Szene Lokalkritik

Zehnsiebzig

Foto: Katharina Gossow


Kroatische Tapas; z.B. dalmatinischer Rohschinken mit Oliven (€ 6,50), selbst eingelegte Kapern; Ziegenkäse aus Varazdin (€ 4,50), Eis von Zuckero, hausgemachte Kuchen gibts von Cupcakes Vienna. Kroatische Weine, Kaffee von Fürth. WLAN. Schanigarten für 30 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Burggasse 68
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
0664/326 83 84
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Fr 11–23, Sa, So 9–23 derzeit geschlossen
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Szene
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Nichtraucherlokal, Schanigarten, WLAN

Hvar da nicht was?

Ein neues Café, das sich im kroatischen Hipster-Wesen versucht: Zehnsiebzig
FLORIAN HOLZER | 7.8.2018

Die Burggasse ist gewissermaßen die kulinarische Längsachse von Neubau. Viele der etwa 40 Lokale entlang dieser Gasse gehen wie geschmiert, aber halt nicht alle. Das auf Nummer 68 zum Beispiel, eine ehemalige Videothek (zu Beginn des jungen Gelato-Booms versuchte man es hier mit einer amerikanisch anmutenden Icedream-Factory), ging gar nicht, dann wollte man den Schwung des Pizza-Hypes mitnehmen, da wurde aber auch nichts draus. Seit zwei Monaten gibt es hier nun das Zehnsiebzig, von dem man zumindest sagen kann, dass es definitiv auf keiner der aktuell gängigen Wellen surft: nicht Burger, nicht Pizza, nicht Superfood-Bowl, sondern kroatische Tapas.

Jetzt stellt man sich vielleicht die Frage, was kroatische Tapas sein sollen, kleine Cevapcici? Nein, der Amerikaner William Wessling und Danica Milicic, die auf der Insel Hvar Olivenöl produzieren, versuchen es hier mit einer Mischung aus hübschem Café in klassischer Hipster-Anmutung, zeitgenössischer Kaffeekultur und eben ein paar Spezialitäten aus Hvar und den benachbarten Inseln, hübsch präsentiert und teilweise sogar aus eigener Produktion.

Eines gleich vorweg: Es gibt kein Karlovačko-Bier, und das ist hart. Gut, dafür gibt’s einen Weißwein der nahezu ausgestorbenen Hvar-Rebsorte Prč und einen roten Plavac Mali, der allerdings mit Raumtemperatur serviert wird, und das waren vorige Woche 36 Grad.

Die Tapas bestehen etwa aus dalmatinischem Rohschinken, hauchdünn geschnitten und wirklich sehr gut, dazu gibt’s Oliven, die man besser stehen lässt (€ 6,50). Mehr Spaß machen die selbst eingelegten Kapern, auch wenn die Portion für zwei Euro ein wenig knapp bemessen ist, und eben das selbst hergestellte Olivenöl, mit dem Wessling und Milicic immer-hin schon einen Preis in Griechenland gewinnen konnten. Der gereifte Ziegenkäse aus Varazdin im Norden Kroatiens ist gut (€ 4,50), wer regionaler bleiben möchte, kann auch den berühmten Schafkäse von der Insel Pag nehmen.

Na ja, und das war’s dann leider auch fast schon. Weil Tortilla-Chips mit Guacamole können schon okay sein, aber halt nicht, wenn man auf kroatische Tapas eingestimmt ist. Besser ist da schon eine Pogača nach Art der Stadt Komiža auf der Insel Vis, die in der Speisekarte als „Fisherman Pie“ bezeichnet wird, ein getoastetes Fladenbrot gefüllt mit Tomaten und (leider sehr wenig) Anchovis. Fein, aber da ist noch Luft nach oben (€ 7,50).

Der Kaffee stammt übrigens von Charles Fürth, was gut ist, weil der seine Zentrale ein paar Häuser weiter hat, was aber halt auch ein bisschen schade ist, wenn man etwa an die kroatische Rösterei Franck denkt, die wirklich guten Kaffee röstet. Okay, das Zehnsiebzig will keinen Authentizitätswettbewerb gewinnen, muss man auch nicht, aber ein bisserl Nachschärfung des Konzeptes ginge da schon noch.

Resümee:

Ein entspanntes, jugendliches City-Café, dessen kroatische Färbung so zart ist, dass man’s kaum merkt.

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