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Loca

© Loca

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Moderne österreichische Küche, (regionale Zutaten, kohlehydrat- und fettarm (HS € 15,80 bis € 24,80), wechselnde Karte mit saisonalen Schwerpunkten; täglich wechselndes 6gg M (€ 46,–); hausgemachte Eistees, exzellente Weinauswahl. Regelmäßig Veranstaltungen mit Produzenten oder Winzern. WLAN. Kindersessel, Wickeltisch; Schanigarten für 24 Pers.

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Adresse:
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Stubenbastei 10
1010 Wien
Telefon:
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01/512 11 72
E-Mail:
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office@bettereatbetter.com
Website:
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www.bettereatbetter.com
www.facebook.com/bettereatbetter
Öffnungszeiten:
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täglich 17–24
Zahlungsmöglichkeiten:
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Bankomat, VISA, MasterCard, Amex, Diners, JCB
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Szene
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Essen zum Mitnehmen, Nichtraucherlokal, Rollstuhlgerecht, Schanigarten, WLAN

Iss dich fit, iss dich schlau!

Wiens erstes Restaurant, das uns angeblich das serviert, was wir brauchen
FLORIAN HOLZER | 21.5.2013

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir der Gedanke, etwas zu essen, um schlauer, schöner, schneller oder fitter zu sein, nicht behagt. Das ist fast so, als würde man Getränke nur deshalb zu sich nehmen, um den Isotopenstandard zu regulieren oder sich schnellstmöglich von der Realität zu entfernen (je nachdem, was man trinkt); oder Sex nur deshalb zu haben, um sich zu reproduzieren. Alles eine Komponente des Gesamten, schon klar, befindet sich in meiner ganz persönlichen Prioritätenliste aber auf den hinteren Rängen.

Vor einer Woche eröffnete Andreas Kurz im ehemaligen „Ein Wiener Salon“, nun weiß ausgemalt, das Loca, in dem aber eben genau so gekocht werden soll, dass man „auf sein Bauchgefühl hören und das Menü sorgfältig nach der Wirkung der Zutaten“ auswählen soll. Ein Diagramm erklärt mittels grauer („Active Ingredience“), roter („Vitality“), gelber („Concentration“) und grüner („Mood“) Punkterln, welche Kombination von Magnesium, Vitamin A, Calcium, Quinoa, Rindfleisch und Paradeisern zu „balance“, „strength“, „well-being“, „smile“ und anderen Effekten führt.

Weiß nicht. Andreas Kurz, der vor ein paar Jahren gleich ums Eck sein vom Slow-Food-Geist inspiriertes „Kurz“ hatte, erklärt, dass die Idee von einem im Hintergrund bleiben wollenden Partner stammt, einem Werber, der vor ein paar Jahren mit Triathlon und Ernährungslehre begonnen hat, dass ein paar Neurologen und Ernährungswissenschaftler ihre Erfahrungen beigesteuert hätten. Eh. Weil einem Koch würde so etwas nicht ohne Zwang einfallen, glaub ich.

Seine Aufgabe ist es jetzt jedenfalls, dieses völlig unsinnliche Konzept in den grünen Bereich der Schmackhaftigkeit zu transferieren, ohne dabei aber auf „Junk“ (Zucker, raffinierte Kohlenhydrate, Industriefette, Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker und Fleisch aus „unbewusster“ Aufzucht) zurückzugreifen. Gutmenschen-Essen also.

Rindsroulade einmal anders, zum Beispiel, waren drei Maki-artige Röllchen aus rohem Rindfleisch, gefüllt mit einem etwas indifferenten Wurzelgemüse, gelbes Punkterl, „Concentration“ (€ 13,20). Die Hühnersuppe mit sehr, sehr viel Ingwer und ein bisschen zu viel Paprikastückerln war nicht schlecht, rotes Punkterl, „Vitality“ (€ 4,90); das Oktopus-Gröstel mit Süßkartoffeln, Stangensellerie, Erbsen und Minze schmeckte nur ein bisschen „gesund“, war wirklich gut, rotes und grünes Punkterl (€ 18,90). Und die schön orientalisch gewürzten Lammbutterschnitzerln wären mit einem etwas kraftvolleren Püree als jenem aus Karfiol vielleicht noch besser gewesen. Rotes und grünes Punkterl (€ 17,40).

Hinweisen sollte man vielleicht auch noch auf die exzellente Weinauswahl, die irgendwie sehr viel unmittelbarer und trotz der schädigenden Wirkung des Nervengifts Alkohol zu ein wenig Glück führte.

Resümee:

Ein neues Lokal, das „gut essen“ neu definieren will, und zwar als funktionelle Wirkungsdroge, die aber trotzdem Glück spendet. F


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