Cafés, Espressos Empfohlen Lokalkritik

Café Kriemhild

© Christian Fischer

Foto: Christian Fischer

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


2021 neu übernommenes Kult-Café. Frühstück bis 14, danach kleine warme Speisen wie Wurzelwerk-Linsensuppe mit Minze und Salzzitrone (€ 4,20) oder div. getoastete Sandwiches mit Bio-Sauerteigbrot von Joseph; Bier aus Kaltenhausen. Interieur aus den 1970ern; 2 Billardtische. Schanigarten für ca. 30 Pers. mit Hollywoodschaukel.

Adresse:
Adresse:
Markgraf-Rüdiger-Straße 14
1150 Wien
Website:
Website:
instagram.com/cafe.kriemhild/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Do, So, Fei 10–23, Fr, Sa 10–24 öffnet um 10:00 Uhr
Parken:
Parken:
Finde freie Parkplätze in Garagen über die PAYUCA Smart Parking App in der Nähe des Lokals! Jetzt downloaden: iOS | Android
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos
Sonstiges:
Sonstiges:
Billard, Essen am Sonntag, Frühstück, Gastgarten

Billard mit Siegfried und Hagen

Das Café Kriemhild ging dann doch nicht unter. Im Gegenteil: Es wurde cool!

FLORIAN HOLZER | 22.6.2021

Als ich im September für den Grätzel-Rundgang das Nibelungenviertel besuchte, erlebte ich pure Verzweiflung.

Denn das dort legendäre Café Kriemhild hatte nicht nur gerade zugesperrt, es gab auch Gerüchte, dass da ein Supermarkt (in Wien, Welthauptstadt der Supermärkte, nicht ganz unwahrscheinlich) oder ein Yoga-Studio (im gerade hip werdenden Nibelungenviertel fast noch realistischer) reinkommen soll.

Was es, so war man gewiss, aber nicht mehr geben werde, war das schräge Retro-Café mit diesem traumhaft unhektischen Schanigarten und der kleinen Bühne, wo Lesungen, Poetry-Slams oder sonstige Alternativ-Kultur stattfanden.

Die Panik war ungerechtfertigt, zu diesem Zeitpunkt war der Deal schon fix: Moritz Baier und Daniel Botros (Chefs der Zollergassen-Lokale Liebling und Ganz Wien) und Marco Pauer (Betreiber von Schadekgasse 15 und Burggasse 24) würden das Kriemhild übernehmen.

„Das stand damals eigentlich schon im Kurier“, erinnert sich Kriemhild-Geschäftsführer Fabian Messner, „aber hier liest halt nicht jeder den Kurier.“ Auch trotz voller Instagram-Offensive der neuen Betreiber blieb das Informationsdefizit bestehen. Damit endlich zur Sache: Hipster-Wirten, Shabby-Chic-Protagonisten, Insta-Info, das klingt definitiv nach verbrannter Erde, die Kriemhild-Revitalisierung lief aber zum Glück sehr respektvoll ab.

Das alte, wahrscheinlich aus den 1970ern stammende Interieur blieb, ordentlich entrümpelt und geglättet wurde natürlich schon, der neue, gegossene Boden verleiht dem Retro-Café eine gewisse Eleganz und vor allem der Umstand, dass die Zwischendecke entfernt wurde, beendete die Kriemhild’sche Düsternis.

Besonders eklatant der atmosphärische Wechsel im Billardraum: Die beiden Tische bekamen eine neue Bespannung in Rot, den Bierbänken folgten Vintage-Sitzgruppen und sogar eine echte Chaiselongue, auch auf die ehemalige Bühne wurden 70er-Fauteuils gestellt, von der Decke hängt ein sogenannter Sputnik-Luster. Lässig, muss man sagen.

Sogar der eigentlich perfekte Schanigarten wurde noch ein bisschen optimiert: mit einer Hollywoodschaukel. Muss man allerdings früh aufstehen, um hier sitzen zu können.

Apropos früh aufstehen: Frühstück ist klarerweise das Hauptthema, wird bis 14 Uhr serviert, danach gibt’s eine Wurzelwerk-Linsensuppe mit Minze und Salzzitrone, die definitiv eine der besten Linsensuppen seit langem war (€ 4,20) oder getoastete Sandwiches aus Joseph-Bio-Sauerteigbrot, etwa mit Kimchi, Mozzarella und Pickles, dazu pikante Sriracha-Sauce (€ 8,50), auch nicht schlecht. Das Bier ist aus Kaltenhausen. Kriemhild ist wieder da.

Resümee:

Ein schrilles „Kulturcafé“ bekam nicht nur neue Besitzer, sondern auch ein optisches Update. Und ist das neue Grätzel-Zentrum.