Türkisch Lokalkritik

Flamingo

© Katharina Gossow


Spezialitäten vom Holzkohlegrill; Fisch, auch Steckerlfisch. Lammgerichte. Pizza, Schnitzel, Meeresfrüchte. (HS € 9,90 bis € 27,–). Kindersessel. Gastgarten am Wasser.

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Adresse:
Adresse:
Kuchelauer Hafenstraße 56
1190 Wien
Telefon:
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01/318 02 15
E-Mail:
E-Mail:
office@flamingorestaurant.at
Website:
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www.flamingorestaurant.at
https://www.facebook.com/flamingorestaurant.at/
Öffnungszeiten:
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täglich 11–22, Küche bis 21
Zahlungsmöglichkeiten:
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Bankomat, VISA, MasterCard
Küche:
Küche:
Türkisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Essen am Wasser, Gastgarten, Raucherbereich

Yachthafen-Köfte

Radfahrerschenke war gestern, jetzt wird in der Kuchelau gegrillt
FLORIAN HOLZER | 13.6.2017

Udo „das Auge“ sieht Dinge anders als unsereins. Unsereiner Blick strebt ja nach vorne, der Überlegung gehorchend, ob man dem Typen mit dem depperten Carbonrad da vorne zeigen soll, was ein Zwischensprint mit einem 30 Jahre alten Stahlrenner bedeutet, und ob die Kraft dann noch reicht, um das Kritzendorfer Bad lebendig zu erreichen. Udo hingegen ist Fotograf, ihm entgehen auch Details am Rande nicht. Und deshalb verriet er mir, dass sich eine dieser unmöglichen Hütten, die da im Schatten des Leopoldsberges die Kuchelauer Hafenstraße säumen, um am Weg nach Kritzendorf oder Greifenstein strandende Radfahrer zu laben, im Lauf der Zeit veränderte. Dass „Edwin und Margit Gruber’s Fischerhütte“ plötzlich „Flamingo“ hieß und nach gegrilltem Lamm duftete.

Konkret machte die Fischerhütte schon vor vier Jahren nach dem Hochwasser zu und wurde vor zwei Jahren dann von Yaşar Özgan übernommen. Özgan lebt seit Ende der 1970er-Jahre in Wien, arbeitete als Fernfahrer und eröffnete 2006 einen Kebabstand in der Breitenleer Straße, der bald zum Restaurant vergrößert werden konnte. Ein zweites Lokal in der Klosterneuburger Straße folgte, dann die Fischerhütte, die heute von Yaşar Özgans Sohn Osman geführt wird, der nebenher auch noch studiert – eine Erfolgsgeschichte, könnte man sagen.

Wirklich verändert wurde die Fischerhütte nicht, der Gastgarten mit Blick auf den ungenützten Hafen und die darin stattfindenden Aktivitäten von Paddlern, Wildenten und Graureihern ist ein Traum, das Mobiliar aus den 70ern scheint die Flut überlebt zu haben, auch der Freiluft-Tank, in dem ein paar Karpfen ihre Runden drehen, wirkt nicht mehr neu, die Spinnweben an der Fassade wurden belassen, die Gaststube blieb genauso hässlich wie früher. Aber in der Gaststube sitzt man eh nicht, man sitzt draußen, idealerweise jenseits des Begrenzungsbuschs, je näher am Wasser desto besser.

Neu ist hingegen ein etwa 20 Quadratmeter großer Grillraum, der einfach angebaut wurde, und der bringt’s hier natürlich sehr. Vorher aber noch ein bisschen Ezme, das herrlich kühl-scharfe Konglomerat aus Zwiebeln, Paradeisern und Paprika, das durchaus etwas mehr Olivenöl vertragen hätte (€ 3,50), einen Melanzanisalat, der auch eine Spur zu mild war (€ 3,50), und eine Vorspeisenladung herrlich knusprig gebackener Calamari mit Zitrone und (fader) Sauce tartare (€ 6,90). Vom Grill kommen sowohl Fisch – Goldbrasse zum Beispiel, zwar gnadenlos durchgegart, aber schön rauchig und leicht von der Gräte zu lösen (€ 11,90) – als auch Fleisch in Form von Lamm, Cevapcici, Köfte, Huhn oder ziemlich fetten, ziemlich guten Kalbsripperln, die eine bessere Sauce verdient hätten als die BBQ-Sauce (€ 12,90), weshalb es sich empfiehlt, Haydari oder Ezme dazuzubestellen.

Und zurück geht es erstens ganz leicht bergab und zweitens kommt der Wind meistens von hinten.

Resümee:

Ein Türke am Fuße des Kahlenbergs, und das ganz ohne historische Verbrämung, sondern nur gut gegrillt und traumhaft gelegen.


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