Orientalisch Lokalkritik

Florentin 1090

© Heribert Corn

© Florentin 1090

© Florentin 1090


Restaurant, Café, Bar, angelehnt an das Florentin, einem Stadtviertel in Tel Aviv; authentische orientalische Küche, Salate, Hummusvariationen etc. Frühstück; auch vegetarische und vegane Speisen. Weitgehend regionale- und biologische Produkte. WLAN. Schanigarten für 12 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Berggasse 8
1090 Wien
Telefon:
Telefon:
0676/735 56 25
E-Mail:
E-Mail:
reservierung@florentin1090.com
Website:
Website:
www.florentin1090.com
https://www.facebook.com/florentin1090/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
täglich 8–23, Küche bis 22
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard
Küche:
Küche:
Orientalisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Bioprodukte, Essen am Sonntag, Frühstück, Nichtraucherlokal, Schanigarten, WLAN

Eis am Stiel, Teil 9

Das ehemalige Café Berg heißt jetzt wie ein Stadtteil Tel Avivs. Zu Recht?
FLORIAN HOLZER | 14.11.2017

Sehnsuchtsort Tel Aviv. Hell, warm, am Meer, jung, liberal, fröhlich, Israels Zentrum sowohl für Start-ups als auch für Partys. Das konkrete Gegenteil von Wien, vor allem im November, vor allem nach den letzten Wahlen, vor allem nach der Ankündigung der Fahrschein-Tariferhöhung, vor allem nach der nicht enden wollenden Selbstzerfleischung der Grünen ...

Tel Aviv ist eine strahlend weiße Stadt, erst vor 108 Jahren gegründet, mit einem architektonischen Bauhaus-Kern aus den 30ern, in der alle Menschen wunderschön und immer gut drauf sind, die in den vergangenen Jahren zur Lifestyle-Bühne wurde, nicht zuletzt wegen des guten Essens und der frischen, dynamischen Lokalszene, die sich da seit kurzem entwickelte, wo alles neu erfunden wurde und besser schmeckt als vorher.

Ein Spirit jedenfalls, den in Wien das Miznon seit zwei Jahren recht überzeugend rüberbringt und den man bei richtigem Sonnenstand und Abwesenheit allzu vieler Schnösel auch am Tel Aviv Beach erahnen kann.

Insofern kein Wunder, dass da auch das Nachfolgelokal des Café Berg eine gewisse Chance erkannte: Nach 25 Jahren Berg zog da kürzlich ein Florentin 1090 ein, benannt nach den zentralen Bauhaus-Vierteln Tel Avivs.

Ein früherer Verbindungstrakt zum einstigen Gay-Buchgeschäft Löwenherz wurde mit einer hübschen Stadtansicht-Grafik versehen, sonst blieb das Lokal bis auf die Gestaltung der Bar weitgehend unverändert, andere Lampen gibt’s und weniger Tische, Irrungen wie die Heizkörper-Wände in den Fensternischen, die den Bereich dort zur Brutkammer machen, blieben bestehen.

Und was soll da jetzt Tel Aviv sein? Gute Frage. Vielleicht weil auf einer Kreidetafel der ganze Karfiol aus dem Ofen – berühmt geworden nicht zuletzt durch das Miznon – mit Tahine-Sauce angeboten wird oder es ein israelisches Bier (aber keinen israelischen Wein) gibt.

Auch ein paar Vorspeisen im Ottolenghi-Style – also mit Feta, Kichererbsen und Granatapfelkernen – stehen auf der Karte und sind ikea-esk mit israelitischen Vornamen wie Isaak, Tabea und Aaron benannt. Die Hauptspeisen haben keine Vornamen, die in Backteig frittierten Karfiolstücke mit Joghurtsauce waren wahrscheinlich zu fad dafür (€ 6,90) und beim Gericht „Pochierte Eier auf Rindfleisch“ war bezeichnungstechnisch so schon viel Fantasie im Spiel – es handelte sich da nämlich um ein Pfandl mit Faschiertem mit Tomatensauce und zwei Spiegeleiern drüber (€ 10,50), in irgendeiner Studenten-WG Tel Avivs wird man das wahrscheinlich schon einmal so gemacht haben ...

Der Jasmin Fizz war außer süß gar nichts, einziger Uniqueness-Faktor ist die Kellnerin, die mit zunehmend leerem Lokal immer lauter bei den Boogie- und Soulklassikern aus den 50ern und 60ern mitsang. Ein Flug nach Tel Aviv kostet derzeit um die 240 Euro. Darauf zu sparen lohnt.

Resümee:

Das alte Café Berg gibt’s nicht mehr, das Nachfolgelokal sieht aber nicht sehr anders aus und ist leider auch nicht sehr israelisch.


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