Restaurants, Gaststätten Lokalkritik

Stadler & Thomas

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Österreichisch-mediterrane Kreativküche im gehobenen Ambiente mit kleiner, durchdachter Karte. Catering.

Adresse:
Adresse:
Burggasse 64
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
0664/219 16 05
E-Mail:
E-Mail:
hello@stadler-thomas.at
Website:
Website:
stadler-thomas.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Sa 11.30–16 und 17.30–23, So 11.30–16 öffnet um 11:30 Uhr
Aufgrund der aktuellen COVID-Richtlinien gilt derzeit für die Gastronomie die 2G-Regel sowie eine allgemeine Sperrstunde um 22 Uhr. Bitte beachten Sie, dass die aktuellen Öffnungszeiten ggf. abweichen können.
Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€€ (Hauptspeisen € 15-25)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants, Gaststätten
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag

Der Plan B

Zwei junge Hotelköche machen jetzt doch Kreativküche statt Foodtruck

FLORIAN HOLZER | 5.10.2021

Vor einigen Jahren herrschte in der österreichischen Gastronomie-Szene eine regelrechte Jugend-Geilheit. Köchinnen und Köche konnten gar nicht jung genug sein, je jünger, desto besser. Ausbildung, Erfahrung und Fertigkeit waren Veranstaltern von „Rookie of the year“-Bewerben eher wurscht, wenn nur die Frisur wild, die Tattoos bunt und der junge Mensch bereit war, auf dem Cover eines Branchenmagazins einen Fisch, ein Messer, einen Knochen oder sonst irgendwas zwischen die Zähne zu nehmen.

Der verzweifelte Versuch einer Branche, die geprägt ist von zähen Arbeitsalltagen, Ausbeutung und finanziellen Risiken, eine schillernde Boyband-Attitüde zu verleihen. Eh okay.

Konstantin Stadler und Andreas Thomas sind jung, 25 und 27 Jahre alt, sehen eigentlich ganz normal aus und haben bisher schon großartige Stationen absolviert: Das Luxushotel Schloss Velden, Sacher, Kempinski und ähnliche Kapazunder.

Aber immer Hotelküchen, wo man zwar viel lernt, aber halt nicht wirklich an der Front ist, nicht zeigen kann, was man wirklich draufhat. Weshalb sie beschlossen, gemeinsam einen Foodtruck zu starten, 100.000 Euro Investition und eine Genehmigungssituation, die in Österreich leider ganz anders ausschaut als in der Hollywood-Komödie „Kiss the Cook“, überzeugten die Jungköche allerdings, es doch mit einem „ganz normalen“ Restaurant zu probieren.

Sie bekamen sogar Geld von der Bank und bauten also vier Monate lang das ehemalige Singh in Neubau zu ihrem Gemeinschaftsprojekt Stadler & Thomas um.

Ja, der Name ist sehr 90er-Jahre, aber da kamen sie ja gerade erst auf die Welt, und immerhin schupfen beide gemeinsam Einkauf, Küche und Service, putzen selbst, und da darf man sich dann schon so nennen.

Die Karte ist klein, das ist gut, da kann man drauf vertrauen, dass sich die zwei über jeden Gang den Kopf zerbrachen.

Gebeizter, roher Zander aus dem Neusiedler See mit Buttermilch-Dillöl-Marinade, einer Art Radicchio-Marmelade und gebratenen Kerbelknollen (bestes Gemüse der Welt!) war zum Beispiel richtig gut (€ 13,90) und auch die mit Miso bestrichene, gegrillte Melanzanischeibe mit knallroter Spitzpaprikacreme, geröstetem Buchweizen (oho!) und Korianderpesto war nicht nur ein veganes Feigenblatt, sondern wirklich köstlich (€ 9,–).

Super auch das kurz gebratene Onglet plus geschmortes Backerl vom steirischen Almochsen mit Mark-Bällchen, gebratenen Pilzen und geflämmtem Lauch, weil Onglet – vulgo Herzzapfen – ein absolut köstlicher Muskel ist, der in Österreich normalerweise im Faschierten verschwindet (€ 24,–). Ein mutiges Projekt, gratuliere.

Resümee:

Zwei junge Köche wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Und liefern großartige Kreativküche mit menschlichem Antlitz.