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Adlerhof

© Christian Fischer

Foto: Christian Fischer

© Katharina Gossow

Foto: Katharina Gossow

© Atelier Karasinski

Foto: Atelier Karasinski


Restaurant, Greisslerei und Bar. 16.30–22 Abendkarte (z.B. Rotbarsch-Ceviche, Wildterrine, Chorizo Mais-Huhn); 8–16 Frühstück (z.B. Fluffy Oat-Milk-Pancakes, Trüffel-Eierspeise oder Porridge). Brot, Gebäck, Milch etc. zu kaufen; der Shop-Bereich wird abends zur Bar umfunktioniert. Schanigarten mit 17 Tischen.

Adresse:
Adresse:
Burggasse 51
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/522 49 05
E-Mail:
E-Mail:
post@adlerhof.wien
Website:
Website:
www.adlerhof.wien
facebook.com/adlerhofwien
instagram.com/adlerhof_wien/?hl=de
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
täglich 8–2 derzeit geschlossen
Wegen der aktuellen COVID-Richtlinien dürfen Gastronomiebetriebe derzeit nur Essen zum Mitnehmen und Lieferservice anbieten. Bitte beachten Sie, dass die Liefer- und Abholzeiten von den angegebenen Öffnungszeiten abweichen können.
Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€ (Hauptspeisen € 10-15)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard, Diners, JCB
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants, Gaststätten
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Essen zum Mitnehmen, Frühstück, Gastgarten

Der König der Lüfte

Der legendäre Adlerhof hat wieder offen. Allerdings ganz anders als früher

FLORIAN HOLZER | 18.2.2020

War alles gut so, wie es früher war? Ist alles schlecht, was neu ist? Sicher nicht. Bei aller Freude darüber, dass der Adlerhof wieder offen und der Burggassen-Anger damit ein großes, schönes, professionell geführtes, viele Bedürfnisse abdeckendes Szenelokal hat, schwingt halt schon auch ein bisschen Wehmut mit, dass es den alten Adlerhof nicht mehr gibt. Dass es kaum noch Lokale wie den alten Adlerhof gibt. Dass es Lokale wie den alten Adlerhof so heute eigentlich nicht mehr geben kann.

Der Adlerhof – ein Gründerzeit-Wohnblock, der von der Siebensterngasse bis zur Burggasse reicht und durch ein Durchhaus verbunden ist, in dem in den 1980ern ungefähr jedes zweite heimische Musikvideo gedreht wurde – enthielt wahrscheinlich immer schon ein Wirtshaus, das gefühlt immer schon von Herrn Stefan Giczi geführt wurde. Der vordere Raum war dem Betrachten von Fußballspielen sowie dem Verzehr von Schnaitl-Bier gewidmet, die hinteren Räume dienten der Aufbewahrung alter Zeitungen. 2017 wurde der Adlerhof nach langer Krankheit des Herrn Stefan geschlossen und geräumt. Und stand drei Jahre leer. Jetzt hat er wieder offen, und alles ist anders als früher: Die Betreiber der beiden Wirr-Lokale Andreas Knünz und Manuel Köpf fassten sehr tief in den Investitionstopf, machten aus dem vorderen Raum eine Art „New Adlerhof“ mit Rekonstruktion der alten Lambris, mit alten Neon-Lampen, einer toll renovierten Schank (aus der jetzt allerdings Schleppe-Bier kommt), mit Nachbildungen der legendären alten Adlerhof-Tapeten und einer bemerkenswert schönen Bodenverfliesung, schaut super aus; im Mittelteil gibt’s einen Wintergarten mit Oberlichte, einer schmiedeeisernen Wendeltreppe von willhaben.at und Otto-Wagner-Geländern, jede Menge Zimmerpflanzen und Wandgestaltung, die von der Designerin Laura Karasinski aus dem Schloss Laudon kopiert wurde; und hinten dann noch einen „Salon“ mit Thonet-Sesseln und Tischen, für die man alte Oswald-
Haerdtl-Tischfüße fand. Eine topmoderne Küche gibt’s, von den Personal-T-Shirts über Bierdeckel bis zum Verpackungspapier eine durchgängige Adlerhof-CI. Die Vitrine der Schank dient auch als Greißlerei, in der man Brot (und die besten Wachauerlaberln des Landes) von der Bäckerei Schmidl erwerben kann.

Auch die Küche gibt Vollgas, Hipster-Frühstück ohne Ende, kein Gericht bleibt von kreativem Input verschont, Ceviche von der Goldbrasse mit Ingwerconfit und süßen Croutons (€ 10,–), Chioggia-Rüben-Carpaccio mit gerösteten Walnüssen, eine Rillette von der Gans alias „Verhackerts“ mit Zwiebel-Chutney (€ 9,–), Chorizo-Maishuhn und der unverzichtbare frittierte Pulpo mit Safran-Aioli und Fenchel (€ 17,–). Alles wunderbar. Ein bisschen weniger hätte aber vielleicht auch gereicht.

Resümee: Der Adlerhof wandelte sich von einem düsteren Fußballerasyl zu einem schillernden Hipsterlokal mit Rundumangebot.


Adlerhof 7., Burggasse 51/6, Tel. 01/522 49 05, tägl. 6.30–2 Uhr, www.adlerhof.wien