Wienerisch Empfohlen Lokalkritik

Zur Herknerin

Foto: Zur Herknerin

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Stefanie Herkner, die Tochter der Wiener Kochikone Heinz Herkner, besann sich ihrer Wurzeln, machte ein Installateurgeschäft zum Beisl und kocht dort jetzt z.B. eines der besten Gulasche Wiens – Fleisch mürbe und ohne Flachsen, Sauce von barocker Süße (€ 11,60) – oder herrliches Sarma mit knackig saurem Kraut, dezent gewürzter Fülle und Paprikasaft (€ 11,80); wöchentlich wechselnde saisonale Karte; selbstgemachter Holundersaft; viele Produkte (u.a. Kürbiskernöl) vom eigenen Bauernhof. Knödelseminare. Vom Installateurgeschäft blieb der großartige Terrazzoboden, sonst mit vielen Bildern und Flohmarktfünden sehr persönlich eingerichtet. Schanigarten für 24 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Wiedner Hauptstraße 36
1040 Wien
Telefon:
Telefon:
0699/15 22 05 22
E-Mail:
E-Mail:
buero@zurherknerin.at
Website:
Website:
www.zurherknerin.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–Fr 17–22, für geschlossene Gesellschaften auch außerhalb der Öffnungszeiten
öffnet um 17:00 Uhr
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Restaurants/Gaststätten
Küche:
Küche:
Wienerisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Kochkurse, Nichtraucherlokal, Rollstuhlgerecht, Schanigarten

Gesehen auf W24 in der Sendung "Hat's G'schmeckt" - Folge 10

Jetzt kocht die Tochter doch

Stefanie Herkner machte ein Installateurgeschäft zum Beisl. Ist uns nicht wurscht
FLORIAN HOLZER | 15.7.2013

Man kann schwer über Stefanie Herkner schreiben, ohne erst einmal ein paar Worte über ihren Vater Heinz Herkner zu verlieren. Heinz Herkner war in den 1970ern und 1980ern einer der besten Köche Wiens, war im Sachsengang, in der Kervansary, im Scampi und im Johanneshof, bis ihm die Gourmetsache aber echt reichte und er 1984 ein grandios heruntergekommenes Gasthaus in Neuwaldegg übernahm, das fortan das „Zum Herkner“ war und heute noch ist. Hier kochte er genau das Gegenteil von zuvor, nämlich Gerichte aus Wiener Bassenaküchen, die längst in Vergessenheit geraten waren, das schwärzeste und würzigste Bruckfleisch der Welt etwa oder einen Nudel-Bries-Auflauf – Gerichte, die für die Generation Branzino eindeutig aus der Hölle kamen, stylische Antimaterie sozusagen.

Herkner wurde Kult und machte nie ein Hehl daraus, dass ihm das extrem auf die Nerven ging. Nach seinem Tod wurde das Lokal 2001 an Karl und Martina Riedler verkauft, die es seitdem in Heinz Herkners Sinn weiterführen.

Okay, jetzt aber zu Tochter Stefanie, die quasi in der Küche aufwuchs – „ich war bei Bocuse essen, in meinem Kinderzimmer stand der Larousse“ (französisches Gastronomie-Lexikon) –, der von ihren Eltern aber verboten wurde, in die Gastronomie zu gehen. Also machte sie in Kunstmanagement, bereiste die Welt, kochte dann ab und zu ein bisschen beim Milchbart und konnte schließlich nicht anders, als doch ein Lokal aufzumachen.

Um in Tritt zu kommen, begab sie sich in diverse gastronomische Tretmühlen und schnitt acht Stunden Beuschel. Wie es generell nicht so scheint, als wäre die junge Frau überhaupt von irgendetwas abzuhalten – als die Fliesenleger nicht kamen, verflieste sie die Küche ihres Lokals eben einfach selbst.

Ihr Lokal ist ein ehemaliges Installateurgeschäft in der Wiedner Hauptstraße (von außen sieht es auch noch so aus), dessen großartiger Terrazzo-Boden blieb, sonst – bis auf eine Metallbar – wurde nicht so wahnsinnig viel eingerichtet. Ein Regal hie, ein bisschen Kunst da, eine alte Lampe dort. „So arg wie beim Papa wird’s sicher nicht“, sagt Stefanie Herkner, die Richtung soll aber eine ähnliche sein, „ein Lokal, in das man gehen kann und wo man so zu essen bekommt wie bei der Mama, was Gscheits halt“.

Und erfreulicherweise bekommt man auch zu essen wie bei ihrer Mama, etwa wenn Mutter Herkner dabei hilft, Sarma zu machen. Meine Güte, waren die gut, dieses knackig saure Kraut, diese dezent gewürzte Fülle, dieser Paprikasaft, herrlich
(€ 7,60). Gulasch gab’s auch, für den ersten Tag großartig, Fleisch mürbe und ohne Flachsen, Sauce von barocker Süße (€ 8,90). Und die Himbeergrütze war auch sehr gut (€ 4,50). Und dass in einem ehemaligen Installationsbetrieb der Strom ausfällt, das Klolicht nicht funktioniert und das Pissoir zu hoch montiert ist, ist auch irgendwie lustig, oder?

Resümee:

Die Tochter einer Wiener Kochikone besann sich ihrer Wurzeln. Und macht eines der besten Gulasche Wiens.

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