Wiener Kaffeehaus Wienerisch Lokalkritik

Cafe Drechsler

© Heribert Corn


Legendäres, 1919 eröffnetes Kaffeehaus, einst bekannt wegen seiner nahezu durchgehenden Öffnungszeiten. Frühstück; Wiener Küche mit Berliner Einflüssen, saisonale Speisen, Tageskarte (MM); WLAN; Klimaanlage; Schanigarten für ca. 12 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Linke Wienzeile 22 (Ecke Girardigasse 1)
1060 Wien
Telefon:
Telefon:
01/581 20 44
E-Mail:
E-Mail:
office@cafedrechsler.at
Website:
Website:
www.cafedrechsler.at
https://www.facebook.com/dascafedrechsler/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Do 8–1, Fr 8–4, Sa 9–1, So, Fei 9–24
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Wiener Kaffeehaus
Küche:
Küche:
Wienerisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Frühstück, Mittagsmenü, Schanigarten, WLAN
Tipp:
Tipp:
aus dem Buch "Kaffehäuser in Wien", Ein Führer durch eine Wiener Institution

Es war nicht alles besser

Das Café Drechsler geht in die nächste Runde. Und ein Deutscher kocht
FLORIAN HOLZER | 10.7.2018

Es gibt eine spezielle Form der Nostalgie, wir wollen sie die Drechsler-Nostalgie nennen. Vertreter dieser Form der Vergangenheitsverklärung führen ins Treffen, dass man früher beim Drechsler im Morgengrauen arg frühstücken konnte, dass der alte Drechsler ein Original und die abgeranzte Atmosphäre so einzigartig war. Eh. Nur war 2005, als das Drechsler zumachte, die Welt halt schon eine etwas andere als Ende der 70er oder Anfang der 80er. Der Naschmarkt war kein altmodischer Markt mehr, sondern eine turbulente Vergnügungsmeile; die gesetzlichen Rahmenbedingungen bezüglich Lokalöffnungszeiten hatten sich geändert und die Zahl derer, die heute um halb vier in der Früh ein Gulasch essen wollen, ist auch eher überschaubar. Dass die Renovierung von 2007 eher in die Hose ging, stimmt leider, das Drechsler wurde zu einem vergleichsweise indifferenten Szenelokal an der Naschmarkt-Peripherie.

Ende des vergangenen Jahres gab Drechsler-Betreiber Manfred Stallmajer das Café jedenfalls ab, die Horrorgerüchte, dass da jetzt der Mäckie oder Starbucks reingehen würden, waren unvermeidlich, und dann kam es in Wirklichkeit doch ganz gut: Weinschenke-Mann Nikolai Kölbl versucht’s neben seinen drei Burger-Lokalen und seiner Pizza Randale nun also auch noch mit einem Kaffeehaus.

Das Design wurde von groben Schnitzern befreit, aber bis auf ein riesiges Qualtinger-Porträt nicht maßgeblich verändert. Die Speisekarte schon, hier versucht man nämlich einerseits, Kaffeehausklassiker ein bisschen neu zu interpretieren (was schon oft misslang), andererseits endlich einmal ein paar kulinarische Spuren von Kölbls Heimat Berlin zu hinterlassen.

Der erste Versuch, die Berliner Senf-
eier, war dann irgendwie nicht ganz so toll (die werden gerade überarbeitet und sollen auf der nächsten Karte neu erscheinen), der Stelzensalat vom Mangalitzaschwein, eine Art lauwarmes Wurzelfleisch, ist hingegen super (€ 12,90). Und die Rindsuppe mit Kräuterfrittaten ebenfalls – auch wenn Kölbl mit einer trüben Suppe, in der eine Frittaten-Palatschinke im Ganzen schwimmt, in der Gastgewerbefachschule am Judenplatz sicher keinen Einser bekommen würde (€ 4,90). Der toskanische Brotsalat Panzanella wird mit Schwarz- und Weißbrotwürferln gemacht, ist trotz Prosciutto und Pfirsich etwas sehr knusprig, aber wahrscheinlich die beste Panzanella Wiens (€ 9,90). Und auch beim Toast gibt Kölbl Vollgas, vielleicht eine Reminiszenz seines gescheiterten Toasteria-Projektes Bunter Hund, „G’zupfter Ferdl“, mit Pulled Pork vom Mangalitza-Bierschopfbraten, Rucola und Räucherkäse gefülltes Toastbrot, ist jedenfalls sehr gut (€ 8,90). Und man bekommt dazu Weine von Weninger, Scheucher und Braunstein glasweise. Das gab’s im alten Drechsler alles nicht. Das gibt’s am ganzen Naschmarkt nicht.

Resümee:

Das Drechsler wird wohl nie wieder zu dem, was es früher war. Aber so wie es jetzt ist, ist es auch nicht schlecht, muss man sagen.


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