Chinesisch Lokalkritik

Shu

© Heribert Corn


Authentische (scharfe!) Sichuan-Küche. Vorspeisen (z.B. Garnelen-Schweinefleisch-Bällchen im Toastmantel € 6,80), div. Teigtaschen, und Hauptspeisen (z.B. Karfioltopf).

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Adresse:
Adresse:
Operngasse 28
1040 Wien
Telefon:
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0664/595 72 31
E-Mail:
E-Mail:
shu.vienna@gmail.com
Website:
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https://www.facebook.com/shu.vienna/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 11.30–15 und 17.30–22
Küche:
Küche:
Chinesisch

Der Schuh des Buddha

Das Radlager hat eine neue, scharfe Bestimmung bekommen
FLORIAN HOLZER | 3.7.2018

Sorry für den schlechten Titel. Wobei Shu in diesem Fall natürlich nichts mit einer Fußbekleidung zu tun hat, sondern vielmehr mit dem Namen eines alten Reiches auf dem Gebiet der heutigen Provinz Sichuan, womit wir auch schon beim Thema wären. Denn die Familie von Chen Jianyong stammt aus dieser Region, die als die Kornkammer Chinas und außerdem als die Heimat der auch in China beliebtesten chinesischen Küche gilt, und genauso verhält es sich bei Wang Yaxiong. Chen machte vor drei Jahren gemeinsam mit seiner Frau Yi Cheng das grandiose Yong Streetfood an der Rechten Wienzeile auf, Wang kochte die vergangenen vier Jahre im Sichuan-Restaurant (siehe nebenan).

Und weil sich die Sichuan-Küche mit ihrer Popularität unweigerlich von ihren Ursprüngen entfernt habe, erklärt Chen Jianyong, sahen die beiden jungen Männer die Zeit gekommen, da einmal wieder ein bisschen an die Wurzeln zu gehen. Wobei man wissen müsse, erklärt Chen, dass es bei ihr nicht so wichtig sei, woraus eine Speise bestehe, als vielmehr, wie sie schmecke. Und auch der Geschmack muss differenziert betrachtet werden, denn der besteht nach Sichuan-Vorstellung auch nur zu einem Drittel aus Aroma, das zweite Drittel macht die Schärfe aus und das dritte Drittel die „Betäubung“.

Das muss einen jetzt aber nicht beunruhigen. Die zwei nahmen sich des vor ein paar Monaten aufgelassenen Radlagers an und machten aus dem hinteren Showroom für traumhafte Rennrad-Newtimer eine Küche. Die im Wesentlichen vier Kategorien von Essen liefert: Starters/Vorspeisen, „Secrets“ alias Teigtaschen, Reis- und Nudelgerichte sowie ein paar Hauptspeisen.

Von den Vorspeisen sollte man probieren, so viel es gerade gibt: Das gehackte Schweinefleisch auf gestocktem Ei wurde nach nur einer Woche leider wieder aufgegeben, weil doch recht aufwendig herzustellen und doch recht sättigend, schade, und die Garnelen-Schweinefleisch-Bällchen mit Toastmantel gab’s im Moment noch nicht (€ 6,80). Die in mundgerechte Stückerln gehackten, mit karamellisierter Essigsauce gebratenen Shanghai Ribs aber schon, sehr gut (€ 5,80), und die Cumin Potatoes zum Glück auch, weil diese gebratenen Minierdapferln mit Kreuzkümmel, Szechuanpfeffer und Frühlingszwiebeln so ziemlich die besten Erdäpfel seit langem waren (€ 3,60).

Großes China-Kino auch die Teigtaschen, Schweinefleisch-gefüllte, hauchdünne Chao Shou zum Beispiel, in einer säuerlichen, klaren Rettich-Pfefferoni-Brühe, Wahnsinn (4 Stk. € 3,80), oder die dickeren Jiaozi in Chiliöl, ebenso scharf wie gut (4 St. € 4,80). Den Karfiol-Topf habe ich auch probiert, der war dann aber so scharf, dass der Körper „Tilt“ sagte. Schade, dass es keine Fahrräder und keinen Passalacqua-Espresso mehr gibt, gut, dass es stattdessen einen scharfen Chinesen gibt.

Resümee:

Im ehemaligen Radlager wird jetzt Sichuan-mäßig scharf gekocht: scharfe Vorspeisen, scharfe Teigtaschen und scharfe Hauptspeisen. Scharf!


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