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Hadikstüberl

© Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

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Klassisches Vorstadtgasthaus, Altwiener und gutbürgerliche Küche wie z.B. Haussulz (€ 5,40), Weinbergschnecken (€ 11,50), geräucherte Rinderzunge mit Rahm-Speck-Linsen und Serviettenknödel (€ 13,50). Gastgarten.

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Adresse:
Adresse:
Hadikgasse 100
1140 Wien
Telefon:
Telefon:
0660/410 55 10
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 10–22, So 10–15 derzeit geschlossen
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants/Gaststätten
Küche:
Küche:
Wienerisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Gastgarten

Im Westen nichts Neues?

Ein farbloses Beisl an der Westausfahrt lebt wieder. Mit Zunge, Sulz und Schnecken

FLORIAN HOLZER | 30.7.2019

Es muss nicht immer alles neu sein. Es muss auch nicht immer alles hipp sein. Und deshalb ist es so großartig, dass Georg Holzmann vor drei Wochen das Hadikstüberl wieder aufgesperrt hat.

Das Hadikstüberl ist ein klassisches Vorstadtgasthaus, angeblich hundert Jahre alt und damit aus einer Zeit, als die Hadikgasse noch nicht die Westausfahrt mit einer Verkehrsfrequenz von 2000 Fahrzeugen pro Stunde war.

Das Hadikstüberl besitzt einen kleinen, trotz Verkehrs lauschigen Garten, weich gesessene Holzbankerln, eine makellose Lamperie, wunderbare Resopal-Ablagen in den Fensternischen, Butzenscheiben und ein beachtliches Sortiment an schmiedeeisernen Kunstwerken in Form von Ziergittern, Lampen und Lustern, die allesamt das Thema „Weinrebe“ interpretieren.

Und das Hadikstüberl besitzt eine Bretschneider-Schank, die sich gewaschen hat, mit runder Vitrine und blitzenden Niro-Kanten, ein Bild von einer Schank. Über drei Generationen hat die Familie Ehold das Hadikstüberl geführt, vor zweieinhalb Jahren machten sie zu, es trug sich nicht mehr. Und dann kam Georg Holzmann.

Der schon auf großen Schiffen und in großen Hotels auf der ganzen Welt gekocht hat, dann im 18. Bezirk eine Bar hatte, die aber erstens abbrannte und ihm als Antialkoholiker außerdem eh keinen Spaß machte. Er ließ neu ausmalen, ein bisschen entrümpeln und neue Vorhänge aufhängen.

Vor allem aber legt Georg Holzmann eine Karte vor, die selbst innerstädtisch als mutig gelten würde, hier an der tosenden Westausfahrt aber geradezu als halsbrecherisch „Keine Spareribs, keine Grillereien, keine Burger, keine Pommes, ich hasse Pommes …“

Stattdessen kocht er, was man als eine Mischung von Altwiener und gutbürgerlicher Küche bezeichnen könnte, alles selbst gemacht, keine Convenience, pures Handwerk.

Und das geht, sagt Georg Holzmann. Das Hühnerherzen-Gulasch sei sofort weggewesen, die Leber verkaufte sich blendend, die handgewutzelten Mohnnudeln wurden aufgegessen. Ein Rezept für sein Radieschen-Tatar fand er in einem uralten Kochbuch, Kalbsniere mit Ei nehme er allerdings wieder von der Karte, sagt er, „das will keiner“. Schade.

Dafür bleibt die Haussulz, die er selbst macht, mit Fleisch von der Stelze und Karotten und Rüben, schichtweise eingegossen, herrlich (€ 5,40). Die Weinbergschnecken waren bei
34 Grad Außentemperatur eine Herausforderung, aber was sein muss, muss sein: Er macht sie „venezianisch“, also in einer Wein-Butter-Parmesan-Sauce, nur ganz zart Knoblauch, wenn der Toast auch noch getoastet wäre, wär’s noch besser (€ 11,50).

Dann noch was Leichtes, geräucherte Rinderzunge mit Rahm-Specklinsen und Serviettenknödeln, mit einen Glas Rotgipfler geht das sehr gut (€ 13,50). Ein Beisl, das schon verloren schien, ist wieder voll da. Super!

Resümee:

Ein Koch, der schon überall auf der Welt und jede Küche kochte, übernahm ein Beisl in Penzing und liefert hier Altwienerisch. Respekt!


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