Cafés, Espressos Lokalkritik

Ein Affe Espresso

© Heribert Corn


Das ehemalige Espresso Heini wurde neu übernommen, blieb genauso wunderschön, beziehungsweise wurde noch ein bisschen schöner. Kleine Jausen-Snacks mit Bio-Mangalitza Spezialitäten und Käse (unter € 10,–), Süßes von Bröselkeks. Ruffinelli Kaffee aus San Marino, Weine, Biere (Erzbräu). WLAN. Schanigarten für 20 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Schwendergasse 19
1150 Wien
Telefon:
Telefon:
0660/774 40 38
E-Mail:
E-Mail:
dominik@einaffe.at
Website:
Website:
www.einaffe.at
https://www.facebook.com/einaffewien/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Fr 14–24 (Fei geschlossen), Sa für Feiern mietbar
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos
Sonstiges:
Sonstiges:
Nichtraucherlokal, Schanigarten, WLAN

Das Espresso-Weltkulturerbe

Eine einst finstere Tschumsen in Reindorf erstrahlt nun in neuem Licht
FLORIAN HOLZER | 14.3.2017

Und schon wieder kommt wer herein, blickt fasziniert um sich und meint, dass er zwar schon seit 50 Jahren hier wohne, sich davor aber noch nie hereingetraut habe. Und wie schön das hier sei. Das passiert oft dieser Tage.

40 Jahre lang führte Willi Spring das Espresso Heini, und in diesen 40 Jahren war das ehemalige Markt-Café (der Schwendermarkt reichte bis in die Schwendergasse) mit dem einprägsamen Vulgo-Namen „Stiegenscheißer“ wahrlich kein schlechter Ort. Location-Scouts liebten das düstere Espresso mit dem Bahnhofscafé-Appeal, oft sei hier gedreht worden, erfährt man. Aber ein bisschen finster war’s halt immer, Vorhänge, Milchglas, Zimmerpflanzen ließen nur wenig Hell ins Dunkel. Man trank Schnaps und so eine Art Kaffee, hing seiner Melancholie nach, ein Wiener Vorstadtespresso halt.

Dominik Weiser war Cutter bei Film und Fernsehen, habe immer schon ein Gastronomieprojekt im Kopf gehabt und fing vor einiger Zeit mit dem „Stand 16“ am Schwendermarkt an, „um mal reinzuschnuppern“. Und dann sei er zufällig im Espresso Heini gewesen und habe ein Telefongespräch zwischen Willi Spring und dem Vermieter mitgehört, in dem klar wurde, dass Spring aufhören wolle. Weiser bekundete spontan, übernehmen zu wollen, „ich war zufällig Erster“.

So wurde der Neostandler zum Betreiber des derzeit schönsten Espressos in Wien. Vorhänge und Pflanzen flogen raus, die in den 80ern angeschraubte Theke kam wieder runter, die vermutlich originale Oberfläche wurde hergestellt, der Blümchenbezug der so unsagbar Spätfünfziger-kargen Sitzbänke durch beiges Kunstleder ersetzt, die unglaubliche Decke – ein Meer von verkehrten Aschenbechern – in einer Farbe gestrichen, von der man gar nicht glaubt, dass es sie noch gibt, auch die Wände erhielten ein neues Beige. Vor allem aber wurde die Bar von sinnlosen Verbauungen befreit, und ins Fenster kam eine alte Espressoreklame vom Flohmarkt, bei der aus „Meinl Kaffee“ „ein affe“ wurde – damit war der Name klar.

Die Strukturiertheit, die klaren Linien, die Moderne, das ist schon wirklich sehr super. Aber Dominik Weiser hat auch bei der Software Feines zu bieten: einen Kaffee namens Ruffinelli aus San Marino, den er in einer Faema „President“ mit zwei Handhebeln zu haselnussbraun-cremigem Espresso verwandelt; Rotwein von Ziniel, Weißwein von Stift aus Röschitz; großartige Biere vom Erzbräu aus Gaming und absolut köstliche Kekserln von Christine Rabansers Manufaktur Bröselkeks – die „Zitronenimpade“ unbedingt probieren, auch wenn man eigentlich nur Bier wollte. Seit dieser Woche gibt’s auch Würstel und Pastete vom Mangalitza sowie Käse, Essen wird hier aber nie das große Thema sein, meint Dominik Weiser, war es ja auch nie. Und Willi Spring sei unlängst da gewesen und fand es auch sehr gut.

Resümee:

Was für ein Glück, dass die wenigen, großartigen 50er-Jahre-Espressos nicht alle den Bach runtergehen, sondern auch mal gerettet werden. Hurra!


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