Stadtheurige Lokalkritik

Schank zum Reichsapfel

Foto: Schank zum Reichsapfel

Foto: Schank zum Reichsapfel


Klassischer Wiener Heuriger in einem ehemaligen Wirtshaus. Es gibt Gailtaler und Puchberger Spezialitäten: doppelt gebackenes Bauernbrot, Rohsalami, Schinkenspeck, kalter Braten, Blunzen sowie eine spezielle Auswahl an Aufstrichen und Salaten, Sasaka (Kärntner Verhackertes), Jause zum Reichsapfel (€ 11,50). Gekochte Selchkrainer (€ 6,90) und Chili-Hauswürste (€ 6,50), Geselchtes, täglich frisch zubereiteter Schopfbraten und Kümmelbraten vom Puchberger Schneebergland Schwein (je € 9,50); hausgemachte Nachspeisen wie Schokostollen mit Himbeerragout od. Scheiterhaufen mit Beerenröster; gut ausgewählte Weinkarte, Murauer Bier vom Fass, Natursäfte, Edelbrände. Schanigarten für 60 Pers.

Anzeige

Adresse:
Adresse:
Karmeliterplatz 3
1020 Wien
Telefon:
Telefon:
01/212 25 79
E-Mail:
E-Mail:
schank@zumreichsapfel.at
Website:
Website:
www.zumreichsapfel.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Sa 16–24 (Fei geschlossen) derzeit geschlossen
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Stadtheurige
Sonstiges:
Sonstiges:
Nichtraucherlokal, Rollstuhlgerecht, Schanigarten

Der Kärntner Reichsapfel

Auch so geht Heuriger: ein altes Wirtshaus, Kärntner Aufschnitt und gute Weine
FLORIAN HOLZER | 3.2.2014

Das Gasthaus zum Reichsapfel hinter der Karmeliterkirche war schwarz getäfelt, man bekam hausgemachtes Essen und Wirt Manfred Leitner vermittelte angenehme Souveränität. Die Erinnerungen daran sind zwar schon recht dunkel, aber das Papier des „Wien, wie es isst 1989“ ist noch nicht so vergilbt, dass man das nicht noch herauslesen könnte.

Bald danach machte das schöne Gasthaus allerdings dicht, es folgte der Spanier Cadiz und danach ein chinesisches Lokal, dann war drei Jahre lang zu, was man nur bedauern konnte, weil das ja ein wirklich sehr schönes Platzerl war. In das vor drei Wochen Tschinte Rogatschnig einzog, der unter anderem Ossi Schellmanns Summerstage startete und dann zwölf Jahre die Planter’s Bar leitete. Und sich immer dachte, sollte er je ein eigenes Lokal haben, dann werde das die Geschichte seiner Kindheit und Jugend erzählen.

Kindheit und Jugend nämlich verbrachte der in Villach geborene Rogatschnig zum Teil im Oberen Gailtal, wo sein Vater als Straßenbaumeister arbeitete und die unbefestigten Wege zu den Bergbauernhöfen am Talrand erschloss. Was Sohn Tschinte sowohl das eigensinnig-freundliche Wesen der Bergbewohner näherbrachte als auch ihre Fähigkeit, wunderbare Schinken, Würste und Specke zu selchen, „das sollte in meinem Lokal alles dabei sein“, sagt er.

Also lässt er sich doppelt gebackenes Roggenbrot aus Finkenstein kommen, Osso Collo, Rohwurst, harte und weiche Hartwurst sowie Sasaka (faschierter Speck, die Kärntner Variante des steirischen Verhackert) von einem Bauern im Gailtal. Die herrlich groben Selchkrainer und geselchten Hauswürste (€ 5,50), die in einem Dampfgarer vor sich hin simmern, kommen ebenso wie das Geselchte, der Schopfbraten und ein wirklich sehr kümmeliger Kümmelbraten (je € 7,50, kombiniert als Reichsapfelschmaus € 11,50) zwar vom Schneeberg, macht aber nichts, schließlich stammen auch die wirklich schöne Lamperie und der Kachelofen von einem Weinviertler Heurigen, was Kärnten-Puristen vielleicht stören mag, was man aber auch als wirklich gut gelungene Kombination einzelner Ingredienzien sehen kann.

Die Weinkarte ist gut ausgewählt, lauter Sachen, die man mit Freude trinken kann, dass die beiden Kärntner Top-Weingüter Georgium und Karnburg fehlen, könnte sich in Zukunft vielleicht ändern, dafür gibt’s Bier aus Murau, das immerhin ganz nahe an der Landesgrenze liegt, und da erfreulicherweise das köstliche Pils, das man sogar in Murau selbst kaum bekommt. Und zu Ostern wird Reindling gemacht und gelbe Kirchtagssuppe, jö!

Die Schank zum Reichsapfel wurde jedenfalls ein unheimlich angenehmes, wohliges und völlig unkitschiges Lokal, das einige der schönsten Seiten Kärntens präsentiert. Das Wort „Larissa“ fiel nicht.

Resümee:

Ein uraltes Gasthaus, das zwischenzeitlich schon so ziemlich alles war, ist jetzt eine Art Kärntner Heuriger. Und das geht sich gut aus.

Anzeige


Anzeige

Anzeige