Szene Lokalkritik

Erich

© Erich

Foto: Erich

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Café-Bar des Ulrich-Inhabers Gerald Bayer mit einer Karte, wie es sie sonst in Wien kaum gibt; Mittagskarte Mo–Fr 11.30–16.30, Frühstück bis 16, Fingerfood: ab 12 Bowls, Sandwiches (Grilled-Cheese-Sandwich ab € 9,–), Tacos. Gute Gin Tonic Auswahl, hausgemachte Limonaden, Detox-Smoothies. Schanigarten für 75 Pers.

Adresse:
Adresse:
Neustiftgasse 27
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/890 64 00
E-Mail:
E-Mail:
hallo@erichwien.at
Website:
Website:
www.erichwien.at
instagram.com/ulricherichwien/
facebook.com/ERICH-112582092436682
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
täglich 9–2 öffnet um 9:00 Uhr
Aufgrund der aktuellen COVID-Richtlinien gilt derzeit für die Gastronomie die 2G-Regel sowie eine allgemeine Sperrstunde um 22 Uhr. Bitte beachten Sie, dass die aktuellen Öffnungszeiten ggf. abweichen können.
Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€ (Hauptspeisen € 10-15)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Szene
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Frühstück, Gastgarten, WLAN

Ulrichs fettes Brot

Das Ulrich hat eine Filiale am St.-Ulrichs-Platz, die trotzdem Erich heißt

FLORIAN HOLZER | 1.3.2016

Nein, mit dem Friseur hat das Lokal nichts zu tun. Aber umso mehr mit Gerald Bayer, dem alten Motto-Haudegen, der vor zwei Jahren das schon etwas angeranzte Lokal Spatzennest am St.-Ulrichs-Platz übernahm und da ein an Nettigkeit kaum zu übertreffendes Lokal für erfolgreiche Jungmenschen machte. Dieses Ulrich ist jeden Tag zum Bersten voll, und fürs Frühstück muss man sich mitunter sechs Wochen vorher anmelden.

Weshalb er, um den Druck da etwas rauszunehmen, jetzt noch ein Lokal übernommen hat, das nur ein paar barocke und biedermeierliche Häuser weiter ist: das ehemalige Café Nepomuk, ein winziges Gewölbelokal, das in Sachen Patina auch schon einen beachtlichen Status erreicht hatte. Bayer ließ den Putz vom Gewölbe schlagen und weiß ausmalen, versenkte eine Lüftung im Boden, installierte eine Bar, die er ebenso wie den winzigen Extraraum mit Goldfolie verkleidete, und verpasste einem Stückchen Decke eine Art Katzenkopf-Plafond.

Mit dem Ergebnis, dass aus dem winzigen Gewölbelokal eine lässige Café-Bar namens Erich geworden ist, die nicht nur weitaus appetitlicher anzusehen ist, als es das Nepomuk jemals war, sondern auch ein ganzes Stück dramatischer wirkt als das Wunderkind Ulrich.

Und besonders erfreulich: Gerald Bayer und seine Köche ließen sich für das kleine Erich eine Karte einfallen, wie es sie sonst in Wien kaum in einer kleinen Café-Bar gibt, aber durchaus geben sollte: nämlich mit höchst erfreulichem Fingerfood, unkompliziert und ohne Trara zu essen und in Begleitung eines Gläschens Bier oder eines Cocktails so ziemlich das Beste, was man sich in solchen Situationen vorstellen kann. Tacos, zum Beispiel, in Wien seit vergangenem Sommer eh schon einigermaßen angekommen, allerdings wahrlich nicht immer so gut wie hier. Avocado-Schafkäse-Bohnencreme-Lauch-Salsa-Koriander-Limette etwa ist definitiv großartig und gehört zum Besten, was man in der Stadt derzeit vegetarisch zu essen bekommt (1 Stk. € 3,–, 3 Stk. € 7,50). Ob der Taco mit Calamari, Rucola, Limetten-Chili-Mayo und crispy Quinoa noch besser war, ist schwer zu sagen; ich würde meinen: knapp nicht (1 Stk. € 3,50, 3 Stk. € 9,50).

Außerdem gibt es fantasievoll zusammengestellte „Bowls“ mit recht viel Superfood, hab ich nicht probiert, dafür aber einen der „Grilled Cheese-Sandwiches“, ganz ohne Superfood, aber etwa im Fall der Schafkäse-Schmorzwiebel-Variante mit erfreulichem Salat und einem Tiegerl sagenhafter Kreuzkümmel-Salsa ein unglaublich gutes, fettes Brot, beziehungsweise derer vier (€ 8,50). Toller Snack, oho! Spieße gibt’s dann auch noch, Maiskolbenstücke mit Manchego und Chili etwa (€ 1,50), Tofu mit Tomaten-Paprika-Salsa (€ 2,–) oder Lachs mit Zitrone, Olivenöl und Kräutern (€ 2,50). So macht mit den Händen Spaß, so hat mit den Händen essen Sinn.

Resümee:

Ein winziges Gewölbelokal, das von einem Tschocherl zur vergoldeten Gewölbe-Bar mit dem besten Barfood der Stadt wurde.