Restaurants, Gaststätten Lokalkritik

C.O.P. – Collection of Produce

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

© C.O.P.

Foto: C.O.P.


Jüngstes Gastroprojekt der NENI-Gründer*innen Haya Molcho und Nuriel Molcho, Küchenchef ist Elihay Berliner, der herzhafte und leichte Gerichte mit Einflüssen aus der mediterranen Küche serviert. Die Zutaten stammen von über 50 regionalen Lieferant*innen, das Menü ist regional und saisonal ausgerichtet, die Gerichte werden als sharing plates zum Teilen serviert. Eigener Holzofen im Lokal, in dem über offener Flamme gegart wird. Das minimalistisch gestaltete Interieur kommt von Julian Epok.

Adresse:
Adresse:
Biberstraße 8
1010 Wien
E-Mail:
E-Mail:
office@copvienna.at
Website:
Website:
copvienna.at
instagram.com/copvienna
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Sa 18–23 jetzt geöffnet (schließt um 23:00 Uhr)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Barzahlung, Kartenzahlung
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants, Gaststätten

Das Non-Neni

Familie Molcho eröffnete ein neues Lokal, das mit Tel Aviv recht wenig zu tun hat

FLORIAN HOLZER | 6.12.2022

In Wien rümpft man ja gern die Nase über Haya Molcho und ihre Neni-Lokale. Sie sei so präsent, liest man da etwa, komme ständig in den Medien vor, das nerve schön langsam.

Nun gut, das ­Tel-Aviv-gestylte Restaurant-Konzept, das Molcho 2009 am Naschmarkt mit ihren Söhnen begann, ist nicht nur weltweit erfolgreich (neben den drei Wiener Lokalen existieren in europäischen Hauptstädten neun weitere Filialen), es ist auch das einzige Restaurant-Konzept österreichischen Ursprungs, das auf so einen Erfolg zurückblicken kann.

Und wo viel Erfolg, da überlegt man sich Diversifizierung. Das begann mit dem Streetfood-Konzept von „Kvetch“ und ging vor drei Jahren mit „C.O.P“. weiter.

C.O.P., so wie die Lungenkrankheit? Ja, der Name ist schon ein bisschen eigenartig, steht aber für „Collection of Produce“, was nicht weniger eigenartig klingt und mitteilen soll, dass es sich beim neuen Lokal um ein Farm-to-table-Konzept handelt: Die Liste der Produzenten ist auf der Rückseite der Speisekarte vermerkt. Lauter großartige Adressen, aber eigentlich kein einziger Name dabei, mit dem alle anderen guten Szenegastronomen derzeit nicht ebenfalls arbeiten würden.

Ist aber völlig nebensächlich, denn das vergangene Woche dann endlich eröffnete Lokal mit dem komischen Namen wurde absolut großartig: Das seit 1991 gastronomisch genutzte ehemalige Teppichlager wurde zu einem weitläufigen Restaurant mit offener Küche, Marmortischerln, Thonet-Sesseln und guter Hintergrundmusik, aber ohne störenden Dekorationskitsch. Also auch ohne die in Wien momentan obligatorische Pflanzentapete.

Küchenchef und Compagnon Elihay Berliner – vor seiner Neni-Zeit unter anderem in diversen Lokalen von Eyal Shani aktiv – entwickelte ein mediterranes Küchenkonzept, das aber definitiv nicht Tel-Aviv-Style ist: also null Hummus, Shakshuka, Falafel und Kibbeh, dafür Schinken und Schweinskotelett.

Der in Paprikapulver marinierte, rohe Ostsee-Hering mit grünem Chili, gepickelter Zwiebel und Brioche war schon einmal absolut grandios (€ 12,–), der längs aufgeschnittene 20-Zentimeter-Markknochen mit in Öl gebratenem Roggenbrot herausfordernd, der frische, säuerliche Kräutersalat half da sehr (€ 14,–).

In Madeira geschmorter Lammnacken mit Sellerie-Gemüse gelang ebenfalls großartig, pur und köstlich, auf Sättigungsbeilagen wird nach mediterraner Tradition verzichtet (€ 24,–). Und auch wenn die C.O.P.-Leute bei ihren Zutaten jetzt vielleicht keine verborgenen Schätze hoben – beim Personal gelang ihnen das absolut: lauter junge, kompetente, engagierte Kräfte. Und das ist heute ja das wirkliche Kapital eines Gastronomiebetriebs. Super Laden.

Resümee:

Familie Molcho machte nun einmal was ganz anderes. Puristische Bistro-Küche mit Herkunftsgarantie.F



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