Restaurants, Gaststätten Orientalisch Lokalkritik

Café Nil

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Kultlokal, das es schon ewig gibt und das nach der Schließung 2021 im Herbst 2022 wieder eröffnet wurde. Orientalische, levantinische und marokkanische Küche, z.B. marokkanisches Ragout aus mit Safran marinierten Hühnerstücken mit Paprika, Zwiebel und Hummus (€ 16,90).

Adresse:
Adresse:
Siebensterngasse 39
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/890 79 98
E-Mail:
E-Mail:
office@cafenil.at
Website:
Website:
www.cafenil.at
instagram.com/cafenil_wien
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Sa 11–24, So 11–18 derzeit geschlossen
Parken:
Parken:
Finde freie Parkplätze in Garagen über die PAYUCA Smart Parking App in der Nähe des Lokals! Jetzt downloaden: iOS | Android
Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€ (Hauptspeisen € 10-15)
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants, Gaststätten
Küche:
Küche:
Orientalisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag

Trost am Nil

Das Café Nil hat wieder offen! Wie früher und trotzdem ganz neu

FLORIAN HOLZER | 15.11.2022

Das Café Nil in der Siebensterngasse war eines dieser Lokale, das es vermeintlich immer schon gab und das es vermeintlich für immer geben würde. Sich genau in dieser Sicherheit wiegend, geht man dann ewig lang nicht hin, und auf einmal ist es zu, das Nil.

Das Café Nil stammt aus einer Zeit, als im siebenten Bezirk noch rostige Renault 4 parkten, nicht Aston Martins. Aus einer Zeit, als die Wohnungen rund um den Siebensternplatz von WGs bevölkert wurden, nicht von Airbnb-Appartments. Das ist lange her, und daher durfte dieses wunderbare Lokal mit seinem einzigartigen Design, das ein Gefühl von Orient vermittelte, ohne orientalisch zu sein, nach 32 Jahren auch einfach von uns gehen.

Was würde folgen? Irgendwas Buntes mit Sauerteig-Pizza oder Bowls wahrscheinlich. Eh super.

Und plötzlich sah man da wieder Licht hinter den verklebten Fenstern. Und da stand was von Café Nil neu. Und von Interkulturalität. Und coming soon ...

Vor zwei Wochen war’s dann soweit. Das neue Nil machte auf und sah auf den ersten Blick fast aus wie das alte. Genau das wollte Mina Yaney – Architekt und Mitbegründer der großartigen Oriental Sandwich Bar in der Billrothstraße – auch, Veränderung und Kontinuität, Beständigkeit und Erneuerung. Weshalb es eine völlig neue Bar, ein neues Beleuchtungssystem und neue (coole) Möbel gibt, die zwar klassische Mid-Century Designerware sind, hier aber ebenso filigran orientalisch wirken wie früher die Thonet-Sessel. Geblieben sind die roten Ledersitzbänke und Teile des Bodens. Das reicht.

Ähnlich agierten Mina und sein Bruder Bischoy auch bei der Speisekarte, „levantinisch, nach Westen geöffnet“, sagt er, „wir wollen kein ägyptisches Lokal sein“. Weshalb es Gerichte aus Marokko, aus dem Libanon, aus Kleinasien und natürlich Ägypten gibt, eins klingt besser als das andere, handgemachte Kibbeh mit gerösteten Mandeln und Chimichurri, Okra-Eintopf, Calamari fritti mit Kreuzkümmel-Aioli … Muhammara, die Sauce aus roten Paprika und Walnüssen, war schon einmal großartig (€ 6,50), die „marokkanischen Zigarren“ mit Bio-Rindfleich-Mandel-Zwiebel-Fülle die besten Böreks, die ich in letzter Zeit hatte (€ 7,80) und das marokkanische Ragout aus mit Safran marinierten Hühnerstücken mit Paprika, Zwiebel und Hummus eine Offenbarung (€ 16,90).

Es ginge hier nicht nur ums ­Essen, sagt Mina Yaney, sondern auch um den Austausch, um ein Gefühl der ­Offenheit. Großartig! Dass das ­Essen trotzdem so gut ist, dafür sorgt ­übrigens Frau Salwa Ghobiral, Minas und Bischoys Mutter. Eine der erfreulichsten ­Neueröffnungen dieses Jahres.

Resümee:

Ein Kult-Lokal wiederzueröffnen ist eine ganz schwere Aufgabe. Das neue Café Nil schafft es mit tollem Design und extrem gutem Essen.



12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!