Szene Lokalkritik

Café Leopold

© Heribert Corn


Das Lokal im Leopold Museum wurde neu übernommen. Im Fokus steht neu interpretierte asiatische Küche, aber auch österreichische Speisen; Mittagskarte (VS € 3,20 bis € 7,60/HS € 9,50 bis € 22,80). Wintergarten, Dachterrasse.

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Adresse:
Adresse:
Museumsplatz 1 (MuseumsQuartier)
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/522 23 91
E-Mail:
E-Mail:
info@cafeleopold.wien
reservierung@cafeleopold.wien
Website:
Website:
www.cafeleopold.wien
https://www.facebook.com/www.cafeleopold.wien/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
täglich 10–2, im Hof tägl. 10–24
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Szene
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Essen im Museum/Theater, Nichtraucherlokal, Terrasse

Ein neuer Leopold

Das Café Leopold, gastronomisches MQ-Urgestein, hat jetzt Gyoza
FLORIAN HOLZER | 27.6.2017

Sie hätten sich sehr schnell entschlossen, sagt Tie Yang. Sie, die „Gyoza Brothers“, ein Freundeskreis von Kindern asiatischer Emigranten, die 2002 gemeinsam das Ra’mien aufmachten und damit eine Bühne für eine Szene schufen, die in Wien bis dahin unsichtbar war: die bestens integrierten, ambitionierten Asiaten zweiter Generation, die hier Community, günstige Szenegastronomie und Party miteinander verbinden konnten.

Als neue Betreiber des Café Leopold waren nach dessen vorläufigem Ende einige prominente Namen im Gespräch. Und dass dann gerade die Ra’mien-Leute, die im Museumsquartier mit dem Café Dschungel schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hatten, den Zuschlag erhielten, war dann doch etwas überraschend.

Aber sie machten was draus. Schon im Mai wurde der Umsatzbringer „Wasserbar“ im Haupthof des MQ eröffnet, vor zwei Wochen dann das Café im Museum: Der stets schwierig zu bespielende Wintergarten wurde zur einfachen Terrasse, die schwülstigen Kaffeehaus-Lampen wurden durch drei großflächige Lichtelemente von Jun Yang ersetzt, das Lounge-Mobiliar wich einer Ra’mien-typischen, schlichten Kantinen-Bestuhlung, das Extrazimmer mit Kücheneinblick erhielt eine rote Tapete und chinesischen Lampions, wie sie auch schon im ShanghaiTan hängen. Und als Club wird es nicht mehr geführt, es gehe jetzt im Leopold nur mehr um Gastronomie, erklärt Tie Yang.

Auf diesem Sektor haben es die Gyoza Brothers relativ leicht, muss man sagen, denn im ganzen Museumsquartier passierte schon sehr lange nichts Neues mehr, die Tendenz geht stark in Richtung „gutbürgerlich-konservativ“, Zeitgenössisches beschränkt sich auf die diversen Streetfood-Festivals vor dem Museum (okay, da gibt’s dann aber auch nur und ausschließlich Burger ...).

Die neue Leopold-Karte bietet also das, was in Asia-Lokalen derzeit am besten geht, also Rolls mit viel Avocado, Gyoza, Curry, Sushi und Bowls, so weit, so unspektakulär.

Dann gibt’s allerdings auch noch eine Monatskarte, und die ist lustig. Auf der stehen etwa so Sachen wie Ebi-Katsu, frittierte Laberln aus angeblichem „Krabbenfleisch“, tatsächlich wohl Surimi, egal, guter Biss, salzig, heiß, schnell da und günstig (€ 7,60). Der Seetangsalat gut, grün und frisch, und auch bei Karaage – in fünf chinesischen Gewürzen marinierte und wieder heiß frittierte Hühnerkeulenstücke – herrscht keine Berührungsangst vor Billigkeit. Die Portion ist riesig, knusprig, würzig, lustig und will nicht mehr sein als es ist: Streetfood (€ 5,80). Das gelingt bei der gegrillten Goldbrasse „Thai Style“ gleich viel weniger gut: vier Stücke frittierten, nicht gegrillten Filets mit Bandnudeln in Kokossauce – weder besonders gut und schon gar nicht Thai Style (€ 15,80).

Egal, je einfacher, desto besser, man findet hier jedenfalls relativ leicht was Gutes.

Resümee:

Endlich wieder einmal was Neues im Museumsquartier: Das kulinarisch stets etwas beliebige Café Leopold wurde zum Szene-Asiaten.


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