Japanisch Lokalkritik

Kuishimbo

© Heribert Corn


2. Filiale des Kuishimbo; authentische Japanische Küche; Spezialitäten wie Horenso, Stint-Fischchen oder Nasu no Agebitashi. Schanigarten.

Anzeige

Adresse:
Adresse:
Esterhazygasse 12
1060 Wien
Telefon:
Telefon:
0676/553 07 27
Website:
Website:
https://www.facebook.com/Shokudo-Kuishimbo-183193359067175/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Sa 17–24
Küche:
Küche:
Japanisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Schanigarten

Der kleine Fresssack

Das legendäre Kuishimbo hat einen Ableger bekommen. Mit Vor- und Nachteilen
FLORIAN HOLZER | 22.5.2018

In kulinarischen Zirkeln auf ein Japanologen-Gemetzel zu stoßen, ist definitiv kein Lercherl. Habe ich öfters beobachtet, bin in solche Konflikte hineingeraten – es gibt wirklich Lustigeres als das Aufeinanderprallen der Dogmen, was als würdiges japanisches Essen zu gelten habe. Japanologen sind da sehr streng, vor allem gegenüber Nicht-Japanologen.

Ein Name, der allerdings selbst bei den härtesten Dogmatikern Zustimmung fand, sogar bei jenen, die nie im Leben Murakami lesen oder niemals in Österreich Sushi essen würden, weil die hier den Reis nicht richtig säuern, ist das Kuishimbo: eine winzig kleine Imbissstube von erfrischend schlichter Hässlichkeit, die von der Pianistin Hiroko Numata und ihrem Mann Yoshihiro 2003 gegründet wurde, weil ihnen das Essen von zu Hause so fehlte.

Und bei ihrem Zuhause handelt es sich um Kyoto, weshalb es im Kuishimbo – das Wort bedeutet so viel wie „Nimmersatt“ und wird als Kosename für kleine Kinder mit gesegnetem Appetit verwendet (ich hoffe, die Japanologen geben mir da jetzt recht ...) – dann eben Sachen gab wie Korokke, die Kyoto-typischen Kroketten, oder Okonomiyaki, ein unendlich reichhaltiges Fleisch-Kohl-Mehl-Mayonnaise-Omelette, fantastische Ramen oder ein paar sagenhaft gute Algen- und Tangsalate, wie man sie in Österreich sonst nirgendwo bekommt.

Bald schon stieg Sohn Keisuke Numata ins Kuishimbo-Business ein, und vor ein paar Monaten wurde dann bekannt, dass er das ehemalige Finkh in der Esterházygasse übernehmen und zu einem Zweit-Kuishimbo machen wolle. Und das gelang: Auch hier herrscht ein gewisser Wille zur gestalterischen Schlichtheit, auch hier ist die Speisekarte erstaunlich groß, auch hier kann man so wahnsinnig gut essen und dazu ein Asahi oder ein Kirin trinken.

Die angebotenen Menüs sind für die sehr Vorsichtigen (und jene, die sich noch nie mit Japanologen gestritten haben) eine gute Wahl, es gibt da gut zubereitetes Fleisch oder Fisch mit Salat, Reis und Miso-Suppe.

Die Japan-Auskenner nehmen zuerst einmal die Vorspeisen, idealerweise alle 16, darunter so Herrlichkeiten wie Horenso, marinierter Spinat mit Sesam, Kinpira Gobo, Schwarzwurzeln mit Karotten, Okra mit Spezialsauce, Hijiki, ein fantastischer Salat aus schwarzen Algen mit Stückchen von frittiertem Tofu, oder Mozuku, ein zwar nicht besonders schöner, aber dafür umso grandioser schmeckender Salat aus braunem Seetang mit der Umami-Wundersauce Ponzu (€ 5,–).

Oder gegrillte, fein bröselige Stint-Fischchen, die man mit Kopf und Fuß isst (€ 5,50), oder Nasu no Agebitashi, ein unglaubliches Gericht aus im Rohr gebratenen Melanzani, die dann in Dashi-Sud eingelegt werden (€ 4,50).

Okonomiyaki gibt’s hier nicht, das wird die Japanologen fertigmachen, aber so bleibt immerhin mehr Platz für alles andere.

Resümee:

Das beste kleinste japanischste Lokal Wiens hat einen Ableger bekommen. Mit Sitzplätzen und Abend-Geschäft, aber ohne Okonomiyaki.


Anzeige

Diese Lokale könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige