Bars Lokalkritik

Ammutson

© Heribert Corn


Bierbar; ausschließlich mit bitteren Craft-Bieren aus Deutschland, Spanien, Italien, Dänemark und Österreich. 12 Offene Biere, an einem Monitor sieht man, welche Sorten angezapft sind. Sandwiches.

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Adresse:
Adresse:
Barnabitengasse 10
1060 Wien
Telefon:
Telefon:
0664/479 91 30
Website:
Website:
https://www.facebook.com/Ammutson/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo 16–1, Di, Mi 16–2, Do–Sa 16–4, So 14–24
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Bars

Ein Bier mit der Todesgöttin

Bitteres, mitunter saures Bier ist das neue Ding in der Barnabitengasse
FLORIAN HOLZER | 3.4.2018

Ein Platz, an dem bisher noch nie etwas sehr lange oder sehr gut funktionierte; ein Lokal, das bis auf ein paar Tischpulte, eine Bar und ein paar massive Holzbalken über keine Einrichtung verfügt, in dem sich alte 60er-Rock-Hadern mit viel Lautstärke aus schlechten Lautsprechern quälen und das auf seiner Karte eigentlich nur eine Position zu bieten hat: bitteres Bier. Das soll gehen? Und wie das geht. Mittwochabend rammelvoll, polyglotte Thirty-Somethings rotten sich da heiter zusammen, trinken trübes Bier und versuchen auf Finnisch, Englisch, Deutsch und Italienisch lauter miteinander zu sprechen als Jimi Hendrix „Hey Joe“ singt.

Aus dem Gewurl in diesem neuen Bierlokal namens Ammutsøn sticht ein Mann heraus, erstens wegen seines bemerkenswerten Bartes und seiner Wuckerln, zweitens wegen seiner bemerkenswerten Persönlichkeit: Misho Omar war bis vor kurzem Geschäftsführer des 2014 eröffneten Innsbrucker Craft-Beer-Tempels Tribaun und dachte sich, ein unabhängiges Zentrum für bitteres Bier könnte Wien auch ganz gut vertragen.

„Unabhängig“ ist bei Bierlokalen übrigens ziemlich selten. In den allermeisten Fällen sorgt eine Großbrauerei für Schankanlage und technisches Equipment, das dann durch Bierabnahme abgedient wird. Das ist jetzt nicht unbedingt eine schlechte Methode der Teilfinanzierung, bei der Auswahl der gezapften Biere ist man aber halt gewissen Einschränkungen unterworfen.

Hier nicht, zwölf Zapfhähne hat Misho in Betrieb, was aus diesen rauskommt, ist auf einem Bildschirm zu lesen. Beziehungsweise nicht nur der Name dieser Anti-Mainstream-Biere aus Deutschland, Spanien, Italien, Dänemark und Österreich, sondern auch Alkoholgehalt und die Namen der Hopfensorten. Und weil wir alle schon so virtuell und Screen-fixiert sind, steht da auch zu lesen, welches Fass demnächst angeschlagen wird.

Wenn man Misho Omar fragt, wie es zum Namen Ammutsøn kommt, und ob er denn aus Skandinavien stamme, kommt übrigens eine längere Geschichte. Nämlich dass er aus Ägypten kommt und dass Ammut (oder auch Ammit) dort die Todesgöttin der 18. Dynastie war, die einen allerdings nur dann ins Totenreich ließ, wenn man mit sich im Reinen war, andernfalls fraß sie dein Herz. Und nach zwei, drei Bieren sei man sehr mit sich im Reinen, meint Misho. Der „søn“ kam dann noch dazu, weil ihn ein norwegischer Polarforscher, der es völlig allein und unabhängig zum Nordpol und retour geschafft habe, eben sehr an sein Geschäftsprinzip erinnere, außerdem wahrscheinlich, weil die Craft-Beer-Szene ja generell sehr skandinaviphil ist.

Zu essen gibt’s hier übrigens nur Sandwiches, die im Fall des Exemplars mit Salami und Rotkraut gar nicht schlecht, in der Schmelzkäse-Nüsse-Spinat-Version verzichtbar war. Herz-Sandwich würde hier doch ganz gut passen, oder?

Resümee:

Craft Beer ist das neue Schwarz. Und im Ammutsøn gibt es außer diesem sonst nicht viel. Aber dafür ist es umso bitterer.


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