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Umar Fischbar

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn


Elegante, in Stein, Stahl und Glas zeitlos funkelnde Fischbar. 10gg Chef's Choice-Menü für 2 Pers. (€ 250,–); köstliche Speisen wie marinierte Sardinen mit fermentiertem Knoblauch, Panko-Bröseln und Olivenöl (€ 10,–) und gegrillte Bouchot-Muscheln in Paprika-Creme mit Roggenbrot-Croutons und Liebstöckel (€ 15,–). Schanigarten für 20 Pers.

Adresse:
Adresse:
Naschmarkt Stand 74–75
1060 Wien
Telefon:
Telefon:
01/934 61 05
E-Mail:
E-Mail:
office@umarfischbar.at
Website:
Website:
www.umarfischbar.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mi–Fr 12–22, Sa ab 11 (Fei geschlossen), Küche bis 21 bzw. Sa solange der Vorrat reicht
derzeit geschlossen
Parken:
Parken:
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Preiskategorie:
Preiskategorie:
€€€ (Hauptspeisen € 15-25)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Barzahlung, Kartenzahlung
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants, Gaststätten
Sonstiges:
Sonstiges:
Gastgarten

Für die Fisch

Der Fischhändler machte noch ein Lokal auf. Ein kleines und wirklich gutes

FLORIAN HOLZER | 13.10.2020
Austernbars sind so wunderbar Paris. Oder New York. An vielen schönen Orten, die Menschen mit kulinarischem Empfinden gut gefallen, gibt es Austernbars, und nein, die liegen nicht zwangsläufig am Meer. In Wien hat’s die Auster eher schwer. Vielen graust es beim Gedanken, ein eigentlich lebendiges Wesen zu verschlingen, viele können an diesem Mittelding aus Schleim und knackigem Biss keinen Gefallen finden, viele haben Angst vor unvorhersehbaren Kosten oder Vergiftungserscheinungen, vielen geht nicht das Herz auf bei diesem wunderbaren Geschmack von Meer und Algen, sondern nur die Antiperistaltik. Ein paar Mal schon wurde versucht, auch in Wien Austernbars zu starten, der Erfolg hielt sich in Grenzen.

Erkan Umar wollte trotzdem eine Austernbar. Umar, gelernter Touristiker, entschied sich 1996 dafür, einen Fischhandel aufzuziehen, obwohl das kalt und nass ist, nicht immer gut riecht, er keine Ahnung davon hatte und es auch kein sicheres Geschäft war. 2004 entschied er sich dann auch dafür, am Naschmarkt ein Fischlokal zu machen, wieder hohes Risiko, wieder eigentlich keine Ahnung. Und nachdem das Fischlokal am Naschmarkt großen Zulauf hatte, beschloss er, anspruchsvolle, elaborierte Fischküche anzubieten. Okay, das klappte dann nicht so toll, das wollten weder die Umar-Gäste noch die Umar-Köche.

Aber Erkan Umar wollte es. Und nutzte daher die Gelegenheit, als vor einem Jahr der ebenso wunderbare wie winzige Inder Indian Pavilion zumachte, zuzugreifen. Klar hätte er einfach sein erfolgreiches Fischrestaurant vergrößern können, machte der „Austern-Türk“ (Eigendefinition) aber nicht. Stattdessen ließ er das winzige Marktbeisl von Birgit Eschenlor zu einer eleganten, in Stein, Stahl und Glas zeitlos funkelnden Fischbar machen, wie es sie so in Wien schon lange nicht mehr gab. Und holte sich mit dem jungen Stefan Doubek einen Koch, der es erfreulicherweise absolut draufhat, da jetzt nicht die eventuell zu erwartenden Bonzen-Snacks abzuliefern, sondern raffinierte, interessante, wahnsinnig gute und wirklich leistbare kleine Fischgerichte.

Diese marinierten Sardinen mit fermentiertem Knoblauch, Panko-Bröseln und Olivenöl zum Beispiel, eigentlich zu schön, um sie aufzuessen, aber definitiv zu köstlich, um es nicht zu tun (€ 4,90); oder die gegrillten Bouchot-Muscheln in Paprika-Creme mit Roggenbrot-Croutons und Liebstöckel, ja bist du fertig, ist das gut (€ 6,50); oder diese getauchte Jakobsmuschel mit geschmorter Zwiebel und Zwiebel-Dashi – Oida! (€ 7,50); oder der mit Vadouvan und Piment d’Espelette gegrillte Kaisergranat mit salziger Apfelcreme, das Beste, was ich seit langem hatte (€ 9,50). Eine bessere Gelegenheit, um wenig Geld grandiose Dinge zu essen, gibt es in Wien derzeit nicht.

Resümee:

Es hätte eine normale Schnöselhütte werden können, aber es wurde die beste Snackbar des Landes.


Umar Fischbar, 6., Naschmarkt 74–75, Tel. 0676/897 426 200 (oder im Restaurant: 01/587 04 56), Mi–Sa 12.30–21 Uhr



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