Französisch Empfohlen Lokalkritik

Café Francais

© Phillip Schwinger

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Großes und täglich bummvolles Lokal in einer Location, in der bisher alles scheiterte (ra'an, Sajado, Jin's Sinohouse, Como); französische Alltags-Kulinarik wie Quiche (ab € 8,–), herzhafte Zwiebelsuppe (€ 3,90), Coq au Vin (€ 15,50), Croissants (€ 2,–) und Baguettes. Hübsche Ausstattung, dezent modern, großzügig gehaltenes Lokal, viel Platz nach oben und viel Licht von außen. WLAN. Nichtraucher 80/Raucher 30.

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Adresse:
Adresse:
Währinger Straße 6–8
1090 Wien
Telefon:
Telefon:
01/319 09 03
E-Mail:
E-Mail:
salut@cafefrancais.at
Website:
Website:
www.cafefrancais.at
www.facebook.com/pages/CAF%C3%89-FRAN%C3%87AIS/487835364582174
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 9–24 (Fei geschlossen)
Küche:
Küche:
Französisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Raucherbereich, WLAN

Auf französische Art

Ein Lokal, das nie gehen wollte, brummt auf einmal. Weil es französisch ist?
FLORIAN HOLZER | 26.2.2013

Eigentlich ist das ein Wunder: Das Café français in der Währinger Straße eröffnete Mitte Jänner und ist seitdem jeden Tag bummvoll. Und das morgens, mittags, abends und dazwischen auch; und das, obwohl jetzt gerade ein bisschen die „tote Zeit“ ist; und das, obwohl ein französisches Café in Wien bisher nicht gerade als der große Bringer galt, sondern eher als dessen Gegenteil. Und das außerdem noch, obwohl in den vergangenen Wochen in unmittelbarer Nähe noch zwei Lokale aufmachten (Pizzeria Riva und Rochus 1090), die miteinander ebenfalls an die 200 Sitzplätze haben und ebenfalls rammelvoll sind.

Das Allerverwunderlichste schließlich: Das Café français befindet sich an einem Ort, an dem in den vergangenen zehn Jahren absolut alles scheiterte, die gestylte Sushi-Verabreichung ra’an, der Mainstream-Panasiate Sajado, das ambitionierte Jin’s Sinohouse und das mediterrane Designer-Paradies Como – in all diesen Lokalen waren in zehn Jahren insgesamt so viele Gäste wie im Café français in einer Woche.

Aber warum ist das so? Keine Ahnung. An der Ausstattung kann es jedenfalls nicht liegen, weil die ist zwar hübsch, dezent modern, das Lokal ist großzügig gehalten, viel Platz nach oben und (sehr, manchmal zu) viel Licht von außen, nur war das bei den Vorgängern auch nicht viel anders und vom Como wurde ohnehin das meiste übernommen. Also vielleicht am Essen? Nicht wirklich.

Das Café français bietet zwar französische Kulinarik, wie sie sich der kleine Franzi vorstellt, also Quiche, Zwiebelsuppe, Coq au Vin und Crème brûlée während der Hauptverabreichungszeit, dazwischen Croissants und Baguettes. Das ist alles miteinander nicht schlecht, wirklich sensationell aber auch nicht, okay, das Clubsandwich ist eindrucksvoll (€ 10,50), die Zwiebelsuppe herzhaft (€ 3,90), warmer Ziegenkäse mit Honig und Thymian immer eine Freude (€ 7,50) und die Quiche lorraine zwar nicht
die beste der Stadt, aber sicher die
mit dem höchsten Ei- und Butteran-teil (€ 8,–). Aber halt weit entfernt
von dem, was Herbert Malek da im Como oder Jin Loh im Sinohouse kochten.

Dass es wirklich an der Hintergrundmusik liegen sollte? Wahrscheinlich am ehesten, beziehungsweise überhaupt an der Atmosphäre.
Den Café-français-Machern – dem frühere Red-Bull-Media-Art-Director Axl Schreder und dem Grinzinger Pizzeria-Betreiber René Steindachner – gelang es nämlich nicht nur, mit kleinen Details ein bisschen Stimmung zu generieren, sondern auch – so sagen Auskennerinnen und Auskenner – das Lokal mit klugem Social-Media-Marketing vollzubekommen. Und in volle Lokale gehen die Menschen nun einmal lieber als in leere. Weshalb das Café français also voll ist, weil es voll ist, alle hingehen, weil alle hingehen. Und so seltsam das auch sein mag, es hat zweifellos sein Gutes.

Resümee:

Ein großes, neues Lokal in bisher katastrophaler Lage macht ein kleines bisschen auf Französisch – und fand damit den Stein der Weisen.


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