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&flora

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

© Michael Königshofer

Foto: Michael Königshofer

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Hotelrestaurant mit toller Gemüseküche von Küchenchefin Parvin Razavi. Viele vegetarische bzw. vegane Gerichte wie frittierter Karfiol auf Karfiolcreme mit Schnittlauchöl, nordafrikanischem Dukkah und knusprig frittierten Grünkohlblättern (€ 12,–), Fleisch und Fisch dienen eher als Beilage. Das Gemüse kommt von Krautwerk, Dirndln am Feld und der Gärtnerei Bach. Frühstück. Bier von Trumer. Snacks und Getränke wie Kaffee, Kuchen oder Quiches auch zum Mitnehmen. Lokal auf 3 verschiedenen Ebenen; im Sommer Schanigarten.

Adresse:
Adresse:
Breite Gasse 9 (im Hotel Gilbert)
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/523 13 45-100
E-Mail:
E-Mail:
welcome@hotel-gilbert.at
Website:
Website:
www.undflora.at
facebook.com/Caf%C3%A9-Brasserie-flora-105733134599428
instagram.com/undflora_wien
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mi–Sa 7–24, So 7–17, Küche Mi–Sa 8–14 und 17–22, So 8–17
derzeit geschlossen
Parken:
Parken:
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Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€ (Hauptspeisen € 10-15)
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants, Gaststätten
Sonstiges:
Sonstiges:
Bioprodukte, Essen am Sonntag, Essen zum Mitnehmen, Frühstück, Gastgarten

Pflanz mich

Ein Hotel in Neubau checkte sich eine begrünte Fassade und ein grünes Restaurant

FLORIAN HOLZER | 15.3.2022

Die Breite Gasse ist ja wahrscheinlich die einzige Straße im siebenten Bezirk, in der sich kein einziges Lokal befindet (Glacis Beisl gilt nicht, das hat da nur seinen Zugang). Dafür gab’s hier immer jede Menge Möbel- und Einrichtungshäuser, und das größte von ihnen war der sogenannte Dorkahof, ein mehrstöckiges Möbelhaus, das zugleich Hotel auch noch war.

1997 übernahm Familie Kleindienst-Giendl das Anwesen, machte aus dem Dorkahof das Art Hotel Vienna, das sich gestalterisch schon ans zukünftige Museumsquartier anlehnen sollte. Pech: Diese frühe Planungsversion des MQ wurde verworfen, weshalb das benachbarte Hotel dann über 20 Jahre lang designmäßig ein bisschen allein dastand.

Beim aktuellen Umbau machte man’s besser, orientierte sich am generellen Zeitgeist, sorgte für eine begrünte Fassade und fasste den Entschluss, dass auch kulinarisch der Zeitgeist gesurft werden solle – also Gemüse, nachhaltig, regional. Und weil sich Parvin Razavi im Match um die Position des Küchenchefs durchsetzen konnte und ihr Team fast ausschließlich aus Frauen besteht, gibt’s eine weibliche Komponente noch obendrauf.

Razavi war vor allem als Food-Bloggerin und Veranstalterin von Kochkursen bekannt. 2014 sorgte sie dann im G’schupften Ferdl für den gemüsigen Kontrast zum Restprogramm, tauchte danach im bemerkenswerten (und mittlerweile fixen) Gourmet-Pop-up „Hausbar“ auf und kochte zuletzt im Dogenhof, „weil ich find Feuer super“. Mit Gemüse ihrer bevorzugten Lieferanten Krautwerk, Dirndln am Feld und Gärtnerei Bach zu arbeiten, die Wurzeln der Gemüse fermentieren zu lassen, die Blätter zu Emulsionen zu vermixen, orientalische Akzente mit nordischen zu verbinden und Fleisch oder Fisch nur als Beilage zu konzipieren, fand sie aber noch superer. Weshalb sie im &flora genannten und auf drei verschiedenen Ebenen stattfindenden Lokal jetzt für eine Küche sorgt, bei der sich Wienerin und Wiener ihre inbrünstig gehegte Aversion gegen Hotelrestaurants eventuell überlegen werden.

Zur Variation von Goldrüben mit Apfel, Granatapfel, Brunnenkresse und selbstgemachtem Labneh kommt eine Marinade aus Rübensäften, die beim Verarbeiten anfallen (€ 12,–). Die hiesige Version des It-Gemüses Karfiol – frittiert, auf Karfiolcreme mit Schnittlauchöl, nordafrikanischem Dukkah und knusprig frittierten Grünkohlblättern – ist das beste Karfiolgericht seit langem (€ 12,–). Und ob man’s glaubt oder nicht, aber dank zweijährigem Miso, dem Reibekäse „Belper Knolle“ und Leinöl schmeckt sogar das Risotto vom Öd-Korn Emmer großartig (€ 13,–).

Ah ja, und den ersten Schanigarten der Breite Gasse soll’s auch geben.

Resümee:

Ein Hotel-Restaurant, wie wir’s noch nicht oft erlebt haben: nicht fad, nicht unpersönlich, kein Clubsandwich, dafür tolle Gemüseküche.F