Cafés, Espressos Lokalkritik

Rien

© Heribert Corn


Das ehemalige Café Griensteidl wird als pop-up geführt. Wiener Küche neu interpretiert: Speckrahmkutteln (€ 15,50), Wurzelwaller mit Apfelkren in mildem Wurzelsud (€ 19,50), aber auch interessante Desserts wie Wiener im Frack - saftiger Mandelkuchen mit Schokoladensauce und Schlagobers. Div. Veranstaltungen.

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Adresse:
Adresse:
Michaelerplatz 2
1010 Wien
Telefon:
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0680/309 65 63
E-Mail:
E-Mail:
info@rien.at
Website:
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www.rien.at
https://www.facebook.com/rienammichaelerplatz/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Sa 9–1, So 9–18
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Frühstück

Größenwahn & Nihilismus

Im ehemaligen Café Griensteidl wird Wiener Küche in die Zukunft geführt
NINA KALTENBRUNNER | 5.9.2017

Zwei Künstlercafés machten in Wien um 1900 von sich reden: Das Café Griensteidl, vulgo „Größenwahn“, und das Café Museum, aka „Nihilismus“. Das neue „Rien“ hat von beiden etwas: Den konzeptionellen Größenwahn vom gRIENsteidl plus die Loos’sche Schlichtheit vom Café Museum. Und reden wird man auch noch viel darüber.

Das Ex-Griensteidl, das mit dem Künstlercafé von damals nichts zu tun hatte, wird nun bis Ende Jänner als „Rien“ zwischengenutzt (der Falter berichtete in Ausgabe 34) und gehört zum Spannendsten, was diese Stadt gastronomisch zu bieten hat.

Das liegt vor allem an den spannenden Menschen, die daran beteiligt sind: Die Jungs von friendship.is (Betonküche, Feldküche), Hubert Peter, einer der begabtesten Barkeeper des Landes (Die Au, Kussmaul, Barrikade), die Köche Simon Kotvojs (davor: Mochi) und Lucas Steindorfer (davor: Die Liebe) sowie Viola Bachmayr-Heyda, die Patissière (zuvor: Joseph).

Evi Bach, die Haus- und Hofgärtnerin mancher der besten Küchenchefs des Landes sitzt bei unserem Besuch an der Bar und nippt an ihrem Wermut. Ihre Kräuter duften wenig später als kleine Sträußchen aus Pelargonien und Minze aus den hausgemachten Rosé-Wermut-Drinks mit Tonic.

Es geht erfrischend weiter: Die „Seeviche“ von der Lachsforelle (€ 12,50) schmecken so, wie man sich das peruanische Nationalgericht Ceviche auf Wienerisch vorstellen würde: essigsauer, zwiebelschwanger, mit leichter Süße und der Schärfe eingelegter Pfefferoni. Unerwartet, genial. Der bunte Paradeisersalat bezieht seine Süße von einem in Fichtenharz marinierten Pfirsich, der in Kombination mit frischem Kerbel einen perfekten Sommersalat abgibt (€ 7,50). Beide Köche gingen übrigens bei Christian Petz in die Schule und können die Klassiker wie Innereiengerichte aus dem Effeff, was sich spätestens beim Wurzelwaller (€ 19,50) und den Speckrahmkutteln (€ 15,50) zeigt.

Der Fisch auf den Punkt gegart, mit frischem Apfelkren in mildem Wurzelsud. Die Kutteln butterweich mit knackigen Fisolen in Rahmsauce, dazu ein flaumiger Schwarzbrotknödel und eine Scheibe Speck. Wow. Jetzt beginnt man zu verstehen, was mit „wir wollen die K.-u.-k.-Küche neu interpretieren“, oder „Wiener Küche, ohne Wienerschnitzel“ gemeint sein könnte.

Sehr Wienerisch dann auch der Wiener im Frack – saftiger Mandelkuchen mit Schokosauce und einem Gupf Schlagobers, auf Blümchenteller serviert – altbacken, sehr gut (€ 7,50). Extrem modern dagegen der „Ziegenkäse“, eine Cheesecake-Dekonstruktion, die in Gestalt eines Käsestücks (Fülle) und von Mandelbiscotti (Boden) mit Holunderröster zu Tisch kommt (€ 8,50).

Und das alles neben Fiakern und einem Musikanten, der zum zehnten Mal Andrea Boccellis „Time to Say Goodbye“ anstimmt. Ja eh, aber wir kommen wieder! Zum Frühstück. Zum Lunch. Zur Jause.

Resümee:

Das derzeit vielleicht coolste Kaffeehaus der Stadt mit spannendem Crossover-Konzept, kreativer Wiener Küche, herrlicher Patisserie und Getränken. Alles außer 08/15!


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