Restaurant/Gaststätte Wienerisch Empfohlen Lokalkritik

Zum Roten Bären

Foto: Falter Verlag/ Karin Wasner

Foto: Falter Verlag/ Karin Wasner

Foto: Heribert Corn


Wiener Küche und Spezialitäten von Südpolen bis an die Adria (VS € 8,– bis € 11,–/HS € 11,– bis € 24,–), saisonale Spezialitäten; ständig wechselnde Speisekarte; südmährisches Bier, Weine aus Österreich. Stüberl (Raucher) für 30/Nichtraucherbereich für 40, Schanigarten für 40 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Berggasse 39
1090 Wien
Telefon:
Telefon:
01/317 61 50
E-Mail:
E-Mail:
zumrotenbaeren@gmail.com
Website:
Website:
www.facebook.com/redredmedved
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
täglich 18–24, Küche bis 22
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Gaststätten, Restaurants, Beisln
Küche:
Küche:
Wienerisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Essen zum Mitnehmen, Raucherbereich, Rollstuhlgerecht, Schanigarten

Unter Bullen

Ein Beisl im sichersten Winkel Wiens erwachte aus der Bedeutungslosigkeit
FLORIAN HOLZER | 17.3.2014

Es gibt da so eine Serviceleistung der Wirtschaftskammer, die sich „Nachfolgebörse“ nennt. An die wenden sich Gastronomen, die in Pension gehen und ihr Lokal übergeben wollen, oder Jungwirte, die auf der Suche nach einem Lokal sind, in dem sie ohne größere Umbauten loslegen können. Ende vorigen Jahres meldete sich auch Florian Kovacic dort. Um nämlich nach Jahren des Kellnerierens, vor allem aber nach der brandbedingten Schließung eines früheren Lokalprojektes nach nur zwei Wochen ein eigenes Beisl zu machen; eines, das so ist, wie er sich das immer vorstellte.

Als man ihn in die untere Berggasse schickte, rechnete er nicht gerade mit einem Haupttreffer – Rossauer Kaserne und diverse Polizeischulen ums Eck, ein paar obskure Tranklerhütten rundherum, von der hübschen Saturiertheit des nahen Servitenviertels keine Spur. Und dann das Gasthaus „Zum Braunen Bären“. Alt, braun, nicht übermäßig schön, aber funktionstüchtig, Stammgäste Ministerialbeamte und ein Kleinbahnverein.

Kovacic baute nicht groß um. Er beließ ein paar der alten Bilder, er schliff die alten Tische ab, stellte einen großen Stammtisch auf und programmierte ein bisschen angenehme Hintergrundmusik, nichts, was das Lokal so weit veränderte, dass es kein typisches Gasthaus „Zum Braunen Bären“ mehr wäre. Aber er holte Hans Bodingbauer, bisher Koch in diversen Szenelokalen der Stadt, von Spirali, Top-Kino, Lux, Roter Elefant bis zu Fabios, wie Kovacic aus der Steiermark und wie Kovacic verliebt in die Idee eines großen Bratels, „das in der Rein auf den Tisch gestellt wird, mit der Gabel drin stecken“.

Und was die beiden da jetzt seit Anfang Jänner vorlegen, hat mit dem Braunen Bären halt gar nichts mehr zu tun, weshalb das Beisl eben auch „Zum Roten Bären“ heißt: zum Beispiel ein slowenischer Vorspeisenteller, ein Sortiment aus Peperonata, Krautsalat mit Kürbiskernöl, Ziegenkäse und geröstetem Sterz, großartig (€ 9,80). Und wirklich sensationell wird’s, wenn das schlichteste Essen nach dem Butterbrot kommt, nämlich gekochte Erdäpfel mit Butter und Salz. Nur sind die Erdäpfel halt aus dem Garten von Hans Bodingbauers Vater aus der Südsteiermark, und ich muss sagen, ich kann mich nicht erinnern, je so gute Erdäpfel gegessen zu haben (€ 3,50). Dass es sich beim Rinderschmorbraten mit Butternudeln um Biofleisch handelt, steht nicht da, egal, der Schmorbraten war so wahnsinnig saftig, mürb, köstlich, und diese buttrigen Nudeln mit dem Saft dazu, wah (€ 12,20). Und das Wiener Backfleisch war noch besser als in Rudi’s Beisl, und das ist immerhin eine Benchmark.

Zu erwähnen sei auch noch, dass es Černá-Hora-Bier aus Böhmen gibt, und dass Kovacic da ein paar unglaubliche Weine (Opok und Sauvignon blanc von Sepp Muster) um wenig Geld glasweise verkauft. Das ist ein sehr guter Platz hier.

Resümee:

Ein ehemaliges Grindbeisl im Polizeigrätzel Wiens änderte nicht nur namentlich die Farbe, sondern auch die Philosophie.

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