Empfohlen Lokalkritik

Café Westend

Foto: Heribert Corn


Großes Kaffeehaus mit gemischtem Publikum, wurde im Sommer 2018 neu renoviert. Umfangreiche Frühstückskarte; Kaffeespezialitäten. Tagesteller und diverse Mittagsmenüs; auch vegetarische Speisen. Mehlspeisen. Österreichische und internationale Tageszeitungen.

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Adresse:
Adresse:
Mariahilfer Straße 128
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/522 33 68
E-Mail:
E-Mail:
office@cafe-westend.at
Website:
Website:
www.cafe-westend.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Fr 8–23, Sa, So 7–23 jetzt geöffnet (schließt um 23:00 Uhr)
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Wiener Kaffeehäuser
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Frühstück, Mittagsmenü
Tipp:
Tipp:
aus dem Buch "Kaffehäuser in Wien", Ein Führer durch eine Wiener Institution

Das Tor zum Westen

Das Café Westend wurde neu übernommen. Und hat sich verändert
FLORIAN HOLZER | 6.11.2018

Früher, als der Westbahnhof noch ein echter Bahnhof war, von dem aus man nach Zürich, Paris oder München reisen konnte, war das Café Westend ein wichtiger Ort. Zumindest für Jugendliche, die im Westen Wiens oder den vorgelagerten Dörfern aufwuchsen, denn da kam man also aus Rekawinkel, Untertullnerbach, Weidlingau-Wurzbachtal oder Unter-Oberndorf in Wien an, und das Erste, was man sah, war das Café Westend. Nicht dass man deshalb da reingehen wollte, man wollte auf die Mariahilfer Straße oder ins Bermudadreieck, aber das Café Westend war das Tor, die Pforte, die einen erkennen ließ: Ab hier ist Stadt.

Von der Kaffeehausrenaissance der vergangenen 20 Jahre bekam man im Café Westend nicht viel mit. Das Interieur des Jugendstilcafés war dem offensichtlichen Verfall preisgegeben, und abgesehen von seiner Größe und seiner trotzdem irgendwie magischen Ausstrahlung war das Café vor allem wegen zweier Aspekte bemerkenswert.

Erstens die absurd große Speisekarte, hundert Gerichte, eine ganze Seite davon den diversen Variationen der Kalbsleber gewidmet; und zweitens, weil man von diesen Gerichten eh keines bekam, weil die Kellner einfach nicht kommen wollten. Stunden konnte man da unbehelligt verbringen.

Anfang September wurde das Café Westend übernommen. Und zwar nicht von einer Parfümerie-, Textil- oder sonstigen Handelskette, sondern von Johann Diglas, Besitzer eines Kaffeehauses in der Wollzeile, der in den vergangenen Jahren mit der Konditorei Schmohl, dem Café Schottenstift und der Meierei im Türkenschanzpark schon kräftig expandierte. Viel wurde zum Glück nicht verändert: Die Sitzbänke erhielten neue Veloursbezüge, Decke und Wand wurden neu gestrichen (wobei es wahrscheinlich auch mutigere Farben als Ocker und Olive gegeben hätte …), die verchromten Entlüftungsaggregate dröhnen nach wie vor, die Karte wurde dramatisch verkleinert. Und neue Ober kamen auch, elegant, flink, kommunikativ, freundlich, wohlriechend und nüchtern. Also anders als früher.

Bei den Gerichten hätte man vielleicht ein kleines bisschen mehr Charme oder Witz an den Tag legen können, die Auswahl wirkt extrem pragmatisch. Aber okay, der Toast kam nicht nur rasch zu Tisch, was gut ist, weil man auf einen Toast nicht gerne wartet, er war auch perfekt getoastet, außen knusprig, innen weich, kein besonderer Schinken, kein besonderer Käse, vielleicht nicht der beste Toast der Stadt, aber ein sehr guter (€ 4,80).

Das Gulasch gab dafür wirklich Gas, mürbe, guter Biss, toller Saft mit ordentlich Fettspiegel, Fächergurkerl und Petersilerdäpfeln, so etwas ist in einem Bahnhofscafé schon etwas sehr Schönes (€ 11,40). Schade, dass es den Westbahnhof nicht mehr gibt. Ein gutes Bahnhofscafé hätte er jetzt jedenfalls.

Resümee:

Ein Traditionscafé, das so sanft wie möglich übernommen wurde; bei dem belassen wurde, was gut war, geändert wurde, was schlecht war.

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