Szene Lokalkritik

Frau Mayer

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Von einem Kulturverein betriebenes Musiklokal mit Livemusik (Di–Sa, Programm siehe Homepage). Jausenplatten für 2 Pers. (z.B. mit Falafel), Brote mit Liptauer und Erdäpfelkas (€ 4,80).

Adresse:
Adresse:
Rudolfsplatz 12
1010 Wien
Telefon:
Telefon:
0660/262 51 69
E-Mail:
E-Mail:
info@fraumayer.at
Website:
Website:
fraumayer.at
facebook.com/KulturvereinFrauMayer
instagram.com/fraumayerwien
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Fr 15–1, Sa 11.30–1 (Fei geschlossen), Küche Di–Fr 17–21, Sa 12.30–14
jetzt geöffnet (schließt um 1:00 Uhr)
Parken:
Parken:
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Lokaltyp:
Lokaltyp:
Szene
Sonstiges:
Sonstiges:
Live-Programm, Musik

Hier spielt die Musik

Ein ehemaliger Club ist jetzt ein Musikzentrum mit Jausenplatte

FLORIAN HOLZER | 11.1.2022

Musik tut der Seele gut. Und an einem widerlich warmen Jännerabend, an dem das Land bange vor der Omikron-Wand steht und man außerdem die vergangenen beiden Jahre viel zu wenig Leute getroffen, dafür aber viel zu viel gefressen, gesoffen und ferngesehen hat, ist ein bisschen Livemusik sicher keine schlechte Strategie.

Ein Lokal namens Frau Mayer hilft dabei. Vor ein paar Jahren initiiert, versteht es sich als nicht kommerzieller Kulturverein zur Förderung der Jam-Session. Seine erste Location hatte der Verein in der Mollardgasse, befand sich dort aber ziemlich auf Tauchstation. Öffnungszeiten und Programm waren nur Empfängern von Mundpropaganda geläufig.

Vor einem Jahr übersiedelten der künstlerische Leiter Dominik Grafl und der fürs Kulinarische zuständige Michael Lugger mit ihrem Konzept dann an den Rudolfsplatz (erster Bezirk) ins ehemalige Haus der Textilindustrie.

Davor befand sich dort ein Quereinsteiger-Lokal namens Das Heinz. Und viel länger davor das Anfang der 90er legendäre Apropos. Einer der ersten Clubs in Wien, der diesen Namen verdiente (und dank echt peinlicher Performance Ende der 90er-Jahre den Ruf der Wiener Clubs wieder einigermaßen demontierte).

Frau Mayer hielt sich hier jedenfalls nicht groß mit Umbauten auf, das Lokal erinnert immer noch sehr an Heinz: recht bunt, recht grell und recht geschmacksverwirrt. Dafür gibt’s jetzt eine Website, auf der man ein tägliches Programm von Live-Auftritten erfahren kann – wunderbar.

An diesem Abend war das eine junge Frau namens Felice DeHouwer mit diversen Soul-Klassikern. Wenn ein nicht gewinnorientierter Kulturverein plötzlich ein echtes Lokal betreibt, stößt er aber offenbar an gewisse Grenzen: Auf das verlangte Reservierungs-SMS wird nicht geantwortet; dass der junge Kellner nicht weiß, wie man eine Sektflasche öffnet, kann passieren; dass er den freundlich gemeinten Hinweis, wie es klappen könnte, mit darauffolgender Miss- und Verachtung quittiert, ist halt fad. Ah ja, und Koch konnte man leider keinen einstellen, „aufgrund der verheerenden Verordnungen in Kultur und Gastronomie“. Geh bitte!

Kochlos bereitet Frau Mayer zumindest Jausenplatten zu, leider nur für zwei Personen. Die Falafel waren um 19 Uhr schon aus, Brote mit Liptauer und Erdäpfelkas gab’s noch (€ 4,80), aufgetaute Kärntner Kasnudeln auch (€ 11,90). Da isst man ja im Porgy & Bess besser!

Es müsste ja gar nicht der Grüne Veltliner Frau Mayer vom Pollerhof auf der Karte stehen oder gar Spitzenkoch Alexander Mayer Ideen fürs Sortiment liefern. Allerdings: Warum eigentlich nicht?

Resümee:

Das etwas provisorisch wirkende Konzept eines Musiklokals, bei dem das mit der Musik ganz gut klappt, das mit dem Lokal weniger.



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