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Blaustern

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Frühstück (Mo–Fr bis 12.30, Sa, So und Fei bis 15.30); Österreichische und internationale Küche, auch vegetarische und vegane Speisen; Kinderportionen, -sessel; hervorragende Cocktails (€ 8,50 bis € 17,–). 2 TV. Klimaanlage. Schanigarten für 100 Pers.

Adresse:
Adresse:
Döblinger Gürtel 2
1190 Wien
Telefon:
Telefon:
01/369 65 64
E-Mail:
E-Mail:
blaustern@blaustern.at
Website:
Website:
www.blaustern.at
facebook.com/dasblaustern
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 8–23, So, Fei 8–20, warme Küche bis 21
derzeit geschlossen
Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€ (Hauptspeisen € 10-15)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Barzahlung, Kartenzahlung
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos, Restaurants, Gaststätten
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Frühstück, Gastgarten, Klimaanlage, Rollstuhlgerecht, TV
Tipp:
Tipp:
aus dem Buch "Kaffehäuser in Wien", Ein Führer durch eine Wiener Institution

Café Tu mir nicht weh

Das Blaustern hat neue Besitzer, ein neues Outfit und neuen Kaffee

FLORIAN HOLZER | 5.11.2019

Als das Blaustern 1996 aufmachte, war da ganz schön viel Statement: Das erste Mal, dass man es wagte, ein altes, klassisches Kaffeehaus (das Grillparzer) zu einem neuen, modern gestylten Kaffeehaus zu machen; das erste Mal, dass dabei der Kaffee sehr stark in den Vordergrund gerückt wurde und man mit einer eigenen (angeblich in St. Pölten hergestellten) Röstung zu punkten versuchte; und auch mit dem speziellen Frühstücksangebot war man da vor 23 Jahren einigermaßen unter den Pionieren.

Was hat sich seither geändert? Die Wiener Kaffee-Kultur hat sich dramatisch verbessert und an Breite gewonnen, die WU ist in den Prater übersiedelt, das typische Blaustern-Publikum somit verschwunden. Und der legendäre Bermuda-Dreieck- sowie Gasthausbrauerei-Pionier Sepp Fischer ist nicht mehr der Besitzer des Blaustern. Sogar schon länger nicht mehr, das Blaustern wurde ein paar Mal weitergegeben, seit ein paar Monaten gehört es den Freiraum-Menschen, womit die Sache natürlich gleich einmal etwas interessanter wurde.

Denn Christoph Wagner und Sascha Adzic machen Lokale normalerweise nicht einfach so, sondern haben einen größeren Plan. Der will beim neuen Blaustern aber nicht so recht deutlich werden. Das Design des Kaffeehauses bekam ein recht sanftes Update, das im Wesentlichen darin bestand, die Roland-Rainer-Stühle durch Loungesessel mit Lederauflage zu ersetzen – schlechte Idee! –, der Kaffeeröster verschwand, der war aber auch zuvor schon nur Dekoration.

Essensmäßig hegt man da also gewisse Hoffnungen, schließlich sieht man Marcus Langhammer durchs Café huschen, und der hat ja sowohl im Fischerhaus an der Höhenstraße als auch in seinem Café Zuckergoscherl jedes Mal recht interessante Küchenkonzepte vorgelegt. Doch nein, im neuen Blaustern wird Mainstream gegeben, ein Sortiment, das effektiv niemandem wehtut, Kürbiscremesuppe, Beef Tatar, Shak-
shuka, Burger, Sandwich, Schinkenfleckerln. Nicht der neu interpretierte Schinken-Käse-Toast, nicht die beste Schinkenrolle, nicht Würstel mit Saft, von denen wir noch unseren Enkeln erzählen würden. Schade. Immerhin, gegrillter Feta mit Wassermelone, Melanzanicreme und Chili klingt nicht schlecht, hat auch gar nicht so übel geschmeckt, dafür umso schlimmer ausgesehen, muss man sagen, optisch geht da echt noch was (€ 8,–). Auch der Beef-Sandwich war tadellos, eine Art Clubsandwich mit Roastbeef, Spiegelei, reichlich Avocado, Paradeisern und knusprigem Salat, nicht nur wohlschmeckend, sondern sogar stabil, was bei Dreideckern ja eher selten ist (€ 12,80). Und der Espresso aus der Freiraum-eigenen Rösterei Röstraum war auch sehr gut.

Dennoch: Irgendwie fehlt der Witz, irgendwie ist das eine Spur zu brav, ­irgendwie merkt man da jetzt nicht den Mut, den Fischer damals 1996 bewies.

Resümee:

Das Blaustern ist nach wie vor hübsch, groß und hell, hat Essen, vor dem niemand Angst hat, und besseren Kaffee als früher.


Blaustern, 19., Döblinger Gürtel 2, Tel. 01/369 65 64, Mo–Sa 8–23, So 8–20 Uhr, www.blaustern.at



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