Fr 8–23.30, Sa 10–23.30 öffnet um 8:00 Uhr
Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€ (Hauptspeisen € 10-15)
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Bistros
Sonstiges:
Sonstiges:
Frühstück
Zusatzinfos:
Zusatzinfos:
Festnetz-Telefon
226 11 11 11
E-Mail
reservierung@kelsen.at

Essen mit Wählern

Das neu renovierte Parlament hat nicht nur eines, sondern vier Lokale

FLORIAN HOLZER | 24.1.2023

Wir sind es gewohnt, dass öffentliche Bauvorhaben günstig angesetzt werden und dann doch viel kosten. Bei der Renovierung des Parlaments herrschte hingegen von Anfang an Großzügigkeit. Klar, 420 Millionen, darunter kann sich eh keiner was vorstellen. Anders als beim 13.000-Euro-Flügel.

Nicht oder kaum kritisiert wurden die Investitionen in das Besucherzentrum „Demokratikum“ oder in die umfassend eingesetzte moderne Kunst.

Und bisher ebenfalls nicht bekrittelt wurde der Umstand, dass das davor ungenutzte Dachgeschoß des Parlaments einen Ausbau zu einer 800 Quadratmeter-Gastronomiezone erfuhr. Mit nicht weniger als drei verschiedenen Restaurants (ein weiteres Café befindet sich im Erdgeschoß), die von einer Gemeinschaft der Firmen Gaumenglück (Kantinenbetreiber), Friedreich Hospitality (Gastronomieberater) und Labstelle (Szenelokal in der Wiener Innenstadt) betrieben wird.

Durchsetzen konnten sie sich dem Vernehmen nach gegen 16 Mitbewerber, die Parlamentsparteien nahmen an den Hearings teil, und wenn man wissen will, ob die den klischeemäßigen Vorstellungen entsprochen und etwa nach „leistbarem Schnitzel“, „Produkten heimischer Bauern“, „österreichischen Rezepten“ und „vegetarischem Angebot“ gefragt hätten, lautet die Antwort Ja.

Die Betreiber konnten mit einem bemerkenswert ambitionierten Konzept überzeugen: Nachhaltigkeit auf allen Ebenen – Top-Produkte heimischer Kleinbetriebe, ausgearbeitetes Mitarbeiter-Management mit Beteiligung und Weiterbildungsmöglichkeit, Nose-to-tail-Verarbeitung und schließlich ein ziemlich ausgefeiltes Kulinarik-Konzept: Selbstbedienungsküche mit attraktivem Angebot und günstigen Preisen, Gourmet-Restaurant mit dem Thema „Dekonstruktion & Neuinterpretation der Wiener Küche“, die sich einstweilen noch etwas kapriziös darstellt. Und das Beste von allen: das Bistro.

Es profitiert vom hohen, hellen Raum und den vier historischen Kronleuchtern und es hat die interessanteste Karte. Diverse Frühstücke etwa, die man als konkurrenzfähig bezeichnen könnte. Tagsüber dann Beinschinken-Kroketten mit frischem Gurkerl-Kren-Relish, die hatten wirklich Witz (€ 5,–). Oder BBQ-Karfiol, knusprig gebackene Röschen mit Zitronen-Mayo und Erbsenkresse – sehr gut und das im österreichischen Parlament, bitte (€ 7,–). Oder Rahmeierspeise mit Kalbskopf-Würferln und Brunnenkressespinat, richtig gut (€ 11,80).

Das Bier ist von Trumer, der Kaffee von Kaffee am See, die Weine sind absolut super, alles Familienbetriebe, kein einziger Konzern. Sagen wir so: Das hätte auch anders kommen können.

Resümee:

Am Arbeitsplatz der Parlamentarier kann man jetzt ziemlich gut und nachhaltig essen. Ist das frivol? Nein, das ist würdig. F



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